Destiny und Co: Diese Spiele haben ihre zweite Chance genutzt

Manche Spiele werden erst beim zweiten Anlauf zum Hit. Das kennt man von Servicegames, ist ihnen aber nicht vorbehalten.

Destiny

Destiny

Spiele sind im Idealfall von Tag 1 an richtig gut, erhalten Top-Bewertungen und werden von einer breiten Masse an Spielern geliebt. Es gibt aber auch Titel, die Potenzial haben und was richtig Gutes hätten werden können, deren Entwickler aus irgendwelchen Gründen jedoch nicht geschafft haben, dieses Potenzial zu nutzen. Gerade in Zeiten von Servicegames erleben wir so etwas häufiger. In diesem Artikel blicken wir auf Spiele zurück, die keinen guten Start hatten, von ihrem Hersteller aber nicht aufgegeben wurden und sich im Laufe der Zeit doch noch zu unterhaltsamen Titeln mit einer großen Fangemeinde gemausert haben – und nein, es geht uns hier nicht nur um Videospiele, denen fortlaufend neue Inhalte verpasst werden.
 

Destiny (und Destiny 2)

Bungie hat regelrecht Erfahrung damit, Spiele in einem Zustand auf den Markt zu bringen, der die Fans nicht zufriedenstellt, und das später mit einer Erweiterung wieder auszubügeln – zumindest seitdem das US-amerikanische Studio nicht mehr mit Microsoft zusammenarbeitet und die Halo-Reihe entwickelt. Was haben wir uns damals auf Destiny gefreut! Die Versprechen seitens Bungie und Activision waren auch gigantisch groß: ein Spiel, das zehn Jahre lang Bestand haben und quasi das neue World of Warcraft werden sollte, nur eben als Ego-Shooter. Umso größer war 2014 die Enttäuschung, als sich herausstellte, wie wenig Inhalt in Destiny drinsteckte. Noch dazu machte Bungie den Fehler, die Geschichte, die ja durchaus interessante Ansätze aufzeigte, kaum im Spiel selbst zu erzählen. Wer mehr über die Lore erfahren wollte, musste sich auf einer Internetseite Texte durchlesen, die es aber erst im Spiel freizuschalten galt – was für ein blödes Konzept! 

Das eigentliche Shooter-Gameplay hingegen überzeugte und gerade deshalb war es so schade, dass Destiny nur mittelprächtig war. Die ersten beiden DLCs konnten daran nicht viel ändern, aber dann: Im Herbst 2015 erschien "König der Besessenen", ein Add-on, das sich gewaschen hatte. Es lieferte eine spaßige neue Kampagne und sorgte endlich für ein unterhaltsames, auf lange Sicht motivierendes Endgame.

Destiny war gerettet. Statt jedoch darauf langfristig aufzubauen, entwickelte Bungie auf Anweisung von Activision eine Fortsetzung. Und siehe da: Obwohl Destiny 2 zum Launch ein viel besseres Spiel war als der Vorgänger bei dessen Erscheinen, maulten die Spieler auch hier schnell über fehlende Endgame-Inhalte. Erneut konnten DLC 1 und 2 wenig an der Kritik ändern. Erneut musste die erste größere Erweiterung ein Jahr nach Veröffentlichung des Hauptspiels alles zum Guten wenden. Und tatsächlich gelang es Bungie mit "Forsaken", wieder die Kurve zu kriegen. Nun bleibt das Studio erst mal bei Destiny 2, einen dritten Teil wird es so schnell nicht geben. Sollte der aber irgendwann erscheinen, dann sind wir gespannt, ob Bungie dem Sprichwort "Aller guten Dinge sind drei" alle Ehre machen wird oder doch mal direkt zum Start ein Rundum-sorglos-Paket abliefert.
 

The Divison

The Division war eines dieser Ubisoft-Spiele, die der Publisher am Ende seiner E3-Pressekonferenzen ankündigte und damit die ganze Gaming-Welt überraschte. Wo 2014 Watch Dogs für Staunen sorgte, war es 2015 der erste Teil der Loot-Shooter-Reihe – nicht nur, weil die Grafik toll aussah, sondern auch, weil die Aussicht auf ein Destiny-artiges Spiel im Manhattan der Gegenwart mit Third-Person-Perspektive und größerem Fokus auf Taktik vielversprechend war. 2016 kam der Titel auf den Markt und enttäuschte: Die berühmt berüchtigten "Bullet Sponge"-Gegner, die Kugeln fraßen wie Winnie Puuh Honig, das magere Endgame (Destiny ließ grüßen) und die repetitiven Missionen – all das hinderte The Division daran, ein richtiger Hit zu sein. Aber der schwedische Entwickler Massive Entertainment blieb am Ball. Anders als bei der Konkurrenz von Activision war es nicht die eine Erweiterung, die The Division nachträglich in einen Fanliebling verwandelt hat. Es war viel mehr ein langfristiger Prozess.

Erst erschienen die kostenpflichtigen DLCs, die neue, unterhaltsame Spielmodi hinzufügten. Das Highlight dürfte für viele der "Survival"-Modus gewesen sein: eine Battle-Royale-Variante, die 2016 für Aufsehen sorgte, bevor Battle Royale durch PlayerUnknown's Battlegrounds eigentlich erst so richtig populär geworden ist. Aber auch kostenlose Neuerungen wie die verschiedenen Welt-Tiers stießen auf Begeisterung. Viel Lob erhielt Massive zudem 2017 für das Update 1.8, das mit dem West Side Pier eine neue PvE-Zone, den PvP-Modus "Gefecht" und eine Überarbeitung des Rogue-Systems in der Dark Zone viele gute Neuerungen lieferte – und das vollkommen gratis.

No Man's Sky

Nicht nur mancher Loot-Shooter hat seine zweite Chance genutzt. No Man's Sky ist wohl das Paradebeispiel dafür, wie ein Entwickler mit viel Leidenschaft einen Titel, der bei seinem Release zum Gespött der Videospielszene wurde, über Jahre hinweg zu dem Spiel macht, was es von Anfang an hätte sein sollen. Nicht nur das: Heute ist No Man's Sky sogar noch wesentlich mehr als das. Und für keines der zig Inhalts-Updates hat irgend ein Spieler etwas zahlen müssen. Alle bisherigen Erweiterungen, egal wie groß sie auch sind, sind kostenlos. Wer hätte 2015, als No Man's Sky erschien und nicht mal ansatzweise das war, was die Entwickler versprochen hatten, gedacht, dass daraus in den Folgejahren ein gutes Spiel werden würde? 

Wir übertreiben nicht, wenn wir schreiben, dass das Open-World-Spiel zum Release trotz gigantischem Universum ein inhaltsleeres, todlangweiliges Erlebnis und den Preis von über 50 Euro nicht mal im Ansatz wert war. Sean Murray, der Chef von Hello Games, wurde als Lügner beschimpft, weil er bis zur Veröffentlichung über Dinge gesprochen hat, die im Spiel nicht enthalten waren, unter anderem den Multiplayer. Der Hass auf ihn und sein Team war groß.

Die Briten haben sich aber nicht davon kleinkriegen lassen. Sie wollten ihr Spiel doch noch zu dem machen, was es hätte werden sollen, wovon sie selbst zuvor geträumt hatten. Wurde das erste große Update namens "Pathfinder", das den Basenbau eingeführt hat, noch belächelt, änderte sich die Wahrnehmung mit dem nachfolgenden "Atlas Rises" und spätestens seit der "Next"-Aktualisierung hat No Man's Sky viele Spieler zurück – beziehungsweise überhaupt erst für sich gewonnen. Heute bietet das Spiel eine Fülle an Aktivitäten, einen richtigen Multiplayer für bis zu 32 Spieler, viel abwechslungsreichere Planeten sowie Kreaturen und noch vieles mehr. Und Hello Games hört nicht auf, denn auf PS5 und Xbox Series X soll die Reise weitergehen.

Rainbow Six: Siege

Huch, schon wieder ein Ubisoft-Spiel?! Ja, Rainbow Six: Siege hatte nun auch nicht gerade den besten Start. Das hatte aber nichts damit zu tun, dass der Multiplayer-Taktik-Shooter inhaltlich nicht gut gewesen wäre. Ganz im Gegenteil: Auch wenn die Fans der Vorgänger sicherlich eine richtige Einzelspielerkampagne vermisst haben, offenbarte der Titel enormes Potenzial. Gerade die unterschiedlichen Charaktere mit ihren einzigartigen Fähigkeiten beziehungsweise Gadgets und die zerstörbare Umgebung wussten schon 2015 beim Release zu begeistern. Aber die Technik nagte am Spielspaß. Rainbow Six: Siege lief überhaupt nicht rund. Zudem war, sieh mal einer an, der zu geringe Umfang ein Problem. Tja, scheinbar ist Spieleherstellern einfach nicht bewusst, dass sie von vornherein ausreichend Inhalte anbieten müssen, wenn sie wollen, dass die Spieler lange bei der Stange bleiben und über den Kauf hinaus noch mehr Geld investieren.

Entwickler Ubisoft Montreal war sich der Mankos bewusst und patchte fleißig. Fehler wurden beseitigt, neue Features implementiert. Im Laufe der Zeit wurde Rainbow Six: Siege nicht nur zu einem deutlich besseren Spiel, es gewann auch an Popularität. Heute gilt es als einer der beliebtesten, erfolgreichsten Multiplayer-Shooter überhaupt und ist eine feste Einnahmequelle für Ubisoft. Es bildet das perfekte Gegengewicht zum schnellen, arcadigen Call of Duty, ohne aber gleich so anspruchsvoll wie etwa ein Insurgency zu sein.

Diablo 3

Fehler 37: Das ist nicht etwa ein Codewort dafür, dass die Republiktruppen aus Star Wars genutzt hätten, wenn die Order 66 fehlgeschlagen wäre. Nein, es ist ein legendärer Fehler, der die Spieler zum Release von Diablo 3 im Jahr 2012 plagte. Damals waren die Server des Hack and Slays maßlos überlastet. Eigentlich jeder, der zocken wollte, bekam beim Login eine Fehlermeldung mit jener Nummer 37 angezeigt. Das ist aber nicht der einzige Grund, weshalb der Titel einen schweren Start hatte. Auch inhaltliche Probleme waren vorhanden, allen voran das umstrittene Echtgeldauktionshaus. Zusätzlich war vielen Fans die Grafik zu bunt und fehlender Tiefgang im Skill-System wurde ebenfalls bemängelt.

Zugegeben, an den beiden letzteren Punkten hat sich mit dem Add-on "Reaper of Souls" nicht viel verändert. Dennoch schaffte Blizzard mit der Erweiterung den Umschwung. Die Kampagne wurde um zwei tolle Akte erweitert, mit dem Kreuzritter kam eine neue Klasse hinzu und das Endgame wurde dank Elementen wie den Nephalemportalen viel spaßiger. Ach ja, und das Auktionshaus hatte man kurz vor Release der Erweiterung geschlossen. Diablo 3 ist mit "Reaper of Souls" vielleicht nicht zum Lieblingsteil vieler Spieler geworden, die die Reihe mindestens schon seit Teil 2 verfolgen. Nicht wenige sind sicherlich zum großen Konkurrenten Path of Exile abgewandert, der all das bietet, was Diablo 2 damals hatte, und noch mehr. Aber nichtsdestotrotz wurde Diablo 3 mit dem Add-on zu einem großartigen Action-RPG. Wollen wir nur hoffen, dass der Nachfolger auch ohne DLC schon vollends überzeugt.

The Witcher

In der heutigen Zeit mag sich der eine oder andere wundern, dass wir hier ein Spiel von CD Projekt RED nennen. Immerhin ist The Witcher 3: Wild Hunt doch von Release an ein Topspiel gewesen. Für Cyberpunk 2077 wird das hoffentlich auch gelten. Aber die Polen waren nicht immer so groß aufgestellt und haben direkt bei der ersten Gelegenheit einen Hit gelandet. Ihr frühes eigenes Projekt, das erste The Witcher, kam 2007 in keinem guten Zustand auf den Markt. Es gab zahlreiche Bugs und andere Probleme, die den Spielspaß hemmten. Aber CD Projekt RED ließ die Kritik nicht auf sich sitzen, gelobte Besserung und die kam auch.

Im Herbst 2008, knapp ein Jahr nach Release, veröffentlichte das Unternehmen die Enhanced Edition von The Witcher. Die kam nicht nur mit zahlreichen Bugfixes daher, für die auch einfache Patches gereicht hätten. Nein, obendrauf gab es noch eine komplett neue deutsche Sprachausgabe. Die war in der Urfassung nicht sonderlich gut. CD Projekt RED investierte tatsächlich nochmal das Geld und die Mühe, die Vertonung einer Generalüberholung zu unterziehen, die sich wahrlich gelohnt hat. Quality-of-Life-Verbesserungen wie ein größeres Inventar und mehr Animationen für Charaktere hielten auch noch Einzug in das Rollenspiel. Zudem wurden mehr NPC-Modelle hinzugefügt, weil in der ursprünglichen Version sehr viele Klone die düstere Fantasy-Welt bevölkerten. Die Krönung des Ganzen stellten zwei neue Questreihen dar, die die Spielzeit von The Witcher nochmal um ein paar Stunden verlängerten. All das haben Besitzer des Original-"The Witcher" übrigens gratis erhalten.

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