Battlefield, GTA-Triloge, Cyberpunk: Schluss mit unfertigen Spielen!

Battlefield 2042 und die GTA-Remasters sind die jüngsten Beispiele dafür, wie Spiele nicht erscheinen dürfen.

Battlefield 2042

27 Prozent. Das ist nicht der Prozentsatz an Menschen in Deutschland, die noch ungeimpft sind (der ist aktuell leider ein Stückchen höher) und gibt auch nicht den Rabatt an, den ihr bei einem gewissen Baumarkt auf alles außer Tiernahrung bekommt. Nein, es handelt sich hierbei um die derzeitige Quote an positiven Nutzer-Reviews zu Battlefield 2042 auf Steam. Das bedeutet im Umkehrschluss: Die Wertungen sind "größtenteils negativ" und damit ist der Ego-Shooter von DICE und Electronic Arts zumindest eines der am schlechtesten bewerteten AAA-Spiele auf der Plattform.

Im Test haben wir dem Titel keine sonderlich hohe Wertung gegeben. Wäre Battlefield 2042 jedoch nicht in einem so fehlerhaften, schlecht optimierten Zustand auf den Markt gekommen, wäre die Note noch recht gnädig ausgefallen. Ja, das Spiel hat viele Designmacken, aber Spaß haben kann man damit ja doch. Zumindest ist das meine Meinung. Mir geht es in diesem Text auch gar nicht um schlechtes Design, das wäre Stoff für eine andere Kolumne mit dem Thema "Oh, mein Gott, alle einst guten Entwicklerstudios stürzen ab". Das macht mich traurig, aber was mich wirklich wütend macht, ist, welch' Dreistigkeit sich Konzerne wie EA erlauben, Spiele auf den Markt zu bringen, die offensichtlich noch nicht fertig sind.

Kein junges Phänomen

Dass Spiele im Rohzustand auf den Markt geschmissen werden, ist beileibe nichts Neues. Nicht erst Cyberpunk 2077 Ende vergangenen Jahres hat uns mit all seinen technischen Problemen (und in dem Fall auch klar nicht zu Ende entwickelten Mechaniken) gezeigt, wie schlecht der Release eines so sehnlichst erwarteten Spiels verlaufen kann. Denken wir nur mal an Battlefield 4 zurück. Das hat schon acht Jahre auf dem Buckel, läuft aber erst seit sechs bis sieben davon ohne größere Probleme. Für DICE war es schon immer schwierig, Spiele fehlerfrei zu veröffentlichen. Scheinbar fällt es den Schweden besonders schwer, Deadlines einzuhalten und gut mit ihrer Technik umzugehen.

Wir können auch noch weiter in der Geschichte zurückgehen. Ich selbst habe es damals nicht mitbekommen, weil ich noch etwas zu jung war, aber aus Erzählungen weiß ich, in welch schlechtem Zustand Ultima 9: Ascension 1999 erschienen ist. Deutlich präsenter war da für mich Gothic 3. Wie sehr habe ich mich als Riesenfan des Vorgängers darauf gefreut. Der Release im Herbst 2006 war aber eine absolute Katastrophe. Ich habe zwar trotzdem meinen Spaß damit gehabt, aber aus heutiger Sicht bereue ich es schon irgendwie, damals direkt zur Veröffentlichung in einen Elektronikfachmarkt gelaufen zu sein und die Collector's Edition erstanden zu haben.

Das Geschäft mit der Unwissenheit

Ich könnte noch etliche andere Beispiele nennen, um darzulegen, dass unfertige Spiele kein neues Phänomen sind. Dennoch kommt es uns so vor, als wäre das Ganze heutzutage viel schlimmer. Nun, das könnte daran liegen, dass die Hersteller so sehr darauf pochen, man solle doch unbedingt vorbestellen. Am besten greift man dann gleich zur teureren Deluxe, Gold, Premium, Ultimate oder was auch immer Edition, zahlt dabei vielleicht gar einen dreistelligen Betrag und darf dann, wie im Fall von Battlefield 2042, eine Woche vor allen anderen spielen. EA nennt das Early Access – ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Natürlich sind die Spieler erst recht sauer, wenn sie gehypt werden, daraufhin vorbestellen sowie mitunter mehr Geld als zum Spielen nötig zahlen und dann ein so verbuggtes, nicht ausgereiftes Produkt serviert bekommen. Und in keiner anderen Branche ist das so häufig der Fall – zumindest nicht, ohne dass der Kunde problemlos sein Geld zurückfordern kann.

Battlefield 2042 - Editionen

Wer eine der Sondereditionen von Battlefield 2042 vorbestellt hat, wird sich nun vermutlich erst recht ärgern.

Videospiele umtauschen? Tja, das ist nicht immer so einfach

Wenn ich mir eine Waschmaschine kaufe, die nicht funktioniert, habe ich ein Recht darauf, sie wieder umzutauschen. Als damals die Akkus mehrerer Samsung-Galaxy-Note-7-Geräte explodiert sind, hat der Hersteller eine Rückrufaktion gestartet und den weiteren Verkauf eingestellt. Ist so etwas jemals bei einem Videospiel passiert? Ja, im Fall der Konsolenversionen von Cyberpunk 2077 konnte man das Spiel zurückgeben und die PS4-Fassung war auch vorübergehend nicht im PlayStation Store erhältlich. Aber kein Käufer wurde aktiv dazu aufgerufen, eine Rückerstattung zu beantragen. Gut, in dem Fall bestand auch keinerlei Verletzungsgefahr.

Davon mal abgesehen: PC-Spieler haben heutzutage die Möglichkeit, auf Steam, bei GOG und im Epic Games Store innerhalb eines begrenzten Zeitraums und nach einer limitierten Spielzeit gekaufte Titel zurückzugeben. Konsoleros jedoch schauen in der Regel in die Röhre.

Ehrlicherweise muss man sagen, dass Videospiele im Gegensatz zu technischen Geräten oder jeder anderen Form von physischen Objekten eine Sonderstellung haben: Software lässt sich patchen. Die fehlerhaften Samsung-Smartphones damals (also die, die noch nicht in die Luft gegangen waren) allesamt zu reparieren und dann wieder zurückzuschicken, hätte Samsung vielleicht machen können. Das wäre aber vermutlich teurer gewesen, als einfach allen Käufern das Geld zu erstatten. Klar, ein Update zu entwickeln, kostet auch was. Das lässt sich nicht mal eben so an einem Nachmittag von einer Person erledigen, ist aber doch vergleichsweise einfach. Das kann und darf allerdings keine Ausrede dafür sein, Spiele unfertig zu veröffentlichen und den Fans trotzdem in der Werbung weismachen zu wollen, dass das eigene Werk ja das Beste sei, was sie jemals spielen werden.

Wir fallen nicht auf die Marketingsprache rein

Besonders dreist wird das Ganze, wenn der Hersteller sich nach so einem Debakel entschuldigt, man ihm aber anmerkt, dass diese Entschuldigung nicht ehrlich ist. So ist es im Fall von Rockstar Games und GTA: The Trilogy – The Definitive Edition geschehen. Da erlaubt sich das Unternehmen doch tatsächlich zu schreiben, dass die technischen Probleme der Remasters "unerwartet" gewesen seien. Meine Frage an Rockstar: Habt ihr keine Abteilung für Qualitätskontrolle? Irgendjemand muss das Produkt doch abgenommen haben, bevor es veröffentlicht wurde? Wie kann da nicht auffallen, dass die Trilogie in einem schlechten Zustand ist?

Manchmal habe ich das Gefühl, die Hersteller halten uns für blöd, weil sie eben nicht ehrlich mit uns sind. Rockstar Games hat uns in diesem Fall eindeutig angelogen. Und falls nicht, wäre es ein schlecht strukturiertes Unternehmen, dessen fantastische Produkte der Vergangenheit allesamt Glücksfälle gewesen sind.

Schauen wir uns den jüngsten Beitrag von DICE und EA zur Situation rund um Battlefield 2042 an, in dem zwei Updates ankündigt werden, fällt auf: Die Verantwortlichen entschuldigen sich überhaupt nicht. Stattdessen heißt es da eingangs sogar: "Wir freuen uns darüber, so viele von euch zurück auf dem Schlachtfeld zu sehen – fast zweimal so viele als bei unserem letzten Release [Anm. d. Red.: Battlefield 5] zu diesem Zeitpunkt [also wenige Tage nach Release]." Auf mich macht das den Eindruck, als wolle man hier dem Leser einreden, dass das Spiel ja richtig gut sei, weil es ja so viele Leute spielen. Folglich müsse es ja total beliebt sein und die "paar" Kritikpunkte, ja, die behebt man dann schon noch mit Patches. Sicherlich: Die Server von Battlefield 2042 sind (noch) alles andere als leer, aber die kritischen Stimmen im Netz passen irgendwie sogar nicht zu der Art und Weise, wie DICE und EA hier kommunizieren.

Die Lösung wäre so einfach

Ich verstehe ja, dass Publisher gewinnorientierte Unternehmen sind. Wenn sie nicht genug Umsatz machen, werden erst Stellen abgebaut und dann irgendwann geht das ganze Firmenkonstrukt den Bach runter. Lange Entwicklungszeiten kosten nun mal sehr viel Geld, gerade bei so großen Teams wie DICE. Ich würde an dieser Stelle auch nicht nur Electronic Arts die Schuld an dem verpatzten Launch geben. Es stand schon lange fest, dass dieses Jahr ein neues Battlefield erscheinen sollte und DICE macht einfach nicht den Eindruck, als sei man der schnellste Entwickler, der termingerecht arbeiten kann.

Dennoch hätte EA Battlefield 2042 in diesem Zustand nicht (auf diese Weise) veröffentlichen dürfen. Man wollte es aber wohl unbedingt zum Weihnachtsgeschäft auf dem Markt haben, weil sich Videospiele in dieser Zeit eben besonders gut verkaufen – und das natürlich auch die Investoren gerne sehen. Ein neues Battlefield würde sich aber auch im Frühjahr 2022 exzellent verkaufen, da bin ich mir ziemlich sicher. Und wenn eine Verschiebung um mehrere Monate aus finanziellen Gründen wirklich nicht möglich gewesen wäre, dann sollte EA zumindest ehrlich mit uns sein. 

Ich habe es im Frühling schon in Folge des Cyberpunk-Debakels "gefordert" und ich kann es hier nur nochmal betonen: Das Early-Access-Modell wäre auch für AAA-Produktionen eine gute Option, um Spiele zum gewünschten Zeitpunkt auf den Markt zu bringen und bereits Geld mit ihnen zu verdienen, ohne Spieler vorher anlügen zu müssen. Aber nein, davor schrecken weiterhin alle großen Publisher zurück, weil das scheinbar unter ihrer Würde ist. Man möchte ja nicht in einen Topf mit so manchem Scam gesteckt werden, den es in der Early-Access-Rubrik von Steam durchaus gibt oder gab. Stattdessen veröffentlicht man lieber unfertige Produkte, tut aber so, als wüsste man kurz vor Release nichts davon, entschuldigt sich später dafür (oder auch nicht) und patcht sie gesund, um dann beim nächsten Mal wieder das Vertrauen der Fans zu missbrauchen.

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