Demon's Souls im Test: Das Remake-Highlight im Jahr der Remakes

Für Souls-Fans ist das Remake von Demon's Souls definitiv ein Grund, sich eine PS5 zu kaufen.

Demon's Souls

2020 sind so einige Remakes erschienen: Mafia: Definitive Edition, Tony Hawk's Pro Skater 1 + 2, Trials of Mana und natürlich Final Fantasy 7 Remake. Aber den Höhepunkt in Sachen Neuauflagen, die mehr sind als nur Remasters, gibt es nun exklusiv für die PlayStation 5. Nachdem Bluepoint Games vor zwei Jahren schon Shadow of the Colossus auf beeindruckende Art und Weise auf die PS4 gebracht hat, hat das US-amerikanische Studio nun einen weiteren Klassiker aus Japan reanimiert: Demon's Souls, das Spiel, von dem vor zehn Jahren wohl niemand gedacht hat, dass es ein neues Genre begründen würde (das der Souls-likes) erstrahlt in moderner Grafik auf der PlayStation 5. Und Halleluja, ist das gut!

Altes Spiel in neuer Grafik

Gleich vorweg: Wir werden an dieser Stelle nicht ins Detail gehen, was das Gameplay, das Leveldesign oder die Story betrifft. Denn Demon's Souls im Jahr 2020 ist im Grunde das Gleiche wie Demon's Souls im Jahr 2010, als es in der westlichen Welt für die PlayStation 3 erschienen ist (in Japan erfolgte der Release 2009). Es ist kein Remake wie die Mafia: Definitive Edition oder die Neuauflage von Final Fantasy 7, die beide spielerisch große Unterschiede zu den Originalen aufweisen und sogar erzählerisch neue oder zumindest leicht abgewandelte Wege beschreiten. Bluepoint hat Demon's Souls nahezu eins zu eins in einer neuen Engine nachgebaut. Es gibt ein paar kleine Verbesserungen und auch einige neue Gegenstände, aber inhaltlich bleibt fast alles beim Alten.

Aus diesem Grund wollen wir für all diejenigen, die das Original nicht gespielt haben, nur kurz zusammenfassen, worum es geht und was für eine Art Spiel Demon's Souls ist. Kurz gesagt: Es ist ein Souls-like. Also, gut, eigentlich nicht, denn es ist ja nicht wie Souls. Es ist Souls! Es ist die Blaupause für alle Spiele, die der Originalentwickler From Software danach gemacht hat sowie für all die Niohs und The Surges. In Third-Person-Perspektive lauft ihr durch düstere Fantasy-Welten und seid hauptsächlich damit beschäftigt, gegen eine große Bandbreite an Gegnern zu kämpfen – und zu sterben. Denn der Schwierigkeitsgrad ist hoch, jeder noch so popelige Standardfeind kann euch das Leben kosten, wenn ihr unvorsichtig agiert. Segnet ihr das Zeitliche, verliert ihr eure Seelen, quasi eure Erfahrungspunkte. Ihr habt die Chance, sie am Ort eures Ablebens wieder einzusammeln, aber wenn ihr auf dem Weg dahin erneut versagt, sind sie weg. Für immer!

Die Story von Demon's Souls dreht sich um das Königreich Boletaria, das von einem großen Unheil heimgesucht wird, hervorgerufen von seinem König Allant XII. Menschen wurden zu Untoten und Dämonen wüten im Land. Ihr seid ein mutiger Krieger, der versucht, Boletaria zu retten. So simpel ist die Ausgangslage, doch in Demon's Souls steckt einiges an Lore. Nur müsst ihr die selbst aufspüren. Das Spiel erzählt seine Geschichte nicht aktiv mit Zwischensequenzen, wie es viele andere Titel machen. From Software hat damals schon auf die Art Storytelling gesetzt, die die Japaner auch in der "Dark Souls"-Trilogie und Bloodborne verwendet haben. Ihr reimt euch die Geschichte von Demon's Souls selbst zusammen, indem ihr mit ein paar wenigen NPCs immer wieder mal sprecht (was komplett optional ist), die Umgebungen genau unter die Lupe nehmt und Item-Beschreibungen lest. Das mag nicht jedermanns Sache sein, aber lasst euch gesagt sein: Selbst wenn ihr die Story ausklammert, ist Demon's Souls immer noch ein fantastisches Spiel, denn hier steht das Gameplay klar im Vordergrund.

Demon's Souls - Gespräch

Wer nicht mit jedem NPC spricht (auch ruhig mehrfach hintereinander ansprechen!), verpasst so einiges.

So macht Kämpfen Spaß

Kämpfe sind das wichtigste Element und das vollkommen zurecht. Die knackigen Auseinandersetzungen mit Untoten, Dämonen, wilden Hunden und vielen weiteren Kreaturen machen enorm viel Spaß, auch weil sie so fordernd sind. Mechanisch gibt es zwischen Original und Remake kaum Unterschiede. Ok, einen großen gibt es schon. Auf der PS3 könnt ihr nur in vier Richtungen ausweichen: nach vorne, nach hinten, nach links und nach rechts. Das wäre in der heutigen Zeit vollkommen veraltet gewesen. Also hat Bluepoint Games das einzig Richtige gemacht: Es lässt euch auch in die Diagonalrichtungen rollen. Danke dafür!

Davon abgesehen spielen sich die Kämpfe wie vor zehn Jahren, auch wenn Bluepoint Games völlig neue Animationen entwickeln hat. Die Timings sind aber unverändert geblieben, sodass sich Kenner des Originals direkt zuhause fühlen. Das Tolle am "Demon's Souls"-Remake, der Grund, warum das Monsterschnetzeln hier mehr Spaß macht als damals: Die neuen Animationen, die Wucht, mit der eure Schläge eure Gegner treffen, und die neuen Soundeffekte sorgen für ein deutlich besseres Kampfgefühl. Selbst mit einem hochstufigen Charakter in den ersten Level zurückzukehren und die schwächsten aller Gegner niederzustrecken, macht Spaß, weil es sich so gut anfühlt. 

Demon's Souls - Spinne

Die Bosskämpfe sind die spannendsten und spektakulärsten Begegnungen.

Apropos Anfühlen: Demon's Souls macht ordentlichen Gebrauch vom DualSense-Controller der PS5. Zum einen kommen immer wieder Sounds aus dessen Lautsprecher, etwa wenn ihr einen Feind pariert und dann eine Konterattacke ausführt. Dann schallt das Knacken der Knochen aus dem Gamepad heraus, was ungemein befriedigend ist. Auch das haptische Feedback wird genutzt. Bei jedem eurer Schläge vibriert der Controller analog zum entsprechenden Soundeffekt – großartig!

Was die Nachfolger besser machen

Bevor wir uns der Technik des Spiels widmen, die bei diesem Remake sicherlich der wichtigste Aspekt ist, noch ein paar Worte zu den Features, die unverändert geblieben, vielleicht aber nicht mehr ganz zeitgemäß sind oder zumindest in den Nachfolgern besser gelöst wurden. Da wäre zum einen die Thematik mit den Heilgegenständen: In Demon's Souls habt ihr noch keine Estus-Flakons, die sich an jedem Speicherpunkt wiederaufladen. Stattdessen sammelt ihr Mondgras in verschieden starken Varianten. Ist das aufgebraucht, könnt ihr euch nicht mehr heilen und müsst das Grünzeug farmen, um etwa für den nächsten Bosskampf gewappnet zu sein. Das kann für Frust sorgen, gerade wenn ihr an einem Endgegner festhängt und ihn mehrfach herausfordern müsst.

Demon's Souls - Kampf gegen Ritter

Auch so manche Feinde, die keine Bosse sind, verlangen euch viel ab.

Ebenfalls nicht gerade entlastend ist, dass in den Levels recht wenige Speicherpunkte (Kaltsteine, sie sind das Äquivalent zu den Leuchtfeuern in Dark Souls) verteilt sind. Ihr müsst oftmals viel längere Passagen wiederholen, wenn ihr gestorben seid. Klar, es gibt Abkürzungen, die ihr freischalten könnt und auch in jedem Fall hilfreich sind, aber so gut ausbalanciert wie in den nachfolgenden Spielen ist das alles in Demon's Souls noch nicht. Eine Schnellreisefunktion gibt es auch nicht, allerdings fehlt dem Spiel die zusammenhängende Spielwelt eines Dark Souls oder Bloodborne, weshalb ihr keine langen Laufwege von Gebiet A nach Gebiet B habt.

Demon's Souls schickt euch in fünf Welten, die aber das Souls-typische Leveldesign haben und optisch sehr vielfältig sind. Zudem ist das Spiel nicht streng linear. Von eurem Hub, dem Nexus, aus könnt ihr schon nach dem Tutorial in jede der Welten reisen. Allerdings werden die Feinde in vier von ihnen den Boden mit euch aufwischen. Später kann es sich aber durchaus lohnen, mal in Welt B zu reisen, wenn ihr in Welt A nicht vorankommt. Die Struktur von Demon's Souls ist nicht schlechter als in Dark Souls, sondern einfach nur anders. Ob man das nun weniger mag oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen.

Demon's Souls - Latria

Der Turm von Latria erinnert optisch stark an die Welt aus Bloodborne und stand vermutlich auch für sie Pate.

Ach ja, noch was: Die Kamera macht euch auch im Remake immer wieder mal einen Strich durch die Rechnung, wenn ihr gerade versucht, einen schweren Gegner zu besiegen. Gerade wenn die Bosse etwas größere Ausmaße haben, die Arenen aber relativ eng sind und ihr in irgendeiner Ecke landet, kann es passieren, dass ihr euren Charakter oder den Feind aus den Augen verliert und deshalb im schlimmsten Fall einer tödlichen Attacke nicht ausweichen könnt. Das passiert nicht ständig, aber ab und zu mal. Souls-Fans sind damit bestens vertraut und nehmen es vermutlich gelassen, aber hier hätte Bluepoint Games etwas mehr Optimierungsarbeit leisten können.

Präsentation par excellence

Kommen wir aber mal endlich zum wichtigsten Aspekt des Remakes: der Technik beziehungsweise Präsentation. Hier hat Bluepoint Games ganze Arbeit geleistet, wobei es auch Änderungen gegenüber dem Original gibt, die dessen Fans vielleicht nicht gefallen. Allgemein lässt sich aber sagen: Demon's Souls auf der PS5 sieht absolut großartig aus und ist das einzige Spiel, das zum Start der neuen Konsolengeneration erschienen ist und zumindest ansatzweise Next-Gen-Feeling aufkommen lässt. Der Detailgrad der Umgebungen ist beeindruckend. Texturen sind knackscharf, Animationen enorm geschmeidig, die Beleuchtung, sowohl in den hellen als auch vielen dunklen Passagen, ist großartig und unterstreicht die eh schon düstere Stimmung des Spiels. Gerade auf Fernsehern mit HDR sieht Demon's Souls zum Anbeißen aus. Und trotz all der Grafikpracht sind die Ladezeiten verflucht kurz. Länger als fünf Sekunden dauert es nicht, zwischen dem Nexus und den fünf Welten zu wechseln.

Demon's Souls - Tore von Boletaria

Schon der Anblick der Tore von Boletaria, dem ersten Level, hat uns die Sprache verschlagen.

Das alles gilt übrigens schon im Performance-Modus, den wir jedem empfehlen. 60 FPS sind einfach ein Muss in so einem Spiel. Klar, im Grafikmodus mit nativer 4K-Auflösung ist Demon's Souls noch ein Stück schicker, aber die 30 Bilder pro Sekunde wirken sich eben auch negativ auf das Spielgefühl aus. Das heißt nicht, dass Demon's Souls in der Form unspielbar ist, aber wir würden eine hohe Bildrate immer einer hohen Auflösung vorziehen – auch in Nicht-Souls-likes.

Was manchem Fan des PS3-"Demon's Souls" sauer aufstoßen könnte, ist die vergleichsweise helle Farbgebung. Ja, das Remake ist standardmäßig nicht ganz so düster und trist wie das Original. Aber hier lässt sich ganz einfach abhelfen. Im Optionsmenü stehen diverse Filter zur Auswahl, darunter auch einer, der dem Spiel den alten Look verpasst. Wer will, zockt Demon's Souls aber zum Beispiel auch in Monochrom-Optik. Diese Vielfalt an Filtern gefällt uns sehr und es lassen sich zudem auch noch eigene erstellen.

Demon's Souls - Monochrom-Filter

Für uns wäre das ja nichts, Demon's Souls in Monochrom-Optik zu spielen, aber es ist cool, das es geht.

In Sachen Sound gibt es ebenfalls ein paar Änderungen. So wurde die Musik komplett neu aufgenommen. Ihr hört im Remake zwar die gleichen Stücke wie im Original, nur handelt es sich dabei eben nicht mehr um elektronisch erzeugte Klänge, sondern Orchesteraufnahmen. Es gibt Leute, denen das nicht gefällt. Es verändert durchaus ein wenig die Stimmung, obwohl die Kompositionen identisch sind. Bluepoint Games hätte dem Spieler ruhig die Wahl geben können, ob er nun die alte oder neue Musik hören möchte. Nichtsdestotrotz finden wir die orchestrale Variante großartig. Auch die englischen Synchronsprecher sind hervorragend, deutsche Sprachausgabe gibt es nicht. Die Vertonung ist neu und leicht abgeändert im Vergleich zum Original. Charaktere sagen also nicht exakt das, was sie vor zehn Jahren von sich gaben. Das könnte den Nostalgieeffekt für Fans etwas schmälern, uns hat es aber nicht gestört.

Was gibt’s noch zu sagen?

Zum Abschluss seien noch ein paar Dinge erwähnt, die neu im Vergleich zum Original sind. Da wäre etwa der deutlich verbesserte Charaktereditor. Endlich sehen die eigenen Figuren in einem Souls-Spiel nicht mehr so hässlich aus (sofern ihr es nicht aufs Gegenteil anlegt). Außerdem gibt es den sogenannten "Fractured"-Modus, der die Spielwelt komplett spiegelt, was eine nette Idee ist. Einen Fotomodus, wie er in jedem modernen Spiel enthalten sein muss, ist ebenfalls mit von der Partie (und tatsächlich eine Möglichkeit, das Geschehen zu pausieren, was sonst nicht geht) und ihr könnt Items von jedem Punkt aus an den Lageristen Thomas im Nexus schicken und müsst ihn nicht immer persönlich aufsuchen, was sehr praktisch ist.

Demon's Souls - Charaktereditor

Der Editor ist wirklich umfangreich.

Fazit

Man kann Sony vorwerfen, dass der einzige PS5-Exklusivtitel neben dem kostenlosen und sehr umfangsarmen Astro's Playroom nur ein Remake und kein gänzlich neues Spiel ist. Aber ganz ehrlich: Das ist uns vollkommen egal. Demon's Souls auf der PS5 ist eines der besten Spielerlebnisse dieses Jahres. Auch wenn sich die Souls-Formel in Dark Souls und Co weiterentwickelt hat (und das zum Guten), ist ihr Begründer immer noch ein fantastisches Spiel, das nun in atemberaubender Grafik und mit sensationeller Klangkulisse auf der PS5 zu neuem Leben erweckt wurde. Für jeden, der das Original nie gespielt hat und sich für Souls-likes begeistern kann, ist dieses Remake ein Pflichttitel. Und jetzt entschuldigt uns bitte, wir haben da noch ein paar offene Rechnungen mit einigen Dämonen.

Demon's Souls
Pro
Hochspannende Kämpfe
Höchst detaillierte Grafik
Stabile 60 FPS im Performance-Modus
Dichte Atmosphäre
Abwechslungsreiche Welten
Starke Soundkulisse
Enorm kurze Ladezeiten
Contra
Kamera nicht immer optimal
Heil-Item-Farming manchmal nötig
Demon's Souls

5/5 Sterne

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