Star Wars Jedi – Fallen Order: Tiefstapeln ist gut

Die EA-Play-Demo von Star Wars Jedi: Fallen Order ist wenig spektakulär, aber das finden wir gar nicht mal so schlecht.

Star Wars Jedi: Fallen Order

Sagen wir es, wie es ist: Der EA-Play-Livestream am vergangenen Wochenende war zum größten Teil ziemlich langweilig und kein gelungener Start in die E3-Woche – irgendwie hat es sich für Electronic Arts nicht wirklich ausgezahlt, diesmal keine große Pressekonferenz zu veranstalten. Aber immerhin ein Highlight gab es dann doch. EA begann seinen Livestream direkt mit Star Wars Jedi: Fallen Order und zeigte erstmals Gameplay. Aber entgegen unserer Erwartung ist nicht jeder begeistert von der Demo.

Während der Show waren wir zu mehreren im Discord-Sprach-Chat und unterhielten uns während und nach der Präsentation über das gezeigte Material. Die meisten unserer Gesprächspartner waren ziemlich ernüchtert. "Sieht aus wie ein solider 70er-Titel." "Wenn das nicht Star Wars wäre, würde es keinen interessieren." So in etwa fielen die Reaktionen aus. Und bis auf Letztere können wir sie auch nachvollziehen. Dennoch ist unsere Vorfreude auf Star Wars Jedi: Fallen Order ungebremst. Warum? Die Demo sieht keineswegs schlecht aus, macht sogar Lust auf mehr und der gezeigte Level wurde ganz sicher nicht unabsichtlich von den Entwicklern ausgewählt.

Nicht mehr als solide?

Ok, bevor wir auf unsere Gedanken zur Demo näher eingehen, sollten wir nochmal kurz Revue passieren lassen, was darin eigentlich zu sehen ist (wir empfehlen euch trotzdem, sie euch selbst anzuschauen, solltet ihr das noch nicht getan haben). Die Präsentation führt uns auf den Planeten Kashyyyk, die Heimat der Wookies. Hauptcharakter Cal Kestis ist dort im Auftrag der Rebellen unterwegs, um eine Gruppe der heulenden Fellträger aus den Fängen des Imperiums zu befreien. Innerhalb von knapp 14 Minuten klettert, springt und schnetzelt sich der junge Jedi-Padawan durch einen sehr linear wirkenden Level und bekommt es dabei nicht nur mit Sturmtruppen, sondern auch Inquisitoren und Alien-Spinnen zu tun.

Wenn nun jemand sagt, dass dieses Video in ihm nicht unbedingt einen Hype ausgelöst hat, ist das für uns gar keine so große Überraschung. Da wartet man so viele Jahre darauf, dass endlich mal wieder ein richtig hochwertig produziertes "Star Wars"-Singleplayer-Spiel kommt, in dem der Spieler in die Haut eines Jedi schlüpft. Und dann zeigt die erste Gameplay-Demo einen Level, dem es an wirklichen "Wow"-Momenten fehlt. Es gibt zwar zwei Kämpfe gegen jeweils einen Inquisitor, die toll aussehen und bei denen wir das Pad in die Hand nehmen und selbst spielen wollen. Aber so etwas wie eine Auseinandersetzung mit einem AT-ST, wie sie im Zusammenschnitt mehrerer Szenen am Ende der Demo zu sehen ist, bekommen wir nicht in aller Ausführlichkeit serviert.

Star Wars Jedi: Fallen Order - Cal

Cal ist zwar kein fertig ausgebildeter Jedi, aber dass er sehr viel Macht in sich trägt, wird in dem Gameplay-Video bereits deutlich.

Respawn macht das schon

Doch warum sind wir dann nicht so enttäuscht wie unsere Kollegen? Ganz einfach: Star Wars Jedi: Fallen Order wird nicht von irgendwem entwickelt. Verantwortlich für das Actionspiel ist Respawn Entertainment. Die Kalifornier haben nicht nur mit Apex Legends das unserer Meinung nach beste Battle-Royale-Spiel entwickelt, was derzeit auf dem Markt ist, sondern auch mit der Kampagne von Titanfall 2 bewiesen, dass sie gute Einzelspielererfahrungen kreieren können. 

Einerseits haben wir also großes Vertrauen in Respawn und sind uns sicher, dass das Studio ein sehr gutes und vor allem abwechslungsreiches "Star Wars"-Abenteuer abliefern wird. Die "Titanfall 2"-Kampagne gehört spielerisch zum Besten, was das Shooter-Genre in der jüngeren Vergangenheit hervorgebracht hat. Nahezu jeder Level hat seine Besonderheiten und ähnliches können wir uns auch für Star Wars Jedi: Fallen Order vorstellen. Immerhin werdet ihr darin mehrere Planeten besuchen. Da würde es sich doch anbieten, wenn jeder von denen sein eigenes Gameplay-Feature hätte. Gesehen haben wir aber noch nichts dergleichen.

Titanfall 2 - Jack Cooper und sein Titan

Die Story von Titanfall 2 rund um Hauptcharakter Jack Cooper und seinen Titan mag nicht sonderlich gut sein, aber spielerisch ist die Kampagne über jeden Zweifel erhaben.

Dafür sieht das, was gezeigt wurde, richtig gut aus. Die Kämpfe sind toll animiert, wirken wuchtig und dynamisch. Die "Star Wars"-Atmosphäre kommt dank der gelungenen Optik, der bekannten Sound-Effekte und dem stark an die Originalmusik von John Williams angelehnten Soundtrack sehr gut rüber. Obendrauf gibt es einen Auftritt von Saw Gerrera, bekannt aus "Rogue One: A Star Wars Story" und den Fernsehserien "Star Wars: The Clone Wars" sowie "Star Wars Rebels". Und genau wie im genannten Kinofilm wird der Rebell auch im Spiel von Forest Whitaker verkörpert.

Bloß nicht zu viel zeigen!

Respawn ist aber nicht nur ein Studio, das wir für seine gute Arbeit schätzen. Wir halten es auch für einen Entwickler, der sehr wohl weiß, was er tut. Den Level auf Kashyyyk wird Respawn nicht ohne Grund gewählt haben. Zum einen vermittelt er einen guten Eindruck davon, wie das Kern-Gameplay von Star Wars Jedi: Fallen Order aussieht. Zum anderen nimmt er nichts vorweg, was wir nicht vorweggenommen haben wollen. 

Anders ausgedrückt: Wir glauben, Respawn will all die Highlights für das fertige Spiel aufheben, damit ihr die dann selbst am eigenen Leib erlebt. Und daran wäre absolut nichts verkehrt. Es reicht ja schon, dass Hollywood in seine Film-Trailer immer die besten Szenen packt oder sogar gleich die kompletten Geschichten zusammenfasst, sodass der Überraschungsgehalt im Kino später besonders niedrig ist.

Ein großes Wagnis

Man kann darüber diskutieren, inwiefern die Strategie von Respawn und EA klug gewählt ist. Dass sie erst mal tiefstapeln, könnte eine positive Wirkung entfalten, wenn Star Wars Jedi: Fallen Order im November erscheint und wirklich ein richtig starkes Spiel mit großartigen, epischen Momenten sein sollte. Schließlich wären diejenigen, die von der EA-Play-Demo enttäuscht sind, dann positiv überrascht und umso begeisterter als diejenigen, die dem Release richtig entgegengefiebert haben.

Star Wars Jedi: Fallen Order - Cal mit Lichtschwert

Star Wars Jedi: Fallen Order verspricht ein Spiel zu werden, auf das die "Star Wars"-Fans seit so vielen Jahren schon warten. Es wäre zu schade, wenn es am Ende die Erwartungen nicht erfüllen sollte.

Auf der anderen Seite sind Respawn und EA mit der Demo ein Risiko eingegangen, sollte Star Wars Jedi: Fallen Order eigentlich viel spektakulärere Szenen enthalten (wäre das nicht der Fall, wäre das ziemlich traurig, aber wie gesagt, wir vertrauen Respawn). Denn die Demo könnte viele Leute so wenig beeindruckt haben, dass sie nun das Interesse an dem Spiel verloren haben. Gut, dass ein "Star Wars"-Titel auf diesem Produktionsniveau floppen wird, ist ziemlich unwahrscheinlich. Schließlich gibt es genug Leute, die sich nicht so intensiv im Vorfeld informieren, "Star Wars"-Fans sind und das Spiel kaufen, sobald es erschienen ist, weil sie einen Trailer gesehen oder gehört haben, dass sie darin einen Jedi spielen. Aber wenn die Core-Gamer allesamt gehypt wären, weil sie eine bombastische EA-Play-Demo gesehen hätten, wäre der Erfolg potenziell ja nur noch größer.

Wenn ihr uns fragt, hat Respawn aber alles richtig gemacht. Man hat gezeigt, dass Star Wars Jedi: Fallen Order ein grafisch ansprechendes Spiel sein wird, das uns endlich wieder das Gefühl geben wird, ein Jedi zu sein. Zuletzt hat das Jedi Knight: Jedi Academy wirklich gut hinbekommen – und das hat schon 16 Jahre auf dem Buckel. Zugleich haben wir noch nichts gesehen, was wir vor Release gar nicht sehen wollen. Wir mögen es, überrascht zu werden. Klar, ein paar ausführlichere Infos zum Gameplay, beispielsweise dem Skill-System, nehmen wir gerne vorab in Empfang. Aber damit wir uns nun auf Star Wars Jedi: Fallen Order freuen, sind keine weiteren Spielszenen nötig. Und das ist doch ein sehr gutes Zeichen.

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