Monster Hunter Stories 2 – Wings of Ruin im Test: Leider nur gut

Monster Hunter Stories 2: Wings of Ruin ist zu sehr noch ein Monster Hunter und das ist für das JRPG ein Problem.

Monster Hunter Stories 2: Wings of Ruin

Was haben wir uns auf Monster Hunter Stories 2: Wings of Ruin gefreut?! Den ersten Teil haben viele, inklusive unserer Wenigkeit, verpasst, weil er nur für den 3DS erschienen ist. Teil 2 gibt es nun sowohl für die Nintendo Switch als auch den PC, sodass Capcom mit weitaus weniger technischen Limitierungen arbeiten musste. Noch dazu klang das Versprechen eines JRPGs mit Pokémon-Einflüssen im "Monster Hunter"-Universum mit all seinen ikonischen Kreaturen vorzüglich. Die Welt bietet viel Potenzial für spannende Geschichten, doch die Hauptreihe konzentriert sich seit jeher auf das Gameplay und vor allem den Grind. Da kommt Monster Hunter Stories 2 also wie gerufen. Doch auch wenn das Spiel einige große Stärken hat, enttäuscht es im Test an genau den Stellen, wo es ein Monster Hunter: World oder Rise doch eigentlich übertreffen sollte.

Samstagmorgenspiel

Zum Glück trifft Letzteres nicht auf die Geschichte zu, die in den Hauptteilen so gut wie keine Rolle spielt, im Spin-off aber einen höheren Stellenwert hat. Sie steht in Monster Hunter Stories 2: Wings of Ruin vielleicht auch nicht an erster Stelle, ist aber wesentlich präsenter als in Monster Hunter: World und Rise. Mit eurem selbst erstellten Recken erlebt ihr eine umfangreiche Handlung, die gutes Futter für einen familienfreundlichen Animationsfilm oder einen Samstagmorgen-Cartoon wäre. Ihr seid der Enkel eines legendären Monsterreiters und eines Tages gelangt ein Rathalos-Ei in euren Besitz. Der kleine Drache schlüpft und ist fortan euer Schützling, zum Unmut einiger anderer Leute, die ihn ihm nicht mehr als eine gefährliche Bestie sehen.

Monster Hunter Stories 2: Wings of Ruin - Spieler bekommt Rathalos-Ei

Nach wenigen Stunden wird euch das Rathalos-Ei anvertraut, auf dass ihr euch um den Drachen, der darin schlummert, kümmern sollt.

Monster Hunter Stories 2: Wings of Ruin reißt erzählerisch keine Bäume aus. Es geht eben um klassische Themen wie Freundschaft, aber die Story ist schick inszeniert und motiviert bis zum Ende hin, was angesichts des großen Umfangs von bis zu 50 Stunden (Endgame nicht mitgerechnet) sehr respektabel ist. Es ist eben nur nicht so, dass die Geschichte DER Grund ist, Monster Hunter Stories 2 zu zocken. Die großen Highlights des Rollenspiels sind die beiden Aspekte, die den spielerischen Kern ausmachen: die Monster und das Kampfsystem.

"Gotta … breed 'em all!"

Die Kreaturen, Monsties genannt (was unserer Meinung nach etwas zu verniedlichend ist, wenn wir von teils meterhohen Ungetümen sprechen), sind das, was euch dazu bringen kann, den Titel immer wieder anzumachen, wenn ihr anfällig seid für Spiele à la Pokémon. In sonstigen "Monster Hunter“-Titeln macht ihr stets nur Jagd auf die Bestien, um euch aus deren Körperteilen neue Waffen und Rüstungen zu schmieden, um wiederum gegen die nächststärkeren Kreaturen zu kämpfen. Monster Hunter Stories 2: Wings of Ruin macht euch aber eben zum Reiter, nicht zum Jäger.

Genau wie in Pokémon stellt ihr euch ein Team aus Monstern zusammen, die ihr auflevelt, auf dass sie stärker werden und neue Fähigkeiten erlernen. Neue Mitglieder für eure Monsties-Truppe bekommt ihr aber nicht, indem ihr sie im Kampf schwächt und dann einfangt, sondern indem ihr Monsterbauten aufsucht und dort Eier stibitzt, die ihr anschließend im örtlichen Stall ausbrütet. Mit über 80 Tieren, die ihr im Kampf einsetzen und auf denen ihr reiten könnt, gibt es genug zum Sammeln und da es sich um bekannte Bestien wie eben Rathalos, Anajanath und Tigrex handelt, ist das Angebot an Monsties nicht nur reichhaltig, sondern auch verdammt cool. Und es bietet dank der Möglichkeit, Gene (also Fähigkeiten und Boni) aus einer Kreatur zu extrahieren und auf eine andere der gleichen Gattung zu übertragen, genug Tiefgang. Euch euer ultimatives Monstie-Team zusammenzubasteln, ist enorm motivierend – vor allem, wenn wir bedenken, dass es Online-Features gibt und ihr nicht nur gemeinsam mit anderen Spielern Koop-Quests bestreiten, sondern auch in PvP-Duellen gegen sie kämpfen könnt.

"Los, Rathalos, Kraftattacke!"

Die Gefechte selbst sind die zweite große Stärke von Monster Hunter Stories 2: Wings of Ruin. Die laufen rundenbasiert ab und basieren auf dem altbewährten Stein-Schere-Papier-Prinzip. Es gibt drei Kategorien von Attacken: Kraft, Geschwindigkeit und Technik. Letztere schlägt Geschwindigkeit, Geschwindigkeit schlägt Kraft und Kraft schlägt Technik. Im Kampf kontrolliert ihr an sich nur euren eigenen Charakter, während euer aktives Monstie von Haus aus automatisch angreift. Gleiches gilt für etwaige Gefährten und deren Tiere.

Monster Hunter Stories 2: Wings of Ruin - Kampf

Die Kämpfe wirken anfangs recht einfach, aber im fortgeschrittenen Spielverlauf werden sie teilweise richtig anspruchsvoll.

Das mag erst mal simpel erscheinen, das System bietet aber reichlich Tiefgang. Zum Beispiel bekommt ihr per leuchtender Linien angezeigt, welches gegnerische Monster wen als nächstes angreifen wird. Hat es eines der Viecher auf euch selbst abgesehen, solltet ihr ebenso ihm eure nächste Attacke widmen und seinen Angriff kontern. Wenn ihr also wisst, dass es euch mit einer Kraft-Fähigkeit angreifen wird, schlagt ihr mit Tempo zu. Dann gewinnt ihr das Duell und euer Gegenüber kann euch gar kein Haar krümmen, weil es viel zu sehr damit beschäftigt ist, selbst Schaden einzustecken.

Greifen ihr und euer Monstie mit der gleichen Art von Attacke an, kommt es zu einem Doppelangriff, was cool präsentiert wird und ordentlich Schaden macht. Außerdem steigert ihr so die Bindung zu eurem Begleiter. Die dient als Ressource, die für den Einsatz von Spezialfähigkeiten nötig ist – sowohl für euch selbst als auch euer Monstie. Ihr könnt also, wenn genug Bindungspunkte vorhanden sind, entweder selbst einen Skill einsetzen oder eure Bestie einen Sonderangriff ausführen lassen. Ist die Bindung auf maximalem Level, könnt ihr sogar auf euer Monstie aufspringen und dann eine richtig starke Attacke einsetzen.

Monster Hunter Stories 2: Wings of Ruin - Doppelattacke

Euer Monster und ihr führt in einer Runde die gleiche Attacke aus? Dann bekommt der Gegner so richtig einen auf die Mütze.

Es ist halt immer noch ein Monster Hunter

Noch mehr Tiefe erhält das Kampfsystem in Monster Hunter Stories 2: Wings of Ruin durch die typischen "Monster Hunter“-Elemente: Ihr habt verschiedene Waffen zur Auswahl und könnt unterschiedliche Körperteile eurer Gegner anvisieren und es darauf anlegen, sie abzubrechen. Dafür müsst ihr dann aber auch mit passenden Waffen angreifen. Mit dem Großschwert etwa werdet ihr gegen einen dicken Panzer nicht viel ausrichten könnt. Hier empfiehlt sich der Griff zum Hammer. 

Drei Waffen könnt ihr maximal ausrüsten. Neben den beiden besagten Kategorien gibt es noch den Bogen, Schwert und Schild, das Jagdhorn und die Gewehrlanze. Es sind also längst nicht alle 14 Waffengattungen aus den normalen "Monster Hunter“-Spielen dabei, aber die sechs vorhandenen Arten reichen vollkommen aus. Ach ja, neue Waffen und auch Rüstungen schmiedet ihr euch in Monster Hunter Stories 2: Wings of Ruin, wie sich das gehört, selbst aus den Teilen, die ihr von besiegten Monstern erbeutet. Das System ist weniger komplex als in der Hauptreihe, allein schon deshalb, weil ihr Komplettrüstungen bastelt und keine einzelnen Teile. Das heißt aber nicht, dass die Jagd nach immer besserer Ausrüstung nicht weniger motivierend ausfällt.

Weite, leere Ebenen

Ok, die Story ist unterhaltsam, das Sammeln und Aufleveln der Monster super und die Kämpfe machen durchgehend Spaß. Wo liegt also das Problem? Nun, da wäre zum einen die Spielwelt. Monster Hunter Stories 2: Wings of Ruin lässt euch ziemlich weitläufige Gebiete erkunden. Ihr habt es hier zwar nicht mit einer Open World zu tun, werdet euch aber auch nie eingeengt fühlen. Selbst die Dungeons fühlen sich dank Labyrinth-artigem Aufbau nicht linear an und überall lassen sich Kisten mit nützlichen Items sowie Crafting-Ressourcen finden, die ihr etwa für die Herstellung von Tränken benötigt. 

Klingt soweit alles gut? Das könnte es auch sein, aber leider mangelt es Monster Hunter Stories 2: Wings of Ruin deutlich an Erkundungsanreizen. Ihr findet eben nur Kisten mit Items, Ressourcen und natürlich wilde Monster. Zudem sehen die Umgebungen selbst auf dem PC sehr karg aus. Noch dazu hatten wir nie das Gefühl, uns durch ein lebendiges Ökosystem zu bewegen. Anders als in Monster Hunter: World und Rise bewegen sich die Kreaturen nicht durch die Welt und es kommt schon gar nicht zu Revierkämpfen. Stattdessen stehen einfach hier und da einzelne Monster oder kleine Gruppen herum und warten im Grunde nur darauf, dass ihr sie angreift oder ihnen versehentlich zu nah kommt, damit sie sich auf euch stürzen können.

Monster Hunter Stories 2: Wings of Ruin - Alcala

Weitläufige Umgebungen sind ja nett, bringen aber nichts, wenn es kaum Spaß macht, sie zu erkunden.

Besonders enttäuschend sind die Monsterbauten. Die spawnen zufällig in der Spielwelt und sind sozusagen Mini-Dungeons, deren Muster sich wahnsinnig schnell wiederholen. Und da ihr häufig in die Bauten hineinmüsst, wenn ihr mehr Monsties haben wollt, wird das Ganze schon nach wenigen Stunden ermüdend. Klar, man freut sich, wenn man einen seltenen Monsterbau entdeckt, weil man weiß, dass man darin ganz besonders coole Eier finden kann, aber auch das wird irgendwann zur Routine.

Wieso der Plural?!

Apropos Routine: Das Spiel sollte eigentlich Monster Hunter Story 2 heißen, denn abseits der Hauptgeschichte gibt es so gut wie keine Handlungen. Das heißt nicht, dass Nebenquests Mangelware sind. Ganz im Gegenteil: Der Titel ist vollgestopft mit optionalen Aufträgen, die ihr am Questbrett in jeder Siedlung annehmt oder direkt von NPCs erhaltet. Doch selbst letztere Kategorie bietet nur in ganz seltenen Fällen einen Hauch von Storytelling und der ist dann nicht mal richtig spannend. In der Regel sind die Nebenquests reine MMO-Missionen à la "Töte dieses Monster, bring mir so und so viele Exemplare jenes Items“.

Monster Hunter Stories 2: Wings of Ruin - Dialog

Dass die Aufträge am Questbrett nur zum Farmen von Erfahrungspunkten und Items dienen, ist ja noch ok, aber die Missionen, die ihr von NPCs erhaltet, sind halt nicht viel besser.

Klar, "Monster Hunter“-Fans sind Quests dieser Art gewohnt. Der Knackpunkt ist bloß: Monster Hunter Stories 2: Wings of Ruin will ja eigentlich eine andere Art Spiel sein. Es hat den Anspruch, ein vollwertiges Rollenspiel und Story-Erlebnis zu sein, aber wenn wir die Hauptgeschichte mal ausklammern, ist es ein genauso Gameplay- und auch Grind-lastiges Spiel wie die Hauptteile. Nein, ihr müsst nicht grinden, um das Ende der Geschichte zu sehen. Aber wenn ihr eben kein Interesse daran habt, viel Zeit ins Verbessern eures Teams und eurer eigenen Ausrüstung zu stecken, sondern in erster Linie an der Geschichte interessiert seid und eine fremde Welt erkunden wollt, wird euch Monster Hunter Stories 2 nicht vollends befriedigen.

Schwache Portierung

PC-Spieler werden obendrein enttäuscht davon sein, wie gering das technische Upgrade gegenüber der Switch-Version ausfällt. Klar, die Portierung unterstützt hohe Auflösungen und das Geschehen läuft deutlich flüssiger als auf der Nintendo-Konsole. Aber davon abgesehen merkt man Monster Hunter Stories 2: Wings of Ruin an, dass Capcom es a) in erster Linie für die Switch entwickelt und b) nur das Nötigste unternommen hat, damit es auch auf dem PC läuft. Richtige grafische Verbesserungen sucht ihr vergebens. Dass die Entwickler nicht einmal die Sichtweite in Bezug auf die Grasdarstellung erhöht haben, ist beschämend. So poppen die Halme auch auf dem PC zwei bis drei Meter vor euch auf. Dass Capcom die verwaschenen Texturen in der Umgebung für die PC-Version nicht aufgehübscht haben, ist schon schade, aber die Sache mit dem Gras können wir ihnen nun wirklich nicht verzeihen.

Monster Hunter Stories 2: Wings of Ruin - Tigrex

Die Monster sehen ganz gut aus, der Anime-Stil, der sich deutlich vom realistischeren Look der Hauptteile unterscheidet, ist aber nicht jedermanns Sache.

Zum Glück sieht Monster Hunter Stories 2 trotzdem stimmig aus. Die knalligen Farben und Anime-Figuren sind bestimmt nicht jedermanns Sache, der Look passt aber hervorragend zu der Art Geschichte, die das Spiel erzählt. Und immerhin gibt es eben sehr schicke Zwischensequenzen und stark inszenierte Attacken in den Kämpfen. Die Wucht, die ihr in den Hauptteilen bei euren Angriffen und denen der Monster spürt, spürt ihr auch hier. Ihr schlagt zwar nicht aktiv in Echtzeit zu, aber wenn euer Charakter mit dem Großschwert einen Treffer landet oder ihr mit eurem Monstie gemeinsam eine Spezialattacke ausführt und dabei wie in einem Anime komplett mit Lichteffekten und Explosionen übertrieben wird, ist das enorm befriedigend. 

Obendrein wird das alles von toller Orchestermusik untermalt. Dadurch sehen die Kämpfe nicht nur episch aus, sondern klingen auch so, während in den Siedlungen sehr ruhige Melodien zum Einsatz kommen, die das friedvolle Leben dort perfekt unterstreichen. Die Sprachausgabe, sowohl im Englischen als auch japanischen Original, ist solide, eine deutsche Vertonung gibt es nicht.

Monster Hunter Stories 2: Wings of Ruin - Diablos

Die Attacken sehen allesamt mächtig aus. Hier kann sich Pokémon eine Scheibe von abschneiden

Fazit

Monster Hunter Stories 2: Wings of Ruin ist so ein typischer Fall von "Gutes Spiel, aber …" Und nein, in diesem Fall steht nicht vor dem "aber" die Lüge! Dafür ist das Sammeln und Aufleveln der Monsties zu motivierend und das Kampfsystem zu gut durchdacht. Auch die Geschichte weiß zu überzeugen, wenn man sich eben darauf einlässt, dass sie sich auch stark an jüngere Spieler richtet und daher eben keinen großen Tiefgang bietet. 

Das Problem ist eben nur, dass ihr nur dann mit Monster Hunter Stories 2 wirklich glücklich werden könnt, wenn euch die Pokémon-Elemente ausreichen, um gefesselt zu werden. Die Spielwelt und die Nebenquests sind nämlich alles andere als gut. Nun mögen sich die meisten japanischen Rollenspiele schwer damit tun, gute optionale Aufgaben anzubieten, aber das ist ja keine Entschuldigung. Und wenn das Story-lastige JRPG der "Monster Hunter"-Marke weniger spannende Umgebungen zum Erkunden bietet als die auf Koop-Action und Grind ausgelegten Hauptteile, läuft sowieso was schief.

Monster Hunter Stories 2: Wings of Ruin
Pro
Motivierendes Monstersammeln
Gut durchdachtes Kampfsystem
Nette Story
Stimmiger Soundtrack
Koop-Quests und PvP
Contra
Langweilige Umgebungen
Kaum Erkundungsanreize
Öde Nebenquests
Generische Monsterbauten
Technisch schwach
Monster Hunter Stories 2: Wings of Ruin

3.5/5 Sterne

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