PlayStation 5: Abwärtskompatibilität auf dem Prüfstand

Wie laufen Ghost of Tsushima, The Last of Us: Part 2 und God of War auf der PlayStation 5? Wir haben es getestet.

PlayStation 5

Das Angebot an PS5-Spielen zum Launch ist eigentlich gar nicht mal so schlecht. Zumindest diejenigen, die keinen starken PC haben, freuen sich darüber, zahlreiche neue Blockbuster auf ihrer frisch erworbenen Konsole zocken zu können, sei es nun Assassin's Creed Valhalla, Call of Duty: Black Ops – Cold War oder eben auch die hauseigenen Titel von Sony wie Demon's Souls und Marvel's Spider-Man: Miles Morales. Sollte euch das trotzdem nicht reichen (wie auch immer ihr es derzeit schafft, alle genannten Spiele und die sonstigen Neuerscheinungen zu spielen, sodass ihr in ein paar Wochen anfangt zu hungern), könnt ihr immer noch fast alle PS4-Spiele auf der PlayStation 5 zocken. 

Bis auf ganz wenige Ausnahmen ist die Bibliothek der vorherigen Generation auf der neuen Plattform spielbar – und das in ein paar wenigen Fällen sogar in deutlich besserer Form. Wir haben mehrere Spiele ausprobiert und fassen an dieser Stelle zusammen, welche Vorteile die Hardware-Power der PlayStation 5 bietet.

Die schlechten Nachrichten gleich vorneweg

Tatsächlich ist die Liste der Titel, die wirklich aktiv von ihren Entwicklern aufgewertet wurden, recht kurz. Es kann natürlich sein, dass noch einige Spiele Updates erhalten, damit sie auf der PlayStation 5 etwa mit höherer Bildrate laufen. Aber zum aktuellen Zeitpunkt sind zum Beispiel längst nicht alle großen Exklusivtitel "geboostet". Die besten (oder auch traurigstes) Beispiele sind Bloodborne und The Last of Us: Part 2. Wer gehofft hat, From Softwares düsteres Gothic-Horror-Souls-like und Naughty Dogs Actionspiel würden nun mit 60 FPS laufen, den müssen wir enttäuschen. Beides ist nach wie vor auf 30 Bilder pro Sekunde limitiert. Für Uncharted 4: A Thief's End und dessen Standalone-Erweiterung The Lost Legacy gilt das Gleiche. Hoffen wir mal, dass die Entwickler hier noch etwas nachreichen. Vielleicht erhalten wir nächstes Jahr aber auch entsprechende Next-Gen-Upgrades statt Patches für die PS4-Fassungen. Das wäre natürlich noch besser (sofern die Upgrades für Besitzer der Spiele kostenlos wären).

In einer Hinsicht profitieren Besitzer einer PlayStation 5 aber trotzdem, wenn sie beispielsweise The Last of Us: Part 2 spielen: Die Ladezeiten sind spürbar kürzer. Und das ist etwas, was vermutlich für alle PS4-Spiele gilt. Schließlich müssen Entwickler ihre Titel nicht unbedingt anpassen, damit die Daten von der flotten SSD schneller geladen werden als von der gewöhnlichen Festplatte, die in der PS4 steckt. Auf dem PC ist es ja nicht anders: Da laden Spiele von vor zehn Jahren auch deutlich schneller, wenn sie auf einer SSD installiert sind.

Weniger Warterei

Grundsätzlich lässt sich sagen, dass die Ladezeiten von PS4-Spielen auf der PS5 locker mindestens nur halb so lange sind wie auf der alten Konsole. Um zum Beispiel den Abschnitt in The Last of Us: Part 2 zu laden, in dem Ellie und Joel das Museum besuchen (wer es gespielt hat, weiß genau, welche fantastische Szene wir meinen), braucht die PlayStation 5 circa 30 Sekunden. Auf der PS4 Pro dauert der Vorgang über eine Minute. Ein anderes gutes Beispiel ist Kingdoms of Amalur: Re-Reckoning. Warum wir ausgerechnet das Remaster dieses RPG-Geheimtipps für unseren Abwärtskompatibilitätstest ausprobiert haben? Ganz einfach: Das Spiel hat Ladezeiten ohne Ende. Jedes Mal, wenn ihr von der Außenwelt in ein Gebäude oder einen Dungeon wechselt oder wieder zurück an die frische Luft geht, kommt ein Ladebildschirm.

In letzterem Fall dauert das stets eine halbe Minute – angesichts dessen, dass wir hier von einem ursprünglich für PS3 und Xbox 360 entwickelten Spiel sprechen, dem man sein Alter selbst in der Neuauflage deutlich ansieht, ist das sehr enttäuschend und ärgerlich. Auf der PlayStation 5 dauern die Ladezeiten beim Wechsel von Innenräumen in die offene Welt nicht mal 15 Sekunden. Allein dadurch spielt sich Kingdoms of Amalur deutlich angenehmer.

Tsushima noch flüssiger erleben

"Wie sieht es denn nun mit Auflösungen und Bildraten aus?", wollt ihr bestimmt wissen. Nun, wie bereits erwähnt, stechen diesbezüglich nicht so viele Spiele heraus. Upgrades in Sachen Auflösung gibt es gar nicht. Das würde für Entwickler einen Aufwand bedeuten, den sie wohl nur dann auf sich nehmen würden, wenn sie eine richtige PS5-Version entwickeln würden. Damit ließe sich schließlich nochmal gutes Geld verdienen. Aber immerhin laufen einige Spiele spürbar flüssiger als auf der PS4 beziehungsweise PS4 Pro.

Das mit Abstand positivste Beispiel ist Ghost of Tsushima. Auf der PlayStation 4 Pro habt ihr in dem Samurai-Abenteuer bereits die Wahl zwischen einem Leistungs- und Grafikmodus. Ersterer bietet bis zu 60 FPS bei 1080p, letzterer feste 30 Bilder pro Sekunde und sogenanntes Checkerboard-Rendering, also quasi, um es ganz simpel auszudrücken, Fake-4K. Dabei werden nur Teile des Bildes in dieser hohen Auflösung gerendert, das ganze erzeugt aber eine bessere Bildqualität als simples Hochskalieren. Für mehr ist die PS4 Pro eben nicht stark genug.

Ehrlich gesagt, hatten wir im Vorfeld gedacht, Ghost of Tsushima würde auf der PS5 im Performance-Modus mit stabilen 60 FPS laufen, die es auf der PS4 Pro so gut wie nie erreicht. Aber wir haben uns getäuscht: Als das Spiel total flüssig über unseren Bildschirm flimmerte und wir dann in den Optionen schauen wollten, welcher Modus denn nun aktiv war, waren wir erstaunt, als wir feststellten, dass es sich um den Grafikmodus handelte. Ghost of Tsushima ist dadurch auf der PS5 ein technisch nochmal deutlich besseres Spiel als auf der PS4 Pro. Wenn wir nicht wüssten, dass es für die vorherige Generation entwickelt wurde, würden wir denken, es sei ein nativer PS5-Titel.

Kein gottgleiches Upgrade für God of War

Tatsächlich war Ghost of Tsushima der erste Titel, den wir ausprobiert hatten. Voller Euphorie starteten wir als nächstes God of War, dessen Entwickler SCE Santa Monica Studio angekündigt hatte, es würde ebenfalls mit stabilen 60 FPS laufen. Und das stimmt auch – wenn man es im Performance-Modus spielt. Die Variante mit höherer Auflösung bietet auch auf der PS5 nicht mehr als 30 FPS. Unsere Vermutung: Ghost of Tsushima hat ein Update erhalten, damit der Grafikmodus mit 60 Bildern pro Sekunde läuft, während God of War unberührt geblieben ist und nun einfach die auf 60 FPS limitierte Bildrate im Leistungsmodus voll ausgeschöpft werden kann, was auf der PS4 Pro nicht möglich ist. Demnach besteht grundlegend die Hoffnung, dass die Entwickler hier irgendwann nochmal nachbessern.

Nachgebessert hat auf jeden Fall SIE Bend Studio, das Team hinter Days Gone. Und damit meinen wir (zumindest in diesem Fall) nicht die zahlreichen Updates, die das Zombiespiel nach seinem Release im vergangenen Jahr erhalten hat und die wegen der vielen technischen Probleme auch notwendig waren. Nein, wir sprechen davon, dass der Open-World-Titel auf der PlayStation 5 in Checkerboard-Rendering-4K mit flüssigen 60 Bildern pro Sekunde läuft. Auf der PS4 Pro sind es maximal 30 FPS. Dadurch spielt sich Days Gone deutlich geschmeidiger. Gleiches können wir übrigens auch für Genshin Impact vermelden, das ihr auf der neuen Hardware mit 60 FPS in 4K genießen könnt. Das geht auf der PS4 Pro nicht.

Wer zuvor nur eine normale PlayStation 4, also keine Pro, besessen hat und nun auf der PS5 zockt, wird ein technisches Upgrade bei den Remakes von Resident Evil 2 und 3 feststellen. Auf der alten Konsole laufen beide Horrorspiele in 1080p und die Bildrate ist auf 60 FPS limitiert, erreicht diesen Wert aber nur selten. Die PlayStation 5 sorgt dank Checkerboard-Rendering-4K für ein scharfes und mit durchgehend 60 FPS flüssiges Bild. Allerdings hat die PS4 Pro das auch schon hinbekommen. Wer auf jener Konsole bereits Zombies abgeschlachtet hat, wird demnach keine Steigerung feststellen.

Fazit

Dass die PlayStation 5 zu so vielen Spielen der vorherigen Generation abwärtskompatibel ist, ist eine super Sache. Und dass manches Spiel von dem Mehr an Hardware-Leistung profitiert, ist umso besser. Gerade Ghost of Tsushima, das ja sowieso erst vor vier Monaten erschienen ist, dürfte auch unter den PS5-Besitzern nochmal viele Käufer finden, die keine PS4 besitzen/besessen haben (manch einer hat seine alte Konsole nun bestimmt verkauft) oder das Spiel aus anderen Gründen bislang links liegen gelassen haben. Auch God of War macht mit flüssigen 60 Bildern die Sekunde nochmal deutlich mehr Spaß, obwohl es schade ist, dass es die nur im Leistungsmodus gibt. Die Konsole könnte bestimmt auch den Auflösungsmodus mit der Bildrate stemmen.

Solche Boosts bleiben aber (vorerst) eine Seltenheit und vermutlich wird in Zukunft auch nur noch der eine oder andere Sony-eigene Titel Patches erhalten, die die Leistung auf der PS5 verbessern. (Bitte, From Software und Naughty Dog! Bitte tut uns den Gefallen!) Wovon aber am Ende eben doch alle Spiele profitieren, ist die SSD. Kürzere Ladezeiten zu haben, ist ein absoluter Segen, auch wenn sie nicht vergleichbar sind mit denen eines Marvel's Spider-Man: Miles Morales oder Demon's Souls, die ja wirklich an die Hardware der PS5 angepasst sind.

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