Super Mario Odyssey ist verdammt gut, aber nicht perfekt

Super Mario Odyssey

Super Mario Odyssey

Wie die weltweite Fachpresse seit Ende Oktober mit Lobeshymnen zu Super Mario Odyssey um sich wirft, ist schon nicht mehr feierlich. Da wird vom besten Spiel des Jahres oder sogar vom besten Spiel aller Zeiten gefaselt. Okay, wir wissen alle, dass die Super Mario Reihe über eine außergewöhnliche Qualität verfügt, aber sind diese großspurigen Lobhudeleien wirklich angemessen? Ist der Titel so herausragend wie Super Mario 64 oder Super Mario Galaxy? Ich musste mich selbst davon überzeugen und habe mir das Spiel in den letzten Tagen mehr als ausführlich zu Gemüte geführt.

Super Mario Odyssey 02

Super Mario unterwegs in New Donk City

Geschichte? Ja, ist vorhanden!

Die Geschichte von Super Mario Odyssey ist schnell erzählt. Oberschurke Bowser hat dieses Mal nicht einfach nur Prinzessin Peach entführt, er plant direkt eine Hochzeit mit ihr, um Mario ein für alle Mal zu demoralisieren. Klar, das muss verhindert werden und ich darf den feisten Italiener dabei unterstützen, zusammen mit Cappy, einer Art Zaubermütze. Also auf geht’s!

Übersichtstrailer:

Mario macht es wie Link!

Super Mario Odyssey beginnt mit einem Cold Opening, ein Trend, dem derzeit viele Spiele folgen. Manchmal ist Hollywoods Einfluss doch sehr zu spüren. Gleichzeitig verzichtet Nintendo auf ein endlos langes Tutorial. Stattdessen gibt es ab und an ein paar Hinweistafeln, die ich bei Bedarf durchlesen darf. Ich bin aber nicht dazu gezwungen. Ähnlich aufgebaut war auch die Einführung von The Legend of Zelda: Breath of the Wild. Nintendo will Spieler dazu anhalten, selbst die Grundlagen herauszufinden und die Geheimnisse des Spiels zu erforschen. Was schon bei Zelda funktioniert hat, wird auch bei Mario funktionieren und das tut es verdammt gut. Ich habe mich immer wieder dabei ertappt, Dinge auszuprobieren und abseits der Haupthandlung einfach auf Erkundungstour zu gehen. Dank des nicht vorhandenen Zeitlimits ist man auch nie gehetzt.

Ein Highlight jagt das nächste!

Apropos Handlung. Die ist erstaunlich kurz geraten für ein 3D-Mario-Abenteuer. Nach gut zehn Stunden stand ich Bowser gegenüber und habe die Endsequenz genossen. Aber bei Mario ist der Weg das Ziel, ganz so wie man es früher aus dem Matheunterricht kannte: Der Lehrer will nicht die Lösung wissen, sondern den Weg dorthin. Was in der Schule jedoch oft mit Qualen verbunden war, wird bei Super Mario Odyssey zu einer außerwöhnlich spaßigen Reise. Das Spiel ist gespickt mit Erlebnissen, die man als Spieler nicht so schnell vergisst und die einen immer wieder überraschen. Das Festival in New Donk City, die Trauungszeremonie oder auch die erste Begegnung mit dem T-Rex gehören zum besten, was die Videospielwelt seit Langem gesehen hat. Und das sind nur die wirklich herausstechenden Szenen. Wer sich ein wenig genauer in der Welt von Super Mario Odyssey umschaut, wird feststellen, dass Nintendo unfassbar viel Fan-Service betrieben hat. Nahezu jedem einflussreichen Mario-Game wird in irgendeiner Form gehuldigt. Seien es nun die 8-Bit-Einlagen, Kostüme, Namen von Objekten oder gleich ganze Levelabschnitte – dieses Spiel ist eine Hommage an alte Zeiten.

Nico streamt Super Mario Odyssey:

Es gibt ein Haar in der Odyssey-Suppe!

Doch schwelgen wir nicht zu sehr in Nostalgie. Super Mario Odyssey bietet natürlich ebenso viele neue Dinge. Cappy ist dabei das Kernelement, auf dem das gesamte Spiel aufgebaut ist. Zusammen mit der zweiäugigen Kopfbedeckung lassen sich allerlei verrückte Dinge anstellen, denn Cappy ist in der Lage, sowohl Charaktere als auch Objekte zu übernehmen und daraus ergeben sich dann ganz unterschiedliche Mechaniken. Mal als T-Rex für Ordnung sorgen? Kein Problem! Als Stromklumpen durch diverse Leitungen zischen? Alles ist möglich, verschiedene Überraschungen inklusive umfangreicher Post-Game-Inhalte gibt es on top. Sind nämlich die Credits das erste Mal gelaufen, beginnt das Abenteuer eigentlich erst so richtig, denn dann kommen ziemlich knackige Jump‘n’Run-Abschnitte, die einem durchaus das eine oder andere graue Haar bescheren werden. Okay, das ist bei mir nun nicht weiter schlimm, ich hab‘ schon so einige. Lediglich die Bosskämpfe enttäuschen vom Schwierigkeitsgrad ein wenig. So kreativ wie sie gestaltet wurden, so einfach sind sie leider auch und stellen kaum eine Herausforderung dar.

Spring & Swing - Yeah

Das ist aber nur ein kleiner Kritikpunkt, in einem sonst extrem gelungenen Spiel. Wo Mario allerdings richtig aufdreht, ist der Sound. Klassische Mario-Melodien gepaart mit Jazz-Musik und neuen Arrangements sorgen für eine unvergleichliche Atmosphäre.

Meinung:
Ob Super Mario Odyssey nun das beste Spiel des Jahres oder das beste Spiel aller Zeiten ist, muss jeder selbst entscheiden. Eines steht allerdings fest. Super Mario Odyssey ist definitiv eines der besten 3D-Jump‘n’Runs der letzten zehn Jahre. Es lässt sich perfekt steuern, überzeugt mit frischen Ideen und vernachlässigt dabei nicht seine Wurzeln. Lediglich die etwas kurze Story und der streckenweise niedrige Schwierigkeitsgrad schmälern den Gesamteindruck dezent. Der Rest ist hingegen über jeden Zweifel erhaben. Mir graut es nur etwas vor der Zukunft. Nintendo hat im ersten Jahr der Switch mit Zelda und Mario zwei unglaubliche Brecher auf den Markt geworfen. Wie wollen sie dieses Niveau halten?

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