Aus dem Tagebuch eines Outlaws

Arthur Morgan aus Red Dead Redemption 2 führt ein Tagebuch. Doch nicht jeden besonderen Moment hält er darin fest.

Red Dead Redemption 2

Uns wurde ein exklusiver Eintrag aus dem Tagebuch von Arthur Morgan, dem Hauptcharakter aus Rockstars Western-Epos Red Dead Redemption 2, zugespielt. Der ist so im Spiel gar nicht vorhanden. Dabei beschreibt er ein paar Momente, die durchaus besonders sind und uns mittlerweile nicht mehr aus dem Kopf gehen. Aus diesem Grund wollen wir ihn euch auf keinen Fall vorenthalten:

Liebes Tagebuch, 

ich bin’s mal wieder, Arthur. Ok, ehrlich gesagt, weiß ich gar nicht, wieso ich diesmal so anfange. Normalerweise mache ich das ja gar nicht, sondern komme gleich zur Sache. Aber irgendwie habe ich das Gefühl, dass ich diesmal nicht selbst meine Gedanken zu Papier bringe, sondern irgendjemand steuert, was ich hier niederschreibe. Und derjenige scheint zu glauben, dass eine solche Einleitung nötig sei, um die Leser (Welche Leser, verdammt?! Sollte ich nicht der Einzige sein, der mein Tagebuch liest?) in den Text langsam einzuführen. Ich sag ja, irgendwas stimmt heute nicht. Ich fühl mich auch nicht in der Lage, etwas zu zeichnen, daher musst du dich nun eben mit meinen geschriebenen Worten begnügen.

Ok, kommen wir zu dem, worüber ich dir eigentlich was erzählen wollte: das Zeug, das ich in den vergangenen Wochen so erlebt hab‘. Also nicht der Kram, von dem du eh schon Bescheid weißt. Es gibt da Dinge, von denen ich noch nichts erzählt hab. Die nebenbei passiert sind, mir aber trotzdem nicht aus dem Kopf gehen. So wie dieser eine Vorfall jüngst am Rand von Saint Denis. Ich hasse die Stadt ja sowieso, aber die Lemoyne-Räuber hasse ich noch mehr. Gut, wir mögen nicht viel besser sein als die, aber wir haben wenigstens noch ein Fünkchen Ehre. Aber dieser Abschaum aus den Sümpfen…

Nun, wie dem auch sei. Jedenfalls bin ich einem von ihnen begegnet. Stand da einfach nur rum, ich ritt an ihm vorbei und er meinte, mich anmachen zu müssen. Das hab‘ ich mir natürlich nicht bieten lassen. Also bin ich zu ihm hin und hab ihm meine Meinung gegeigt. Dass ich wenige Sekunden später seine Faust in meiner Fresse spürte, nun, das hab‘ ich wohl provoziert. Ich tat, was getan werden musste, und polierte dem Kerl seine hässliche Visage.

Als er bewusstlos auf der Straße lag, dachte ich mir, dass das als Lektion reichen sollte. Aber noch bevor ich wieder auf meine Weißlinde steigen konnte, wurde ich Zeuge der Gleichgültigkeit, die die Menschen sich heutzutage entgegenbringen: Eine Kutsche kam vorbei und rollte mit ihren Rädern einfach über den Typen rüber, den ich gerade noch verschonen wollte. Und sie blieb nicht die einzige, noch zwei weitere machten keine Anstalten, den im Matsch liegenden Körper zu umfahren.

Tja, wenn wir irgendwen erschießen, weil wir keine andere Möglichkeit sehen, dann macht man rigoros Jagd auf uns. Aber wer glaubt schon, dass die Kutschfahrer im Kittchen gelandet sind? Pah! Die konnten weiterhin ganz normal ihrem Alltag nachgehen und haben das auch getan. Sie haben vermutlich nicht mal bemerkt, dass ihnen jemand unter die Räder gekommen ist.

Nun gut, ich bin ja nun auch kein Heiliger. Letztens sollte ich für Mr. Strauss mal wieder Schulden eintreiben. Der Kerl, den ich besuchen sollte, hatte natürlich kein Geld, versuchte sogar zu fliehen. Beim Versuch ist es dann auch geblieben. Hab‘ ihn mit dem Lasso eingefangen und dann erst mal seine Taschen durchsucht. War auch ein bisschen wertvolles Zeug drin. Dachte mir dann aber, dass der Typ auf seiner Farm bestimmt noch andere Dinge hat, die er entbehren kann. Also hab‘ ich das Gelände durchkämmt und alles eingesteckt, was ich mitnehmen konnte. Plötzlich fielen Schüsse in meine Richtung. Die anderen Arbeiter schienen mich wohl beim Plündern bemerkt zu haben. Da hab‘ ich sie erschossen.

Blöderweise hatte ich nun immer noch den Farmer an der Backe. Und nachdem ich all seine Freunde umgebracht hatte, dachte ich mir: „Den kannst du jetzt auch nicht laufen lassen.“ Aus irgendeinem Grund wollte ich ihn aber nicht einfach nur erschießen oder erdrosseln. Mir war so, als würde ich (wie jetzt gerade) von einer übersinnlichen Macht gesteuert werden. Jedenfalls hab‘ ich den Kerl auf meine Weißlinde gepackt und bin mit ihm zu den nächstgelegenen Gleisen geritten. Hab‘ ihn dann dort auf die Schienen gelegt und es mir anschließend in der Nähe gemütlich gemacht, um auf den Zug zu warten. Stunde um Stunde verging. Die ganze Nacht und den halben Morgen hab‘ ich dort zugebracht und keine verdammte Lok kam.

Irgendwann wurde mir langweilig. Da hab‘ ich den Typ geschnappt, wieder auf mein Pferd gepackt und bin Richtung Süden galoppiert. Im Bayou angekommen, hielt ich nach einem Alligator Ausschau. Als ich einen sah, stieg ich von Weißlinde ab, schulterte den Farmer und legte ihn am Ufer ab. Das Reptil kam aber nicht näher, obwohl ich ihm ein Festmahl bereiten wollte. Ich hob den Kerl auf und warf ihn ins Wasser, aber anstatt das er als Frühstück endete, ertrank er einfach nur. Der Alligator schien keinerlei Hunger zu verspüren. Da bringt man so ‘nem Vieh einmal was zum Fressen und dann sowas. Aber ich wette, wäre ich ins Wasser gesprungen, würde ich diese Zeilen hier nicht mehr verfassen können.

Das Gruselige ist: Diese ganze Geschichte hat mir überhaupt nichts ausgemacht. Ich habe keinerlei Mitleid verspürt. Ja, ich wollte weder den Farmer noch seine Arbeiter umbringen. Aber letztendlich ließen sie mir ja auch keine andere Wahl. Ganz ähnlich verhielt es sich mit einem anderen Bauern. Eines Nachts entdeckte ich die Hütte eines Typen, der dort nur mit seinem Hund lebte. Er selbst stand weiter abseits und blickte in den sternenbehangenen Himmel. Ich nutzte die Gunst der Stunde und schlich mich in sein Haus.

Nachdem ich alles eingesteckt hatte, was ich tragen konnte, wollte ich mich einfach heimlich aus dem Staub machen. Niemand sollte verletzt werden. Unglücklicherweise kam der Farmer in dem Moment zur Tür herein, als ich gehen wollte. Er hatte seine Flinte in der Hand, zielte in meine Richtung und entschied sich dafür, direkt zu schießen. Ich hatte Glück, dass der Schuss mich knapp verfehlte. In Sekundenschnelle zog ich meinen Revolver und verpasste meinem Gegenüber eine Kugel in den Kopf. Er sackte tot zu Boden, ich verließ das Haus und erblickte seinen Hund, der einfach nur regungslos dastand, keinen Laut von sich gab und auf die Leiche seines Herrchens starrte. 

Dieses Bild sollte mir tagelang nicht aus dem Kopf gehen. Ja, ich hab‘ schon viele Leute umgebracht und in den wenigsten Fällen habe ich mir danach groß Gedanken darüber gemacht. Aber in jener Situation fühlte ich mich richtig mies. Mir tat der Hund leid, mir tat der Mann leid, den ich getötet hatte. Ich wollte nicht, dass es dazu kommt. Meine Gier nach Zeug, das ich verkaufen kann, war so groß, dass ich es nicht einmal lassen konnte, einen armen, einsamen Bauern zu bestehlen. Nun ja, aber letztendlich hat diese Geschichte auch nicht zu meiner Läuterung geführt und ich hab‘ den darauffolgenden Tagen nicht weniger schlimme Dinge getan. Einmal Outlaw, immer Outlaw!

 

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