Call of Duty - Warzone im Test: Battle Royale ganz unkompliziert

Warum ihr Call of Duty: Warzone unbedingt eine Chance geben solltet, erfahrt ihr in unserem Test.

Call of Duty: Warzone

Lange kochte es in der Gerüchteküche. In unserem Test zu Call of Duty: Modern Warfare stellten wir schon die Vermutung auf, dass die Karte, auf der die Missionen des "Spec Ops"-Modus stattfinden, die Map für eine mögliche Battle-Royale-Variante sein könnte. Und siehe da: Nach einem halben Jahr ist jener Modus da. Doch er ist nicht einfach nur ein weiterer kostenloser Inhalt für Modern Warfare. Call of Duty: Warzone ist ein eigenständiges Free-to-Play-Spiel. Nur diejenigen, die das jüngste CoD gekauft haben, gelangen über jenen Vollpreistitel in die Battle-Royale-Gefechte. Der Spielfortschritt ist dabei global. Wer also die gratis spielbare Variante zockt, darin im Level aufsteigt und neue Waffen sowie Aufsätze, Skins und Co freischaltet, kann die auch im normalen Multiplayer von Call of Duty: Modern Warfare verwenden, sofern man es sich kauft.

So viel dazu, in welcher Form uns Activision und Infinity Ward diesen Shooter darreichen. Doch wie funktioniert der Modus und macht er Spaß? Wir haben uns aufs Schlachtfeld gewagt und dabei festgestellt, dass diese Battle-Royale-Variante vor allem deshalb so gut funktioniert, weil sie so schön simpel ist.

Simplizität, die gefällt

Call of Duty: Modern Warfare ist kein komplexer, anspruchsvoller Ego-Shooter. Ja, es gibt viele Möglichkeiten, die eigenen Waffen zu modifizieren und auch den einen oder anderen taktisch herausfordernden Modus (nicht zu vergessen die Hardcore-Varianten). Aber im Großen und Ganzen ist die Einstiegshürde deutlich geringer als bei einem Counter-Strike,  Insurgency: Sandstorm oder Squad. Und diese Eigenschaft hat Infinity Ward perfekt auf Call of Duty: Warzone übertragen.

Wo ihr in PlayerUnknown's Battlegrounds, Apex Legends und auch dem "Blackout"-Modus von Call of Duty: Black Ops 4 nicht nur mit dem Laufen von A nach B und Ballern, sondern auch der Suche nach guten Waffenaufsätzen und dem Herumbasteln an euren Knarren im Inventar verbringt (wobei das in Apex Legends auf ein Minimum reduziert ist), fallen die beiden letzteren Punkte in Call of Duty: Warzone komplett weg. Aufsätze wie Visiere, Läufe und Co findet ihr hier gar nicht einzeln. Auf dem Boden liegen lediglich Waffen in ihrer Grundform, Munition, Granaten und Geld (dazu weiter unten mehr). Dafür stoßt ihr sehr häufig auf Kisten, die zudem anhand eines akustischen Signals leicht zu orten sind, aus denen Schießprügel mit Upgrades sowie Perks springen, wenn ihr sie öffnet. Die RPG-typische Farbkodierung (graue, grüne, blaue, lila und orangene Items) macht es euch leicht zu erkennen, was besonders viel taugt.

Call of Duty: Warzone - Loot

Waffen, die ihr einfach so auf dem Boden findet, haben keine Aufsätze und lassen sich auch nicht upgraden.

Der Tod ist nicht das Ende

Und was macht ihr mit dem Geld? Ganz einfach: Damit kauft ihr euch an Automaten unter anderem Killstreaks oder ihr lasst gefallene Kameraden respawnen. Zusätzliche Kohle verdient ihr, indem ihr kleine Aufträge annehmt. Da gilt es dann, entweder drei markierte Kisten zu öffnen, eine Position einzunehmen oder einen bestimmten Gegenspieler auszuschalten, dessen grobe Position auf der Karte markiert wird (keine Sorge, das passiert nur denjenigen, die bereits ordentlich Kills erzielt haben). Das erinnert ein wenig an The Cycle von Yager und verleiht Call of Duty: Warzone eine eigene Würze, ohne dass der Battle-Royale-Kerngedanke verloren geht.

Eine andere coole Idee: Wenn ihr zum ersten Mal ins Gras beißt, müsst ihr gar nicht darauf hoffen, dass euch eure Teamkollegen zurück ins Match holen. Ihr landet dann im Gefängnis und habt dort die Chance, euch im 1-gegen-1 mit zufälligen Waffen (wie im "Feuergefecht"-Modus von Modern Warfare) zurück aufs Schlachtfeld zu kämpfen. Da fragt man sich, warum das nicht schon die anderen Entwickler von Battle-Royale-Spielen in ihre Titel eingebaut haben. Wir finden das Feature super.

Call of Duty: Warzone - Gulag

Einmal gestorben, landet ihr im Gulag. Aus dem kommt ihr nur lebend wieder heraus.

Eine bessere Basis könnte es kaum geben

Call of Duty: Warzone ist durch das nicht vorhandene Inventarmanagement, das unkomplizierte Looten und die multiplen Möglichkeiten, nach dem Ableben doch nochmal ein Comeback erleben zu können, sehr viel weniger frustrierend als seine Genrekollegen. Es gibt aber noch mehr Gründe, die für den Titel sprechen. Das sind zum einen die Stärken, die es dadurch gewinnt, dass es eben eine Ergänzung zu Call of Duty: Modern Warfare ist: das breite Waffenarsenal, das sensationell gute Gunplay, die tolle Soundkulisse, die flüssige Fortbewegung. Nur die Fahrzeuge können uns nicht vollends überzeugen. Alles, was vier Räder hat, steuert sich einfach nicht so gut wie beispielsweise in einem Battlefield 5, zumindest mit Maus und Tastatur. Einen Helikopter zu fliegen (ja, es gibt Hubschrauber) ist wiederum kinderleicht und geht gut von der Hand.

Eine andere große Stärke von Call of Duty: Warzone ist die Karte. Die hat eine Gemeinsamkeit mit der "Blackout"-Map aus Black Ops 4: Sie umfasst bekannte CoD-Schauplätze wie zum Beispiel "Vacant". Die sind sogar noch organischer in die restliche Umgebung eingebettet. Der Grad an optischer Abwechslung ist groß und oftmals spielt die Vertikale eine wichtige Rolle, gerade im Stadtgebiet. Zudem ist die Map einfach nur riesig. Das muss sie auch sein, denn pro Partie mischen bis zu 150 Spieler mit, möglicherweise werden es demnächst sogar 200. Wir können auf die Erhöhung der Teilnehmerzahl jedoch gut verzichten, denn für das aktuelle Maximum ist die Karte wunderbar ausbalanciert.

Call of Duty: Warzone - Absprung

Die Map von Call of Duty: Warzone ist gefühlt die Größte im Genre.

Im "Blackout"-Modus passiert es ständig, dass wir direkt nach dem Absprung auf Gegner treffen, weil die Umgebung zu klein für die Spieleranzahl ist. Wer dann das Glück hat, direkt eine gute Waffe zu finden, ist im enormen Vorteil. In Call of Duty: Warzone sind solche Situationen nur selten der Fall, außerdem startet jeder Spieler direkt mit einer Pistole und hat immerhin die Möglichkeit, sich zu wehren. Und solltet ihr doch mal nach einer Minute bereits ins Gras beißen, ist die Partie für euch aufgrund der oben genannten Funktionen noch nicht zwangsläufig vorbei.

Money, Money, Money - Wir gehen auf Beutejagd

Battle Royale kann Call of Duty 2020 alles in allem nochmal besser als 2018. Aber Warzone hält noch eine Überraschung bereit – zumindest für diejenigen, die die Leaks nicht ganz so genau verfolgt haben. Es bietet nämlich noch einen zweiten Modus, der eigentlich nichts mit dem klassischen Battle-Royale-Prinzip zu tun hat, aber wahnsinnig viel Spaß macht. Die Rede ist von "Beutejagd". Hier geht es nicht darum, als letztes Team zu überleben, sondern am meisten Geld zu scheffeln.

Call of Duty: Warzone - Beutejagd

In "Beutejagd" geht es nur ums Geld.

Die Karte ist die gleiche und genau wie im Battle-Royale-Modus springt ihr anfangs aus einem Flugzeug. Aber ihr müsst euch keine Waffen suchen, denn ihr tretet mit euren eigenen Klassen wie im normalen Multiplayer von Call of Duty: Modern Warfare an. Gelootet wird trotzdem, denn überall findet ihr Geldscheine. Kleinere Haufen finden sich oft auf dem Boden, größere Summen in Kisten. Wer Aufträge erfüllt, verdient besonders gut. Und natürlich macht ihr reichlich Gewinn, wenn ihr andere Spieler abknallt und euch deren Vermögen aneignet. 

Doch seid gewarnt: Die Moneten in der Hosentasche zu haben, bringt euch noch nicht den Sieg. Ihr müsst sie aus dem Gebiet schaffen, indem ihr an bestimmten Orten einen Helikopter ruft, der euren Zaster mitnimmt. Alternativ gebt ihr einen Teil eures Geldes für einen Ballon aus, den ihr überall einsetzen könnt, um bis zu 150.000 Dollar in Sicherheit zu bringen. Sterbt ihr, spawnt ihr zwar neu, verliert aber einen beachtlichen Teil der Scheine, die ihr bei euch tragt. Euer Ziel ist es, eine Million zu ergattern. Ist das keinem Team nach 30 Minuten gelungen, gewinnt eben der Squad, der am meisten Kohle aus der Region geschafft hat.

Nicht ganz perfekt

So zufrieden wir mit Call of Duty: Warzone auch sind, zwei kleine Kritikpunkte müssen wir an dieser Stelle noch anbringen: Zum einen gibt es keinen Duo-Modus. Ihr könnt zwar beim Matchmaking, wenn ihr nicht zu dritt seid, aktivieren, dass euer Squad nicht mit fremden Leuten aufgefüllt wird, spielt aber stets gegen Dreierteams. Zweierteams sind also im Nachteil. Aber Infinity Ward hat schon auf die Kritik der Spieler gehört: Ein Solomodus fehlte zunächst auch, mit dem gestrigen Playlist-Update hat der jedoch seinen Weg ins Spiel gefunden. Sehr löblich! Siehst du, Respawn Entertainment? So geht das! Es gibt also Hoffnung, dass auch noch eine Duo-Variante nachgereicht wird. Mit Fremden zu spielen, macht derweil nicht so viel Spaß, trotz gut funktionierendem Ping-System.

Der andere Kritikpunkt betrifft die benutzerdefinierten Klassen. Für Spieler von Call of Duty: Modern Warfare ist es toll, die eigenen Waffen-Setups in Warzone nutzen zu können. In "Beutejagd" stellen sie eure Standardausrüstung dar, im Battle-Royale-Modus zieht ihr sie aus den abgeworfenen Versorgungskisten. Das Problem daran: Neueinsteigern fehlen die ganzen aufgewerteten Waffen zunächst.

In "Beutejagd" mag das nicht dramatischer sein als in "Team Deathmatch", in "Herrschaft" und den sonstigen Modi von Modern Warfare. Im Battle Royale hingegen geht es ja um Chancengleichheit, darum, dass alle Spieler unter gleichen Voraussetzungen starten. Wenn wir aber schon etliche Stunden mit Modern Warfare verbracht, alle Waffen freigeschaltet und unsere Lieblingsknarren bereits perfekt an unsere Bedürfnisse angepasst haben und dann auf Free-to-Play-Spieler auf Level 1 treffen, sind wir im Vorteil. Mit der Zeit wird sich das Problem von selbst lösen, weil die reinen Warzone-Spieler irgendwann eben auch Rang 55+ sind und ihre eigenen Klassen erstellt haben. Ein fader Beigeschmack bleibt trotzdem.

Call of Duty: Warzone - Ausrüstungslieferung

Wer schon fleißig Modern Warfare gespielt hat, hat all seine Lieblingswaffen schon aufgelevelt und mit Upgrades versehen. Neueinsteiger können da zunächst nicht mithalten.

Fazit

Die Wartezeit auf Call of Duty: Warzone hat sich gelohnt. Infinity Ward ist ein Battle-Royale-Spiel gelungen, das sich fantastisch spielt, eine riesige, abwechslungsreiche Karte bietet, viele Waffen und ein paar eigene, coole Ideen. Klar, vieles davon steckt eben schon in Call of Duty: Modern Warfare, selbst die Map ist so gesehen nicht neu. Aber das schmälert nicht unsere Begeisterung, im Gegenteil. Wir freuen uns richtig darüber, dass es nun ein so unkompliziertes Spiel in diesem Genre gibt. Selbst Fortnite verlangt mehr Einarbeitungszeit aufgrund des Bau-Features. 

Call of Duty: Warzone ist herrlich zugänglich, kostet nichts und bietet mit "Beutejagd" sogar noch eine gleichwertige Alternative zum Battle-Royale-Standard. "Modern Warfare"-Spieler freuen sich über zwei zusätzliche Modi für lau, die die Langzeitmotivation nochmal deutlich erhöhen, und alle anderen über einen weiteren kostenlosen Battle-Royale-Shooter, der es locker mit der Konkurrenz aufnehmen kann.

Call of Duty: Warzone
Pro
Schön simpel gehalten
Riesige, abwechslungsreiche Map
Kein lästiges Inventarmanagement
Sehr spaßiger "Beutejagd"-Modus
Globale Progression
Mehrere Respawn-Möglichkeiten
Contra
Kein Duo-Modus
Fortgeschrittene MW-Spieler leicht im Vorteil
Call of Duty: Warzone

4.5/5 Sterne

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