Preview: Weidmannsheil!

Seit einigen Monaten befindet sich Hunt: Showdown im Early Access. Wir haben uns auf die Jagd begeben.

Hunt: Showdown

Crytek ist nicht mehr das Studio, was es einst war. Vor Jahren konnte man die Frankfurter noch als die Vorzeigeentwickler aus Deutschland bezeichnen. Mit dem ersten Far Cry und den Crysis-Teilen lieferten sie Ego-Shooter ab, die technisch zur ihrer jeweiligen Release-Zeit wegweisend waren. Doch der Erfolg sollte nicht ewig anhalten: Die Crysis-Reihe wurde nie zu so einer großen Marke, wie es sich Crytek und Publisher EA erhofft hatten. Auch Ryse: Son of Rome, das zum Start der Xbox One deren Grafikpower demonstrieren sollte, war kein Erfolg. Zu dem Zeitpunkt hatte Crytek bereits angekündigt, sich mehr auf Free-to-Play-Titel konzentrieren zu wollen. Einer davon sollte Hunt: Horrors of the Gilded Age sein, das heute Hunt: Showdown heißt. Doch in all der Zeit seit der ersten Ankündigung hat sich mehr verändert als nur der Name.

Eine kleine Geschichtsstunde

In den vergangenen Jahren ist Crytek deutlich kleiner geworden. Die finanziellen Schwierigkeiten, in die das Unternehmen geraten war, zwangen es dazu, sich nicht nur von Mitarbeitern, sondern auch eigenen Marken wie Homefront zu verabschieden. Außerdem wurde aus den großen Free-to-Play-Plänen nichts. Jahrelang war Warface das einzige erschienene Spiel mit jenem Geschäftsmodell. Um das MOBA Arena of Fate wurde es rasch still und auch bezüglich Hunt: Horrors of the Gilded Age äußerte man sich nach der Ankündigung für eine längere Zeit nicht mehr.

Ursprünglich sollte der Titel ein Koop-Shooter für bis zu vier Spieler mit Third-Person-Perspektive werden. Aufgrund der Zombie-Thematik kamen Vergleiche zu Left 4 Dead auf. Das Szenario ist auch unverändert geblieben: In Hunt: Showdown verschlägt es euch nach wie vor ins Louisiana des späten 19. Jahrhunderts, wo ihr durch eine ungemütliche Sumpflandschaft watet und schaurige Monster, unter anderem eben Untote, bekämpft. Das Spielprinzip ist aber doch anders, als es ursprünglich geplant war - genauso wie das Team, das den Titel entwickelt.

Anfangs war Crytek USA für Hunt verantwortlich: ein Studio, das im Januar 2013 gegründet wurde und aus vielen Mitarbeitern des im selben Jahr geschlossenen Vigil Games (Darksiders) bestand. Nur anderthalb Jahre später musste die Mutterfirma Crytek USA aufgrund der finanziellen Probleme dichtmachen. Hunt: Horrors of the Gilded Age war da seit gerade mal ein paar Wochen angekündigt. Die Entwicklung des Spiels übernahm das Hauptstudio in Frankfurt am Main. Bis Mai 2017 bekamen wir nichts mehr von dem Spiel zu hören oder zu sehen, so dass es von vielen schon als Vaporware gehandelt wurde, die niemals erscheint.

„It’s alive!“

Vergangenes Jahr überraschte uns Crytek dann mit der Ankündigung, dass der Titel noch lebt und den neuen Namen Hunt: Shodown erhalten hat. Je mehr sich 2017 seinem Ende entgegenneigte, desto mehr Infos kamen ans Tageslicht und im Januar dieses Jahres war Hunt: Showdown erstmals für eine breitere Gruppe von Leuten spielbar, einer Closed Alpha sei Dank. Statt einen Koop-Shooter für Gruppen von vier Spielern präsentierte Crytek nun einen Titel, der eher Vergleiche zu Battle-Royale-Spielen weckte. Und auch das Free-to-Play-Modell wurde über Bord geworfen.

In der Early-Access-Version gibt es eine ein Quadratkilometer große Karte, auf der bis zu fünf Teams à zwei Leute unterwegs sind, ihr könnt aber auch ohne Partner losziehen. Eure Aufgabe ist simpel: Ihr seid Jäger und müsst ein oder auch zwei (je nach gewähltem Modus) Monster erlegen und mit deren Trophäen in der Tasche die Map verlassen. Um euer Ziel zu finden, müsst ihr zuerst Hinweisen auf dessen Aufenthaltsort nachgehen. Dazu könnt ihr jederzeit auf Knopfdruck in die sogenannte Schattensicht wechseln. Dann verdunkelt sich zwar die Umgebung, aber dafür seht ihr in der Ferne geisterhafte Lichter. Geht ihr zu einem solchen und untersucht es, wird der Bereich auf der Karte, in dem sich das Monster befindet, eingegrenzt. Nach drei Hinweisen habt ihr eine genaue Markierung, wo sich das Zielsubjekt aufhält.

Zombie ist nicht gleich Zombie

Dass Hunt: Showdown schon in dieser Phase enorm spannend ist, liegt am ganzen Drumherum. Der Kampf gegen so ein Bossmonster ist nämlich nur ein recht kleiner Teil jeder Partie. Zum einen wird die Karte von Dutzenden Zombies bevölkert. Die Bewohner der Sumpf- und Farmlandschaft haben sich in faulige Untote unterschiedlicher Art verwandelt. Neben den klassischen Schlurf-Zombies, die nicht in der Lage sind, schnell zu rennen, gibt es zum Beispiel dick gepanzerte Unholde und grausam entstellte Damen, deren Kopf schon gar keinen Halt mehr zwischen den Schultern findet und die euch gefährliche Insektenschwärme auf den Hals hetzen. 

Nun könnt ihr an diesen Zombies einfach vorbeischleichen. Doch wenn ihr sie endgültig ins Reich der Toten schickt, bringt euch das am Ende der Runde mehr Erfahrungspunkte. Das Problem: Wenn ihr schießt, hören das nicht nur die KI-Gegner in der näheren Umgebung, sondern auch die anderen Spieler. Die sind genauso versessen darauf wie ihr, das oder die Bossmonster zu erlegen und die Belohnung dafür zu kassieren. Mutige, aggressive Spieler könnten also von eurem Lärm angelockt werden und euch hinterrücks um die Ecke bringen, sofern ihr sie nicht kommen seht. Und wenn ihr ins Gras beißt, ist das Match für euch gelaufen. Genau wie in Playerunknown’s Battlegrounds und Fortnite Battle Royale gibt es keinen Respawn. Da ist es nicht verwunderlich, dass Hunt: Showdown gerne mal mit jenen Battle-Royale-Titeln verglichen wird.

Hunt: Showdown - Angriff auf Zombies

Die normalen Zombies könnt ihr oftmals auch umgehen. Ab und zu ist ein Kampf aber doch unausweichlich.

Zurück zum Thema Krach: Wenn ihr Zombies abschlachten wollt, ist es klüger, sie leise im Nahkampf auszuschalten. Das fühlte sich anfangs in der aktuellen Early-Access-Version noch nicht sonderlich toll an. Die Gegner sackten mit Verzögerung tot zu Boden und auch das Treffer-Feedback war noch alles andere als ausgereift. Crytek hat aber daran gearbeitet und mittlerweile tritt zumindest ersteres Problem nicht mehr auf. Tadellos funktionieren hingegen schon seit Beginn der Early-Access-Phase die Schusswaffen. Wenn ihr eure Schrotflinte, Pistole oder was auch immer sprechen lasst, macht das verdammt viel Laune. Treffer sind sehr gut spürbar, gerade die großkalibrigen Argumentationsverstärker haben genau den „Wumms“, den man sich als Spieler wünscht.

Schaurig schönes Louisiana

Nicht nur das Gunplay ist eine große Stärke von Hunt: Showdown, auch das Leveldesign macht einen richtig guten Eindruck. Ja, es mag erstmal doof wirken, dass der Shooter bislang nur eine Map zu bieten hat. Doch die ist fantastisch und mit sehr viel Liebe zum Detail gestaltet. Egal ob ihr euch nun durch das Sumpfwasser bewegt, an einer heruntergekommenen Farm vorbeilauft oder über einen Friedhof stapft: Die Anspannung, die ihr als Spieler sowieso verspürt, weil hinter jeder Ecke ein feindlicher Spieler lauern könnte, wird durch die düstere Atmosphäre, die die liebevoll gestalteten Schauplätze erzeugen, nur noch weiter verstärkt. Es wimmelt nur so vor Details, überall liegen Leichen, alles ist dreckig. Nein, in dieser Version von Louisiana möchten wir ganz bestimmt nicht leben. Hunt: Showdown ist eines der wenigen Multiplayer-Spiele, bei dem tatsächlich eine Art von Grusel aufkommt. Dass Crytek das geschafft hat, ist schon mal einiges wert.

Hunt: Showdown - Kirche

Die eine derzeit spielbare Karte ist fantastisch gestaltet und gehört in Sachen Detailgrad zum Besten, was Multiplayer-Shooter zu bieten haben.

Die Welt sieht aber nicht nur toll aus, sondern wird auch spielerisch fantastisch genutzt. Es gibt etwa zig Dinge, auf die ihr achtgeben müsst, wollt ihr nicht von anderen Spielern entdeckt werden. Wenn ihr zum Beispiel einen Schwarm Krähen auf dem Boden seht, solltet ihr einen großen Bogen um ihn machen, um die Vögel nicht aufzuschrecken. Außerdem gibt es Hunde in Käfigen, die anfangen zu bellen, wenn ihr euch ihnen nähert. Auch von Balken herunterhängende Ketten oder Ähnliches verursachen Geräusche, wenn ihr sie berührt. Besonders fies sind Pferde, die scheinbar tot auf dem Boden liegen, nur um dann plötzlich den Kopf zu erheben und laut zu wiehern, wenn ihr ihnen zu nah kommt. Das sorgt nicht nur für so manchen Schreck, sondern ist eben auch ziemlich laut.

Technisch schon jetzt grandios

Es empfiehlt sich sehr, Hunt: Showdown mit guten Kopfhörern zu spielen, viel mehr noch als bei anderen Online-Shootern. Generell ist die Soundkulisse großartig. Die Schussgeräusche klingen glaubhaft und intensiv, so dass es umso mehr Freude macht, mit einer Schrotflinte um sich zu ballern. Zombies schreien furchteinflößend, sobald sie euch sehen und geben auch sonst Geräusche von sich, wie man sie erwarten würde. Einziges Manko ist derzeit, dass Schussgeräusche etwas zu leise sind. Wenn jemand auf der anderen Seite eines Gebäudes mit seiner Flinte um sich schießt, klingt das so, als wäre er mehrere Hundert Meter entfernt. Das macht es manchmal schwer abzuschätzen, wo sich andere Spieler befinden, wenn man Schüsse hört. Hier herrscht noch Optimierungsbedarf.

Grafisch macht Hunt: Showdown eine gute, wenn nicht sogar noch bessere Figur. Die Cry Engine 5 zeigt, was sie auf dem Kasten hat, und zaubert großartige Licht- und Schatteneffekte, schickes Wasser mit Spiegelungen der Umgebung sowie detaillierte Objekte und Charaktermodelle auf den Bildschirm. Auch die Waffen sehen richtig schick aus und haben detailreiche Nachladeanimationen. Die Performance kann sich in der aktuellen Version ebenfalls sehen lassen. Hunt: Showdown läuft bedeutend flüssiger, als es noch in der Closed Alpha der Fall war. Auf einem System mit einem i7 7700K und einer GeForce GTX 1070 läuft der Titel auf hohen Details und voller Kantenglättung absolut flüssig. Klar, er ist und bleibt hardwarehungrig, aber wer einen starken Rechner hat, hat auch keine Ruckler zu befürchten – keine Selbstverständlichkeit für ein Early-Access-Spiel.

Jägerleben sind nicht immer lang

Schon in der Early-Access-Fassung bietet Hunt: Showdown ein ausgefeiltes Progressionssystem, das euch zum Weiterspielen motiviert. Dabei hat es sogar einen leichten Rogue-like-Charakter. Das mag komisch klingen, ist aber die beste Umschreibung für das Blutlinien-System: Zu Beginn rekrutiert ihr einen Jäger. Dabei werden euch vier Stück zur Auswahl gestellt, die unterschiedliche Waffen und Gadgets sowie Perks haben. Habt ihr euch entschieden, kann die Jagd beginnen. Mit jeder gespielten Partie steigt euer Charakter im Level auf und so schaltet ihr nach und nach weitere Fertigkeiten frei. Segnet er jedoch das Zeitliche, ist er für immer verloren, genauso wie die Gegenstände, die er bei sich trug. Dann müsst ihr einen neuen Jäger anwerben, wobei ihr einen der anderen drei nehmen oder vier neue Recken generieren lassen könnt.

Doch keine Bange, ihr fangt nicht jedes Mal komplett von vorne an, wenn ihr ins Gras beißt. Denn euer Account, genauer gesagt eure Blutlinie, levelt auch auf. Darüber schaltet ihr neue Gegenstände frei, die ihr dann im In-Game-Shop kaufen könnt. Die nötigen Dollar gibt es ebenfalls als Belohnung für gespielte Partien. Je erfolgreicher ihr wart, desto mehr Moneten kriegt ihr auf euer Konto überwiesen. Das Blutlinien-System ist schlüssig, schnell verstanden und hebt sich dank des „Permadeath“-Gedankens positiv von anderen Multiplayer-Titeln ab. Außerdem verleiht eben jener Aspekt Hunt: Showdown einiges an Spannung in den Matches. Schließlich wollen wir ja nicht unseren hochgelevelten Jäger mit mehreren Perks verlieren.

Entspanntes Jagen is‘ nicht!

Überhaupt geizt das Spiel nicht mit spannenden Momenten. In jeder Partie stehen wir unter Druck. Hören wir Schüsse anderer Spieler, macht sich ein ähnliches Gefühl breit wie in PUBG oder Fortnite. Ständig haben wir das Gefühl, dass hinter jedem Baum der nächste Konkurrent lauern könnte, zumal die Karte genug Gebüsche bietet, in denen man sich verstecken kann. Wir achten ganz genau darauf, ja keine der oben erwähnten Dinge wie die bellenden Hunde auszulösen, um unsere Position nicht zu verraten. Und wir ärgern uns darüber, wenn wir die Tiere dann doch mal wieder übersehen oder schlicht nicht daran gedacht haben, dass sie ja auf uns reagieren.

Hunt: Showdown - Ballerei

Wenn ihr viel herumballert, macht ihr natürlich lauten Krach und lockt andere Spieler zu euch.

Wenn jemand ein Bossmonster erlegt hat, kann er nicht sofort mit dessen Trophäe verschwinden. Die Kreatur muss zunächst verbannt werden, was ein paar Minuten dauert. Alle anderen Spieler bekommen da längst angezeigt, wo die Leiche liegt. Jeder weiß dann also, wo ihr seid, so dass es für euch heißt: Die Stellung und euer Leben verteidigen, nach dem Verbannungsprozess schnell die Trophäe schnappen und dann nichts wie hin zu einem der Levelausgänge!

Das Fiese an Hunt: Showdown ist aber, dass ihr eigentlich nie wisst, wie viele andere Spieler noch am Leben sind, von den ersten Minuten einer Partie mal abgesehen. Es gibt keinen Counter wie in PUBG, der herunterzählt, wenn jemand gestorben ist. Dadurch bleiben die Runden bis zum Ende spannend, da ihr keine Ahnung habt, wie viele andere Jäger noch unterwegs sind oder das Match bereits verlassen haben – sei es durch den Bildschirmtod oder per Levelausgang. Besonders groß wiederum ist die Erleichterung, wenn ihr eine richtig gute Runde hattet und alle anderen Spieler selber niedergestreckt habt. Spielt ihr zu zweit und stellt irgendwann fest, dass ihr zusammen acht Leute getötet habt, dann freut ihr euch einfach nur darüber, dass es zumindest keine menschlichen Feinde mehr gibt, die euch Probleme bereiten könnten.

Hunt: Showdown - PvP

Ihr könnt euch nur dann sicher sein, dass ein Gegenspieler tot ist, wenn ihr ihn selber ausgeschaltet habt.

Mehr Inhalt, bitte

Insgesamt betrachtet macht die Early-Access-Fassung von Hunt: Showdown einen sehr guten Eindruck. Es orientiert sich zwar grob an den derzeit so beliebten Battle-Royale-Spielen, Crytek zieht aber doch sein komplett eigenes Ding durch. Gerade die Atmosphäre und die toll gestaltete Spielwelt gefallen uns sehr. An der Basis gibt es nicht viel zu meckern. Jetzt müssen die Entwickler zusehen, dass sie die Spieler mit weiteren Inhalten füttern. Eine Karte und derzeit zwei Bossmonster (ein untoter Schlachter im XXL-Format und eine Riesenspinne) sind doch recht wenig. Immerhin kann sich das Arsenal an freischaltbaren Items schon mal sehen lassen und wurde auch erst kürzlich um neue Stealth-Waffen wie Armbrüste und Wurfmesser erweitert. Auf lange Sicht sind aber eben gerade weitere Karten und Gegnerarten nötig, damit es nicht an Abwechslung mangelt.

Trotzdem haben wir schon jetzt sehr viel Spaß mit Hunt: Showdown, denn jedes Match verläuft anders. Die Monster spawnen stets an unterschiedlichen Orten und mal treffen wir auf gar keine anderen Spieler, dann wieder geraten wir sehr früh in einen Kampf oder liefern uns am Ende ein hitziges Finalgefecht um die Trophäe. Wir hoffen, dass Hunt: Showdown eine ausreichend große Community findet, um sich auf dem Markt durchzusetzen. Crytek hat hier einen ungeschliffenen Diamanten, aus dem noch ein strahlendes Multiplayer-Juwel werden kann. Und diese Entwicklung würden wir nur zu gerne miterleben.

 

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