Travian Kingdoms Test: Ein Klassiker wagt den Neuanfang - Mit viel Tiefgang und wenig Schnickschnack

Gallier oder Römer - wer macht das Rennen in Travian Kingdoms?

Ein probates Mittel vieler Spieleentwickler ist die Neuauflage älterer, erfolgreicher Spiele. Tatsächlich ist das im Bereich der Online Games derzeit ziemlich en vogue. InnoGames macht Tribal Wars 2 als neue Version von Die Stämme und Travian Games bringt mit Travian Kingdoms einen weiteren Ableger des Strategie-Klassikers heraus. Wir haben uns das Treiben in der antiken Spielwelt mal genauer angeschaut und verraten euch, ob sich ein Blick in das neue Travian lohnt.

Im März startete Travian Kingdoms in die Open Beta und steht seitdem allen Spielern offen. Dabei hat sich erst recht spät herausgestellt, dass es überhaupt ein eigenständiges Spiel wird. Ursprünglich war das, was jetzt Travian Kingdoms ist, als neue Version des aktuellen Travian geplant und angekündigt und lief lange unter dem Titel Travian 5. Zur endgültigen Entscheidung, beide Varianten parallel laufen zu lassen, haben sicher viele Faktoren beigetragen. Einer davon war, laut Entwickler, dass die geplante Mobile-App nicht an den Code des alten Travians anzukoppeln ging. Die App ist übrigens noch nicht erschienen, soll aber, wenn sie denn mal in den Appstores landet, alle Funktionen des Browsergames bieten.

Die Versorgungslage regeln wir über Rohstofffelder.

Die ersten Schritte – Augen zu und durch

Als wir das Spiel zum ersten Mal starten, überkommt uns eine regelrechte Nostalgie-Welle. Das sieht ja aus wie früher! Also, wir wollen niemanden beleidigen natürlich, aber in Anbetracht der Tatsache, dass auch Browser- und Mobilespiele, selbst jene mit Strategie-Fokus, optisch immer mehr hermachen, wirkt Travian Kingdoms ein wenig, na sagen wir: nicht gar so opulent. Nichts bewegt sich, also wirklich fast gar nichts. Aber gut, muss es ja auch nicht ... unbedingt.

Gleich zu Beginn entscheiden wir, ob wir als Gallier, Germane oder Römer spielen wollen. Die Völker haben unterschiedliche Eigenschaften, die mehr oder weniger Aktivität und kriegerische Ambitionen voraussetzen. Wir starten als Gallier, weil die angeblich gut geeignet sind für Einsteiger. Der Anfang gestaltet sich wie üblich mit einem kurzen Tutorial, wobei uns lustige Comic-Charaktere dazu animieren, dieses und jenes anzuklicken. Anschießend folgen wir dem Questverlauf, können so viel also eigentlich nicht falsch machen. Der Auftrag in Travian Kingdoms ist uns schon bewusst: Dorf aufbauen, Wirtschaft in Schwung bringen und eine Armee auf die Beine stellen – sowohl zur Verteidigung als auch für Angriffe.

Travian, wie wir es kennen.

Wer schon mal ein Strategie-Browserspiel gezockt hat, sollte sich in Travian Kingdoms schnell zurechtfinden, wobei es schon die eine oder andere Situation gibt, in der wir eine Weile die richtigen Schaltflächen suchen müssen. Es gibt nämlich ziemlich viele davon und die sind munter quer über den gesamten Bildschirm verstreut. Es gibt im Großen und Ganzen drei Ansichten: das Dorf, die nähere Umgebung mit unseren Rohstoff-Abbaugebieten sowie die Übersichtskarte. Hier können wir anhand einer Linie auch gut erkennen, zu welchem Königreich wir eigentlich gehören.

König oder Statthalter? Die Zwei-Klassen-Gesellschaft von Travian Kingdoms

Thema Königreich: Das Spiel heißt ja nicht ohne Grund so. Die wesentliche und wichtigste Änderung in Travian Kingdoms besteht in der Einteilung der Spieler in zwei Gruppen. Ziemlich zu Beginn wählen wir aus, ob wir lieber als Statthalter oder König starten möchten. Diese Entscheidung ist ausschlaggebend für den weiteren Spielverlauf. Als Statthalter genießen wir den Schutz des Königs und liefern dafür Tribute in Gestalt unseres Kampf-Loots. Als König sind wir dafür zuständig, die Siedlungen unserer Untertanen zu schützen, gegebenenfalls Allianzen einzugehen und das Reich auszuweiten.

Auf der Karte beäugen wir misstrauisch unsere Nachbarn.

Wir merken schon: Ein König hat ordentlich was zu tun, deshalb wird diese Rolle auch nur erfahrenen und sehr aktiven Spielern empfohlen, während sich das Statthalter-Dasein in Travian Kingdoms auch für wenige aktive Spieler und Anfänger eignet. Außerdem hat ein König nur einen Tag lang Angriffsschutz, beim Statthalter sind es sieben. Da wir Stress gar nicht gerne haben, versuchen wir uns als Statthalter und treten artig unsere Beute ab, die wir bei unseren ersten Angriffen auf NPC-Räuberlager gewonnen haben.

Zunächst greifen wir nur ein paar harmlose Räuber an.

Hintergrund dieser Aufteilung ist offenbar das Bestreben von Travian Games, das Spiel für verschiedene Spielertypen zu öffnen. Davon sollte man sich aber nicht täuschen lassen: Travian, egal in welcher Version, ist und bleibt ein Core-Strategiespiel für eingefleischte Genre-Fans. Allein die spartanische grafische Aufmachung und das eher dröge Gameplay zu Beginn (klicken, warten, klicken, warten) verhindern effektiv, dass sich Gelegenheitsspieler hier länger aufhalten, die Unterhaltung für zwischendurch suchen.

Viele taktische Optionen für Strategie-Fans

Das ist keine Kritik per se. Was Travian Kingdoms in Sachen Optik und Unterhaltungswert vermissen lässt, macht es im Bereich Spieltiefe durchaus wett – sofern man diese Art von Browsergame eben mag. So gibt es nicht nur die Möglichkeit, Allianzen zu formen, sondern auch Geheimbünde, von denen keiner etwas weiß außer den Mitgliedern – die natürlich dichthalten müssen. So können sich auch Statthalter organisieren und ihre eigenen Interessen verfolgen, während Könige geschickt Diplomatie betreiben sollten, um ihren Einfluss zu vergrößern – oder, wenn alles nichts hilft, halt auf militärischem Wege ihren Machtanspruch deutlich machen. Das Ganze geht nicht bis in alle Ewigkeit weiter. Wie in alten Travian-Spielen ist die Spielrunde irgendwann vorbei und zwar dann, wenn das jeweilige Weltwunder errichtet wurde. Das ist ein Riesenprojekt, das nur gemeinschaftlich fertiggestellt werden kann, da es Unmengen an Ressourcen verschlingt. Es gewinnt aber nicht zwangsläufig die Allianz die Runde, die das Weltwunder abgeschlossen hat, sondern die, die über die Zeit die meisten Siegpunkte sammeln konnte.

Welteroberungspläne schmieden wir in der Allianz.

 

 

Nach einem Sieg wird zünftig gefeiert.

 

Travian Kingdoms Bewertung

 

Grafik: Um es wohlwollend auszudrücken: Es gibt kaum optische Ablenkungen, die den Fokus auf irgendwas anderes als das eigentliche Gameplay lenken könnten. Tabellen, viel Weißraum, statische Abbildungen … in Zeiten allgegenwärtiger 3D-Spiele für Browser und Mobile wirkt das schon ein bisschen wie von vorgestern.
Sound: Die Hintergrundmusik ist stimmungsvoll und kann, wie alle anderen Geräusche, auf Wunsch deaktiviert werden.
Umfang: Travian Kingdoms bietet viel Spieltiefe, die sich vor allem aus den Interaktionsmöglichkeiten mit anderen Spielern (PvP, Allianzen, Handel, Geheimbünde etc) ergibt. Wer will, kann viele Stunden im Spiel verbringen.
Free-to-Play-Balance: Wir können für echtes Geld Gold kaufen, womit wir uns optional zahlreiche Premiumvorteile verschaffen. Beispielsweise gibt es gegen Gold ein größeres Rohstofflager, einen Rohstoff-Bonus, einen zusätzlichen Bauslot, die Möglichkeit Wartezeiten bei Upgrades zu überspringen und vieles mehr. Weniger direkt beeinflussen können wir mit Gold unsere militärischen Möglichkeiten, was gut für die Balance ist. Schneller voran kommen zahlende Spieler aber auf jeden Fall und Zeit ist ein wichtiger Faktor im Spiel.
Spielspaß: Das kommt sehr darauf an, wen man fragt. Als Strategiespiel taugt Travian Kingdoms durchaus, die taktischen Optionen sind vielfältig. Wer auf der Suche nach schneller Action ist und Spiele wie Clash of Clans für Strategie hält, sollte sich gar nicht erst anmelden.
Pro
Einfacher Einstieg dank Tutorial und Quests
Viele strategische Möglichkeiten
Statthalter-Rolle auch für weniger aktive Spieler geeignet
Kommende Mobile-App
Contra
Leblose Grafik
User Interface mitunter verwirrend
Unerfahrenen Spielern wird das Spielziel nicht recht klar - der Kontext fehlt

4/5 Sterne

Fazit

Travian Kingdoms weist durchaus große Neuerungen im Vergleich zum Vorgänger auf, wobei vor allem die Einteilung der Spieler in Könige und Statthalter ins Auge fällt. Ob das als Argument ausreicht, um alteingesessene Travian-Spieler anzulocken? Vermutlich werden viele ihr Glück einmal versuchen, immerhin dauert eine Runde nicht ewig lange. Außerdem lockt die Mobile-App zum Spiel, wobei es immer noch kein Veröffentlichungsdatum hierfür gibt (Stand: Juni 2015). Problematischer dürfte es werden, ganz neue Spieler zu begeistern. Klar, Strategie muss nicht mit einem Grafik-Feuerwerk dargereicht werden, aber das User Interface und der doch sehr trockene Einstieg machen wenig Lust auf mehr. Wer gerne Intrigen spinnt und keine Probleme damit hat, viel Zeit in ein Browserspiel zu investieren, sollte dennoch einen Blick riskieren. Zu entdecken gibt es in Travian Kingdoms nämlich viel, auch wenn es im ersten Moment nicht so wirkt.

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