Earthfall - Der geistige Nachfolger von Left 4 Dead?

Left 4 Dead dürfte vielen noch ein Begriff sein, aber seit gut zehn Jahren liegt die Reihe brach.

Valve scheffelt zwar dank Steam weiterhin ordentlich Kohle, aber Spiele kamen in den letzten fünf Jahren nicht mehr von dem amerikanischen Studio. Ähnlich sieht es mit dem Genre aus. Während Open-World-Shooter ohne Ende am Start sind und Battle Royale Games derzeit den Markt fluten, bleiben Sub-Genres wie etwa ein schnörkelloser Koop-Shooter, den man immer wieder mal schnell für 1-2 Partien zocken kann, auf der Strecke. Die Entwickler von Holospark haben das erkannt und bringen mit Earthfall quasi einen geistigen Nachfolger zu Left 4 Dead heraus.

Release Date Trailer:

Gute, alte Erinnerungen

Dass sich die Earthfall-Macher von Left 4 Dead inspirieren lassen haben, wird von ihnen keineswegs verschwiegen. Allerdings ist es mit älteren Spielen immer so eine Sache. Oft genug täuscht uns nämlich die eigene Erinnerung. Wer denkt nicht gern an liebgewonnen Videospiel-Perlen zurück? Ist bei uns nicht anders, zum Beispiel mit The Legend of Zelda: Ocarina of Time. Aber wenn man sich einen Titel von damals heute ansieht, dann schwingt doch eine Menge Nostalgie mit. Dementsprechend sollten manche Games lieber so im Gedächtnis bleiben, wie die Erinnerung im eigenen Kopf existiert. Genau das haben die Entwickler beherzigt und sich an die schönen Dinge erinnert und Earthfall zusätzlich mit modernen Mechaniken ausgestattet.

Aliens statt Zombies

Die Ausgangssituation von Earthfall ist schnell erklärt. In einer nahen Zukunft sorgt statt einer Zombie-Apokalypse dieses Mal ein Meteorit für die große Verwüstung. Im Zuge dessen sind fiese Außerirdische auf der Erde gelandet, die nun der Menschheit nach dem Leben trachten. Warum bleibt erst einmal ungeklärt. Die Menschen haben nur eine Chance, sie müssen sich zusammenraufen und als Team agieren, um der extraterrestrischen Bedrohnung Herr zu werden. Damit wäre die Grundlage für einen 4-Spieler-Koop-Shooter klar. Jetzt muss nur noch das Gameplay stimmen.

Wer darf's sein?

Hier setzen die Entwickler von Holospark sowohl auf Vertrautes als auch Elemente, die zumindest für diesen Spieltypus recht frisch sind. Der Aufbau ist dem von Left 4 Dead recht ähnlich. Verschiedene Missionen sind zu einzelnen Kapiteln zusammengefasst, die jeweils unterschiedliche Ziele beinhalten und entweder in kleinen Häppchen oder längeren Sitzungen genossen werden können. Direkt nach der Wahl eines Charakters geht es auch schon los. Eine kurze Einführung erklärt die Ausgangssituation und dann kann das fröhliche Abschlachten von Aliens beginnen. Für welchen Charakter man sich entscheidet, ist im prinzipiell egal. Es sind quasi nur kosmetische Skins.

Hauptsache in die Fresse

Was sofort auffällt, ist die Größe der Levels. In wenigen Minuten durch die verschiedenen Umgebungen zu rennen und dabei zig Gegner umzunieten, funktioniert in Earthfall nicht. Es gibt Sackgassen, recht weitläufige Gebiete und es lohnt sich immer, abseits des Hauptweges nach Munition, Waffen und anderen Ressourcen Ausschau zu halten. Apropos Waffen, Earthfall bietet ein reichhaltiges Arsenal, um den Aliens ordentlich einzuheizen. Das ist auch bitter notwendig, denn fiesen Schleimbolzen sind alles andere als Kanonenfutter. Neben normalen Gegnern gibt es nämlich verschiedene fette Viecher, die über Spezialfähigkeiten verfügen. Manche Aliens drücken einen zu Boden, andere wiederum besitzen Schilde, die erst zerstört werden müssen, bevor der Boden mit Alienblut getränkt wird.

Ankündigungs-Trailer:

Vielschichtige Aufgaben warten

Richtig interessant wird es besonders dann, wenn sich die Aufträge innerhalb eines Levels verändern. So mussten wir zusammen mit anderen Pressekollegen in einer Mission lediglich einen Staudamm erreichen. Das wäre eigentlich kein Problem, wenn der Weg nicht versperrt gewesen wäre. Also mussten wir eine andere Lösung finden. Glücklicherweise stand in der Nähe ein verlassener Bus herum. So haben zwei von uns kurzerhand eine Batterie vom Schrottplatz geholt, während die anderen den Bus in eine Werkstatt geschoben haben. Fehlten nur noch das Benzin und ein neuer Hinterreifen. Mit zwei Zweierteams war auch das schnell erledigt. Dass dabei immer wieder Aliens angegriffen haben, versteht sich von selbst.

3D-Drucker und andere Spielereien

Gerade diese mehrschichtigen Missionen machen Earthfall deutlich abwechslungsreicher als erwartet. Zudem gibt es ein paar Features, die das Spielgeschehen zusätzlich auflockern. Waffen werden nämlich nicht nur in der Gegend gefunden, mittels eines 3D-Druckers können sie gedruckt werden. Außerdem zeigt sich ein wenig der derzeitige Einfluss von Fortnite. Es ist nämlich auch möglich zu bauen. In diesem Fall sind das Barrieren, die uns zwar durchlassen aber keine Aliens. Diese Hindernisse können zusätzlich mit Feuer oder Elektrizität aufgewertet werden. Sind die Außerirdischen dann wirklich so dusselig und laufen in eine Barriere, gibt es beispielsweise geröstete Aliens. Und damit sich jede Partie anders anfühlt, sorgt eine KI im Hintergrund für zufallsbedingte Spawn-Punkte für Aliens und mehr.

Ein Hoch auf KI-Bots

Sind einmal nicht genügend Mitspieler vorfügbar, werden die restlichen Teammitglieder mit KI-Bots aufgefüllt. So sind auch Solopartien kein Problem. Eine Technik, die Entwickler nur noch sehr vereinzelt nutzen, schade eigentlich, denn wenn man nicht gerade über einen großen Freundeskreis im Onlinebereich zurückgreifen kann und nicht mit Fremden spielen will, ist man meist aufgeschmissen. Das würden wir uns ebenfalls in kompetetiven Shooter wünschen, denn es gibt Tage, egal wie gut man ist, da gibt es nur auf die Fresse und genau dann sehnt man sich doch manchmal nach ein paar strunzdummen Charakteren, denen gepflegt das Fressbrett zertrümmert werden kann oder die nicht ständig andere Sachen machen, anstatt zu helfen und Teamwork an den Tag zu legen.

Einschätzung:
Earthfall erfindet das Rad zwar nicht neu, aber die verwendeten Mechaniken funktionieren im Zusammenspiel äußerst gut. Zudem sieht der Titel optisch ansprechend aus. Die Unreal Engine zaubert ein authentisches Szenario auf den Bildschirm und kann mit vielen Details aufwarten, was mitunter ein Grund ist, dass die Entwickler die Geschichte streckenweise über die Umgebung erzählen lassen. Hält man die Augen offen, erfährt man einige Hintergründe der Handlung. Was uns beim ersten Anspielen besonders gut gefallen hat, war das Sounddesign. Waffen klingen je nach ihrem Typ mal mehr mal weniger wuchtig und die Geräusche der Aliens sind richtig abstoßend gelungen. Fans von Valves Shooter sollten Earthfall definitiv auf dem Schirm behalten. Der Titel funktioniert, macht Spaß und sieht anständig aus. Jetzt müssen ihn nur noch die Spieler annehmen.

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