Tony Hawk's Pro Skater 1 + 2 zeigt, wie ein Remake sein muss

Tony Hawk’s Pro Skater 1 + 2 zeigt eindrucksvoll, dass ein gutes Konzept nach fast 2 Dekaden immer noch funktioniert.

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Vor 20 Jahren sah mein Alltag noch ein bisschen anders aus. Ich steckte mitten in der Oberstufe und sobald ich aus der Schule kam, wurden Hausaufgaben gemacht, erst danach gab es Freizeit für mich. Das änderte sich schlagartig, als ein Schulfreund eines Tages Tony Hawk’s Pro Skater für das Nintendo 64 mitbrachte. In den folgenden Wochen und Monaten gingen die schulischen Leistungen steil bergab, aber dafür konnte ich Ollie, Manual, Grind sowie einen 360° fehlerfrei landen. So ein extremes Suchtgefühl habe ich danach nur noch selten erlebt; in letzter Zeit gar nicht mehr. Dann trudelte das Muster zu Tony Hawk’s Pro Skater 1 + 2 bei mir ein…

Es fühlt sich extrem vertraut an

Es dauert nach dem Starten des Spiels nur wenige Sekunden und gefühlt befinde ich mich wieder in den Anfängen der 2000er Jahre, aber mit den Vorzügen der aktuellen Technik. Das Intro des Spiels ist da nur ein Beispiel. Die gesamte Präsentation fängt den Geist von damals ein und mischt ihn mit aktuellen Standards. Mit dem Song "Superman" von Goldfinger im Ohr entscheide ich mich, die aufgemotzte Version des ersten Spiels auszuprobieren. Den etwas unterentwickelten Charaktereditor lasse ich zunächst außen vor, denn zu 90 Prozent der Zeit skate ich sowieso mit Tony Hawk.

Tony Hawk’s Pro Skater 1+2 Launch-Trailer:

Es gibt viel zu tun, packen wir es an!

Es ist alles genau wie in ich es in der Erinnerung hatte. Entwickler Vicarious Visions hat sich auf keine Experimente eingelassen und sich detailversessen am Original orientiert. In jedem Level gilt es, verschiedene Tricks und Sprünge zu vollführen, Punktezahlen zu knacken oder Dinge einzusammeln beziehungsweise mit ihnen zu interagieren. Die SKATE-Buchstaben sind genauso am Start wie teils irrwitzige Anforderungen an Combos oder Sprünge und die versteckten Tapes. Kurzum: In jeder Umgebung gibt es eine Menge zu tun.

Ab und an steht auch ein Wettkampf gegen KI-Skater an und freispielbare Stages sind ebenfalls vorhanden, genauso wie die Option, ohne Zeitdruck zu fahren oder mich auf internationalen Ranglisten mit anderen zu vergleichen. Es hat mich sofort gepackt und umgehend erinnerten sich meine Finger teilweise an die alte Tastenbelegung. Direkt in der ersten Skate-Umgebung, dem Lagerhaus, wollte ich möglichst viele Ziele im ersten Lauf erfüllen und obwohl ich mit der Demo fleißig geübt habe, bin gnadenlos gescheitert. Hätte ich den realen Tony Hawk durch das Level gesteuert, müsste der sich jetzt ein paar neue Kniescheiben besorgen.

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Es gibt wohl kaum ein ikonischeres Level als das Lagerhaus aus dem ersten Teil.

Klasssisches Gameplay mit feinen Veränderungen

Ich hatte dezent vergessen, dass trotz des arcadelastigen Gameplays das Landen einer Trick-Combo dennoch ein genaues Timing und die richtige Position des Skaters voraussetzt. Ein Problem, das ich schon vor 20 Jahren hatte und sich dank der exzellent umgesetzten Spielmechanik von damals nun nahtlos fortsetzt. Das Entwicklerteam hat die Spielmechanik wirklich eins zu eins von der damaligen in die heutige Zeit übertragen und zusätzlich einige Features wie Manuals oder Reverts aus späteren Teilen übernommen.

Daraus ergeben sich nicht nur mehr Möglichkeiten, abgedrehte Combos auf den Asphalt zu knallen, das Gameplay der ersten beiden Spiele fühlt sich dadurch auch deutlich geschmeidiger an. Allerdings wirkt Tony Hawk’s Pro Skater 1 + 2 wie ein großes Remake und nicht wie zwei. Unter diesen Voraussetzungen könnte Activision eigentlich auch die Inhalte des dritten Teils per DLC nachschieben. Für Puristen gibt es sogar die Möglichkeit, die alten Steuerungsschemata der beiden Originale zu nutzen.

So sieht eine kranke Combo aus:

Für Langzeitmotivation ist gesorgt

Beim Drumherum gibt es jedoch einige Neuerungen. Vicarious Visions hat den bekannten Aufgaben und Levelzielen noch ein komplett neues Progressionssystem übergestülpt. Hier findet sich nicht nur ein zusätzliches Levelsystem, es gibt auch noch zahlreiche weitere Herausforderungen, durch die ihr kosmetische Dinge wie Klamotten, Boarddesigns, Park-Editor-Gegenstände, Tattoos oder Profilbilder freischaltet. Zusätzlich kann ich mit dem im Spiel verdienten Geld einkaufen. Mikrotransaktionen gibt es aber  nicht. Außerdem kann ich die gesammelten Erfahrungspunkte für jeden Charakter zu jeder Zeit neu arrangieren, um ihn beispielweise einer bestimmten Situation anzupassen.

Natürlich dürfen versteckte Skater und Stages ebenso wenig fehlen wie die obligatorischen Cheats. Letztere sind zwar vorhanden (jetzt unter dem Menüpunkt Hilfen zu finden), aber nicht mehr ganz so zahlreich. Ich darf sie sogar einsetzen, um Levelziele zu erfüllen. Nur bei weltweiten Ranglisten und einigen Herausforderungen kann ich diese “Hilfen“ nicht nutzen. Einfach wird Tony Hawk’s Pro Skater 1 + 2 aber trotzdem nicht. Einige Ziele haben es in sich und ich weiß gar nicht, wie ich meine Griffel verknoten muss, um bestimmte Combos zu schaffen oder an manche Objekte zu gelangen.

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Vor traumhafter Kulisse richtig auf die Fresse zu fliegen, macht doppelt Spaß.

Online-Modus? Ja schon, aber Splitscreen ist geiler!

So überragend das Remake in vielen Belangen ist, so halbherzig wirkt der Online-Multiplayer-Modus. Während im lokalen Mehrspielergeplänkel inklusive Splitscreen von Trickwettbewerben über einfache Sessions bis hin zu den Partymodi "HORSE" und "Fangen" alles dabei ist, wirkt das Ganze online ein bisschen hingeschludert. Nicht nur, dass Funktionen wie das Erstellen einer Party oder Einladungsmöglichkeiten für Freunde versteckt sind, es fehlt auch an grundlegenden Optionen, zusammen mit Freunden ein paar Tricks auszuprobieren und anständig miteinander zu spielen.

Was bringt es mir, wenn ich mit Freunden und Fremden in Endloswettbewerben zusammengewürfelt werde, aber ansonsten kaum etwas einstellen kann? Zudem fehlen Online-Modi wie "LOSER" und "Fangen". Aber Entwickler Vicarious Visions hat bereits angekündigt, im Herbst ein Update zu veröffentlichen, das sich dieser Probleme annimmt.

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Einen Abstecher nach Downtown gibt es natürlich, aber passt auf die rücksichtslosen Taxis auf!

Tony, der Baumeister?

Womit ich allerdings in nahezu jedem Spiel meine Probleme habe: der Strecken-Editor, mit dem eigene Levels erstellt werden können. Die Entwickler von Vicarious Visions stellen zwar viele Möglichkeiten zur Verfügung, aber sich in dieses Segement reinzufuchsen, erfordert Zeit und Muße. Ich kann durchaus schnell einen Skatepark entwerfen, aber wenn der Spaß machen soll, muss ich mir vorher genau überleben, wie welche Elemente miteinander verknüpft werden und so weiter. Da bin ich lieber Nutznießer anderer, weitaus talentierterer Streckenbauer, die ihre Parks in stundenlanger Arbeit entwerfen und dann der Community zur Verfügung stellen.

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Eigentlich sollte man sich die Zeit nehmen und ein bisschen in den Levels verweilen.

Technisch gelungen und atmosphärisch beeindruckend

Tony Hawk’s Pro Skater 1 + 2 gewinnt mit Sicherheit keinen Schönheitspreis, aber das muss es auch nicht. Das Remake spiegelt im Prinzip genau die Erinnerung von damals wider. Die Mischung aus realistischer Optik mit leichtem Comiclook-Einschlag sieht dank 4K und HDR besser aus denn je. Die Levels wurden penibel nachgebaut und mit mehr Details ausgestattet, ohne dabei aber die Spielbarkeit des Originals zu untergraben. Von der neuen Grafik profitieren natürlich auch die Skater. Sowohl die alten Recken als auch die Newcomer sind jetzt weitaus detaillierter und ansprechender gestaltet. Zudem gibt es ein paar neue Animationen und Effekte für die Sportler.

Der Soundtrack hingegen ist bis auf drei fehlende Lieder nahezu identisch. Spätestens wenn das eingangs erwähnte "Superman" durch die Boxen scheppert, weiß ich: “Hier bin ich richtig! Jetzt möchte ich die nächsten Stunden nicht gestört werden!“ Es ist erstaunlich, wie ein paar Lieder im Handumdrehen die eh schon gelungene Atmosphäre des Spiels auf ein neues Level heben. Wer auch immer damals für die Zusammenstellung aller Spielelemente verantwortlich war, hat einen Sonderpreis verdient. Das gesamte Konzept funktioniert auch heute noch tadellos.

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Stellenweise sieht Tony Hawk's Pro Skater 1 + 2 schon sehr sehr genial aus.

Fazit

Tony Hawk’s Pro Skater 1 + 2 ist eines der besten Remakes, das bis dato auf den Markt gekommen ist. Bis auf ein paar Kleinigkeiten stimmt einfach alles. Die Spielbarkeit ist top, die Langzeitmotivation enorm groß, die Grafik ansprechend und der Soundtrack nach fast 20 Jahren immer noch über jeden Zweifel erhaben. Kann es eigentlich für ein Remake besser gehen? Ja, wenn die Entwickler zum Release etwas mehr Liebe in den Online-Modus gesteckt hätten. Nicht nur, dass der sehr inhaltsschwach daherkommt, es funktonierten während meines Tests auch nicht immer alle Party-Features. Zudem ist der Charaktereditor im Vergleich zum Parkbaukasten kaum der Rede wert.

Von diesen Problemen abgesehen, markiert Tony Hawk’s Pro Skater 1 + 2 die triumphale Rückkehr einer Marke, wie ich es mir nicht besser hätte erträumen können. So und nicht anders hat sich ein Spiel mit Tony Hawk anzufühlen und zu spielen!

Tony Hawk’s Pro Skater 1 + 2
Pro
Hervorrangendes Gameplay
Viele verschiedene Zielvorgaben
Neues Progressionssystem
Zeitloser Soundtrack
Versteckte Skater/Parks & massig Bonuskram
Contra
Bisher schwacher Online-Modus
Charaktereditor mit wenigen Optionen
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4.5/5 Sterne

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