Among Us und Fall Guys: Darum sind Partyspiele so beliebt

2020 war das Jahr von Among Us und Fall Guys: Ultimate Knockout. Wir ergründen, warum sie so erfolgreich geworden sind.

Among Us

Welche Spiele fallen euch ein, wenn wir euch danach fragen, was denn die großen Hypes 2020 gewesen sind? Uns würde es nicht verwundern, wenn ihr darauf nicht mit Cyberpunk 2077 oder The Last of Us: Part 2 antworten würdet, denn beide Titel hatten ja nun aus unterschiedlichen Gründen nicht gerade das positivste Echo, sondern mit Fall Guys: Ultimate Knockout und Among Us. Gut, und Animal Crossing: New Horizons, aber das klammern wir jetzt einfach mal aus. Denn an dieser Stelle soll es eben um die anderen zwei Spiele gehen.

Mal kommt Erfolg sofort, mal erst nach langer Durststrecke

Fall Guys: Ultimate Knockout und Among Us haben die Spielelandschaft 2020 wie im Sturm erobert. Zugegeben, letzteres war lange Zeit ein laues Lüftchen, ist es doch bereits 2018 erschienen. Aber nachdem zuerst im August Fall Guys alle Aufmerksamkeit auf sich zog und sowohl zu einem großen Verkaufserfolg (wobei PS-Plus-Nutzer es ja als Teil ihres Abos erhalten haben) als auch einem Hit auf Twitch wurde, zog wenig später Among Us nach. Plötzlich spielten alle dieses kleine, unscheinbar aussehende Indiegame, das lange Zeit so sträflich übersehen wurde.

Fall Guys: Ultimate Knockout - Hindernisparcours

Als Fall Guys: Ultimate Knockout im August 2020 erschien, eroberte es das Internet und alle spielten erst mal gefühlt nichts anderes.

Als Entwickler Innersloth es im November 2018 auf Steam veröffentlichte, geschah das mehr oder weniger unter Ausschluss der Öffentlichkeit. Ein Blick auf Steamcharts.com verrät: Damals lag der Höchststand der zeitgleich aktiven Spieler bei gerade einmal 19 Leuten. Danach ging es (mit Ausnahme vom März 2019) sukzessive weiter nach oben, zumindest bis August 2019. Zu dem Zeitpunkt spielten im Durchschnitt immerhin über 200 Leute Among Us zeitgleich. Im darauffolgenden Herbst gingen die Zahlen zwar wieder runter, doch 2020 sollte das Jahr für den Titel und seinen Entwickler werden. Im Frühjahr bewegten sich die Spielerzahlen noch im dreistelligen Bereich, im Juli knackte der Durchschnittswert erstmals die Tausender-Marke und im September gab es ein richtig großes Plus mit einem Höchststand von 438.524 Spielern – für ein so kleines Indie-Projekt äußerst beachtlich.

Der Hype ist weg, der Erfolg bleibt

Mittlerweile gehen die Zahlen wieder runter, der große Hype scheint vorbei zu sein. Das gilt im Übrigen auch für Fall Guys: Ultimate Knockout, zumindest wenn wir den Steamcharts-Zahlen glauben. Laut denen ist das Multiplayer-Spiel aber schon seit September 2020 auf dem absteigenden Ast. Nur im Dezember gab es mal ein Plus, weil da die zweite Saison gestartet ist und somit neuer Inhalt ins Spiel kam, der dringend nötig war.

Among Us - Gameplay

Wenn wir mal ehrlich sind, ist Among Us technisch sogar ziemlich billig, aber seiner Beliebtheit tut das keinen Abbruch.

Auch wenn es nun so scheint, als hätten beide Spiele ihren Zenit überschritten, so sind sie dennoch nach wie vor beliebt, eignen sie sich doch wunderbar für virtuelle Spieleabende, die in Lockdown-Zeiten sicherlich häufiger stattfinden als früher. Und mit kommenden Updates, die neue Inhalte mit sich bringen, sind ja auch wieder Zuwächse bei den Spielerzahlen möglich.

Twitch als wichtiger Faktor

Doch warum sind denn nun ausgerechnet solche Titel die großen Hypes des vergangenen Jahres gewesen? Die simple Antwort wäre: "Na ja, es sind halt gute Spiele." Ja, richtig, aber das trifft beispielsweise auch auf ein Ori and the Will of the Wisps, Yakuza: Like a Dragon oder Spiritfarer zu. Bloß wurde über diese Werke nicht so viel gesprochen und vor allem waren sie auf Twitch nie so beliebt wie Fall Guys oder Among Us. Denn das dürfen wir nicht vergessen: Beides hat auf Twitch sehr hohe Zuschauerzahlen erreicht und die vielen Streams dürften nochmal ihren Teil zu den finanziellen Erfolgen beigetragen haben.

Fall Guys war direkt zum Release ein PS-Plus-Titel. Das verschaffte ihm große Aufmerksamkeit und deswegen zockten es viele Streamer, weil die ja oftmals das spielen, was gerade im Trend liegt. Sicherlich hat die Popularität auf Twitch die Verkäufe nochmal weiter angekurbelt, aber sie wird nicht der entscheidende Faktor für die hohe Beliebtheit gewesen sein. 

Bei Among Us war das garantiert anders, denn fast zwei Jahre lang hat sich so gut wie niemand dafür interessiert. Und es ist auch nicht so gewesen, dass Innersloth im September 2020 plötzlich eine riesige Marketingkampagne gestartet hätte und die Spielerzahlen deshalb explodiert sind. Nein, Among Us hat langsam und stetig durch Mund-zu-Mund-Propaganda immer mehr Spieler gefunden, darunter dann eben auch bekannte Streamer, die es live gezockt und so einem viel größeren Publikum nähergebracht haben.

Leicht Erlernbares verbreitet sich gut

Es gibt aber noch mehr Gründe für die hohe Beliebtheit. Among Us und Fall Guys: Ultimate Knockout haben am Ende des Tages einen großen Vorteil gegenüber manch anderen Spielen: Sie sind enorm zugänglich und eignen sich daher auch für die Leute, die sonst selten ein Gamepad in der Hand halten oder Maus und Tastatur vornehmlich dafür nutzen, zu arbeiten oder sich auf YouTube lustige Videos anzuschauen. In beiden Spielen ist die Steuerung extremst simpel: Bei Fall Guys braucht ihr nur die beiden Analog-Sticks, um zu laufen und die Kamera zu bewegen, sowie zwei weitere Tasten: eine fürs Springen und eine fürs Greifen. Among Us könnt ihr am PC, wenn ihr das wollt, nur mit der Maus spielen. Alternativ legt ihr euch die Bewegung auf die Tastatur, aber auch dann müsst ihr nicht viele unterschiedliche Tasten drücken.

Darüber hinaus sind die Spielregeln in beiden Fällen sehr einfach gehalten. Among Us basiert ja sogar auf bekannten Gesellschaftsspielen wie "Die Werwölfe von Düsterwald", weshalb sein Prinzip selbst manchem Nicht-Videospielfan schon bekannt sein dürfte: Es gibt eben die normalen Crew-Mitglieder und die Betrüger. Letztere haben das Ziel, alle anderen umzubringen, ohne enttarnt zu werden, während der Rest herausfinden muss, wer die Bösen sind. Es gibt zwar manche Aufgaben, die man als Crew-Mitglied zu erfüllen hat, bei denen nicht unbedingt auf den ersten Blick ersichtlich ist, was es zu tun gilt, aber in aller Regel kommt man sehr schnell auf die Lösung.

Among Us - Spielstart

Jede Runde Among Us ist ein neuer Krimi.

Fall Guys ist noch simpler: 60 Spieler treten an, eine goldene Krone zu gewinnen, die am Ende der letzten von fünf Spielrunden wartet. Nur einer kann siegen und von Runde zu Runde scheiden immer mehr Leute aus. Die einzelnen Minispiele sind sehr variantenreich, für sich genommen aber allesamt leicht zu verstehen. Tutorials gibt es nicht, sind aber auch nicht nötig, weil sich eigentlich stets in einem Satz zusammenfassen lässt, was zu tun ist.

Ein weiterer Grund für den Erfolg: Die Spiele sind sowohl für Jung als auch Alt geeignet. Ok, Among Us würden wir vielleicht nicht mit einem Sechsjährigen spielen, weil die Mordsequenzen trotz niedlicher Comicoptik schon recht blutig sind. Die Darstellung ist aber auch nicht so drastisch, eben weil die Figuren sehr rudimentär gezeichnet sind, dass wir meinen würden, das dürften nur Leute über 16 oder gar 18 Jahren spielen (die USK hat Among Us übrigens bislang nicht geprüft).

Fall Guys: Ultimate Knockout - Hindernisparcours

Fall Guys ist kunterbunt und eignet sich wirklich für Spieler aller Altersstufen.

Among Us ist ein Sonderfall

Die beiden Indie-Hits stehen an dieser Stelle, was ihre Zugänglichkeit und die Zielgruppenbreite betrifft, stellvertretend für viele andere Spiele. Ähnliches ließe sich auch über ein Rocket League, Mario Kart, Mario Party, Overcooked, Gang Beasts oder Minigolfspiele wie Golf with Friends sagen. Zumindest Among Us genießt aber nochmal eine Sonderstellung und die hat eben mit seinem Erfolg auf Twitch zu tun.

Wenn nun jemand wie Gronkh oder die Jungs von PietSmiet Fall Guys, Mario Kart oder was auch immer spielen, dann ist das natürlich enorm unterhaltsam, weil a) sich die Spiele gut zum Zuschauen eignen und b) die Streamer entsprechend viel Spaß dabei haben und viel lachen, was sich wiederum auf den Zuschauer überträgt. Aber das ist alles nichts Besonderes, weil es eben für so viele Spiele gilt. Bei Among Us hingegen spielen die Persönlichkeiten der Streamer nicht nur innerhalb ihrer Streams eine Rolle, sondern auch im Spiel selbst. Sie werden zum elementaren Bestandteil jeder Runde, weil alle Teilnehmer während der Lagebesprechungen über den Sprach-Chat miteinander reden. Diejenigen, die die Betrüger sind, versuchen, überhaupt nicht verdächtig zu wirken, oder intrigieren gar gegen andere Spieler, während der Rest herausfinden möchte, wer denn die Schurken sind.

Bei anderen Spielen kommentieren die Streamer, was sie im Spiel tun. In Among Us ist das, was sie sagen, Teil des Spiels, fast schon wie auf Roleplay-Servern von GTA oder Rust, was auch für den Zuschauer ein enormer Gewinn ist. Es macht einfach verdammt viel Spaß, den Konversationen zu lauschen und selber mit zu rätseln, wer die Betrüger sind. Und wenn dann auch noch mehrere bekannte Streamer miteinander spielen, ist es kein Wunder, dass Among Us hohe Zuschauerzahlen erreicht.

Fazit

Schlussendlich ist es kein Hexenwerk, dass solche Spiele so beliebt sind. Wenn nicht nur das Selbstspielen, sondern eben auch das Zuschauen großen Spaß macht, man die Titel auch noch mit Freunden gemeinsam zocken kann und die Einstiegshürde gering ist, sind die Grundlagen für einen Hit schon mal da. Dann muss eben noch gutes Marketing (sei es nun klassischer oder viraler Natur) betrieben werden. Das klingt einfacher, als es ist, aber gerade Among Us und Fall Guys: Ultimate Knockout zeigen doch, dass auch kleine Titel Großes leisten können.

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