Control Ultimate Edition: Dreistigkeit deluxe? Ein Streitgespräch

505 Games und Remedy Entertainment haben jüngst die Ultimate Edition von Control angekündigt – und nicht unbedingt Lob dafür erhalten.

Control Hauptbild

Auf den ersten Blick bekommt ihr hier zwar das Hauptspiel samt der beiden Erweiterungen (DLC Nummer 2 namens “AWE” erscheint genau wie die Ultimate Edition am 27. August) zum Preis von 39,99 Euro. Angesichts der Masse an Inhalten ist das ein sehr fairer Preis. Doch das ist nicht der Grund, warum die Fans aufschreien und auch wir in der Redaktion intensiv diskutieren.

505 Games hat verkündet, dass Käufer der Ultimate Edition von Control für PS4 beziehungsweise Xbox One ein kostenloses Upgrade auf die jeweilige Next-Gen-Fassung erhalten (also PS5 oder Xbox Series X). Das gilt aber nicht für diejenigen, die das Hauptspiel sowie die DLCs einzeln oder den Season Pass gekauft haben. Die Upgrade-Option gilt nur für die Ultimate Edition. Unsere beiden Schreiberlinge Jens und Nico sehen das unterschiedlich kritisch.

Control Ultimate Edition - Trailer:

Zwei gegensätzliche Meinungen

Jens: Meiner Ansicht nach ist das, was 505 Games und Remedy (wer genau die Entscheidung getroffen hat, ist unklar) hier machen, nichts anderes als Betrug am Kunden! Wer Control zum Release oder irgendwann im Verlauf der vergangenen zwölf Monate gekauft hat, wird extra zur Kasse gebeten, möchte er die verbesserte Next-Gen-Version spielen, wohingegen Spätkäufer nun weniger zahlen und dafür deutlich mehr bekommen.

Nico: Ich frage mich, warum sich viele so aufregen. Das Spiel ist von 2019 und wird dank Abwärtskompatibilität sicherlich auf der Xbox Series X laufen. Bei der PlayStation 5 wird es vermutlich ähnlich sein, auch wenn da noch weniger Details bekannt sind. Zudem kostet auch ein solches Upgrade Geld in der Entwicklung. Mich stört eher, dass die Besitzer der DLCs und des Season Pass’ einfach übergangen werden. Die Erweiterungen und der Season Pass kosten nicht gerade wenig und zumindest diese Käufer sollten das Upgrade gratis bekommen.

Jens: Genau das ist ja Teil meiner Kritik. Habe ich mir das Grundspiel und beide DLCs gekauft, habe ich inhaltlich de facto die Ultimate Edition, es fehlt eben nur das Branding. Dann so benachteiligt zu werden, ist absolut nicht fair. Und auch diejenigen, die sich nur das Hauptspiel gekauft haben, werden extra zur Kasse gebeten, weil sie 40 statt 25 Euro ausgeben müssen, um Control in der nächsten Konsolengeneration in seiner schönsten Form erleben zu können. Sonderlich kundenfreundlich ist dieses Vorgehen seitens des Herstellers nicht. Zum Thema Abwärtskompatibilität: Bestimmt kann ich meine Xbox-One-Version auf der Series X spielen und profitiere dann von einer höheren Bildrate. Aber ich habe keine besseren Effekte wie vor allem das in der PC-Version von Control so revolutionär gut eingesetzte Raytracing. Insofern bin ich als jemand, der Control schon 2019 gekauft hat, ziemlich sauer, dass ich kein kostenloses Upgrade erhalte.

Nico: Das sehe ich etwas anders, denn wir wissen noch gar nicht, welche technischen Veränderungen vorgenommen werden, außer dem potenziellen Raytracing, das es auf dem PC schon gibt. Und wie umfangreich fallen die aus? Wird zum Beispiel eine der neuen Funktionalitäten des DualSense-Controllers genutzt? Oder andere spezielle Features der PS5? Das wissen wir alles noch nicht. Zudem kann ich nicht erwarten, dass ich automatisch ein kostenloses Upgrade bekomme, nur weil ich das Spiel besitze. Eine solche Situation gab es bei einem Generationenwechsel noch nicht.

Jens: Nun, ich kann es erwarten, wenn eine Gruppe Spieler, die das Gleiche gekauft hat wie ich und dafür sogar weniger bezahlt hat, es gratis erhält. Hätten 505 und Remedy gesagt: “Ok, das Spiel hat sich nicht so gut verkauft, wir müssen damit noch mehr Geld verdienen, also lasst uns einfach ein Remaster für PS5 und Xbox Series X produzieren und kein Upgrade anbieten”, dann wäre das immer noch kein Grund zur Freude, aber fairer. Stattdessen erschaffen sie eine Zweiklassengesellschaft, in der diejenigen, die mehr bezahlt haben, weniger bekommen. Im Grunde machen beide Unternehmen an dieser Stelle nochmal deutlich, wie dumm es ist, Spiele vorzubestellen, indem sie den “Early Adoptern” sagen: “Ätsch bätsch, ihr habt zu früh zugeschlagen! Ihr müsst für die Next-Gen-Version nochmal zahlen!”

Nico: Okay, aber das Problem hast du auch mit vielen GotY-Editionen oder wie sie alle heißen. Early Adopter müssen immer mit der Gefahr leben, mehr zu zahlen als die, die erst später auf den Zug aufsteigen. 

Jens: Es ist vollkommen ok, dass jemand, der sich Control jetzt erst kauft, weniger dafür zahlen muss. Darüber rege ich mich nicht auf. Es ist aber eine Frechheit, dass derjenige für 40 Euro nicht die 100 Prozent des Inhalts bekommt, für die ich 80, 90 Euro bezahlt habe, sondern 150 Prozent. Und wir sprechen von einem Zeitraum von einem Jahr, der seit Release vergangen ist, nicht fünf oder gar zehn.

Nico: Gut, das kann ich nachvollziehen. 

Jens: Dann können wir das an dieser Stelle ja beenden. 505 und Remedy haben jetzt noch die Möglichkeit, den Karren aus dem Dreck zu ziehen, indem sie allen, die Spiel plus DLCs gekauft haben, das Gratis-Upgrade gewähren. Ansonsten wird diese Handhabe als eine der größten Dreistigkeiten in die Geschichte der Videospielbranche eingehen.

Wie seht ihr das? Findet ihr die Entscheidung, das Next-Gen-Upgrade nur mit der Ultimate Edition zu vertreiben richtig oder nicht? Oder habt ihr vielleicht noch einen ganz anderen Blickwinkel auf die Situation?

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