The Bus angespielt: Berlin, Berlin, wir fahren durch Berlin!

So vielversprechend The Bus wirkt, so wenig hat die Early-Access-Version des Simulators zu bieten.

The Bus

Bussimulationen erfreuen sich in Deutschland sehr großer Beliebtheit. Doch das Genre kann nicht von sich behaupten, im Durchschnitt sonderlich hochqualitative Spiele zu bieten. Einer der Entwickler, die schon lange virtuelle Busse bauen und uns durch Nachbildungen echter Städte fahren lassen, ist TML Studios aus Erfurt. Der machte uns unter anderem schon zum Fernbusfahrer oder ließ uns in City Bus Simulator München Menschen durch die bayerische Hauptstadt transportieren. Doch richtig gute Software sind diese Titel nicht, speziell auf technischer Ebene. Nun haben die Thüringer mit The Bus ihr nächstes Baby als Early-Access-Version veröffentlicht und wir haben eine Probefahrt gemacht.

Steckt noch nicht viel drin

The Bus entführt euch in die deutsche Hauptstadt: Als Busfahrer versucht ihr hier, ein eigenes Unternehmen aufzubauen und Geld zu verdienen, indem ihr die Bewohner von A nach B bringt. Das ist zumindest die Vision für das Spiel, denn von diesem Wirtschaftsaspekt ist in der aktuellen Early-Access-Fassung noch nichts zu sehen. Die kommt mit einem sehr überschaubaren Umfang daher. Es gibt lediglich eine Buslinie und zwei Varianten des Scania Citywide LF (einmal mit und einmal ohne Gelenk).

The Bus - An der Ampel

Willkommen in Berlin!

Von dem Nachbau Berlins im Maßstab 1:1 ist auch nicht so viel zu sehen. The Bus hat (zumindest derzeit) keine Open World. Ihr könnt im Wesentlichen nur auf den Straßen fahren, die auf der TXL-Linie zwischen dem Flughafen Tegel und dem Alexanderplatz liegen – was manchmal etwas problematisch sein kann, wenn ihr eine Abzweigung verpasst und dann nicht mehr gescheit wenden könnt. In so einem Fall hilft nur das Neustarten des Spiels mit der zuletzt passierten Haltestelle als Startpunkt.

Ja, The Bus ist bislang noch ein sehr rudimentäres Spiel. Na ja, eigentlich ist die Early-Access-Version nicht mal als richtiges Videospiel zu bezeichnen, da eben sämtliche spielerischen Aspekte fehlen. Nicht nur, dass der Wirtschaftsteil erst in der dritten und finalen Phase des Early Access hinzukommt, es gibt momentan noch gar keine Art von Progression. Es fehlt auch eine Form von Bewertungssystem, weshalb es zum Beispiel vollkommen egal ist, ob ihr mal bei Rot über die Ampel brettert, zu schnell fahrt oder Unfälle baut. Nichts hat Konsequenzen. The Bus ist aktuell nichts weiter als eine sehr rudimentäre Simulation der TXL-Linie, die nur die wesentlichsten Spielmechaniken bietet.

The Bus - Linieneditor

Ihr könnt die TXL-Linie in beide Richtungen fahren, entweder in ihrer Gesamtlänge oder nur in Teilabschnitten.

Lenkrad lohnt sich

Wir haben The Bus mit einem Lenkrad, dem Logitech G29, gespielt, wie sich das bei so einer Simulation gehört. Ihr könnt The Bus auch nur mit Maus und Tastatur oder dem Gamepad spielen, allerdings würden wir Ersteres nicht empfehlen (rein mit digitalen Tasten ein Fahrzeug zu steuern, ist in allem, was komplexer ist als Need for Speed, keine gute Idee) und die Unterstützung von PS4- und Xbox-Controller ist laut Entwickler-Roadmap noch nicht vollständig implementiert. Mit einem Gamepad von Microsoft haben wir aber schon mal probiert zu fahren und es klappt ganz gut, ein Lenkrad ist aber trotzdem die deutlich bessere Wahl. Jedoch hat nicht jeder so ein Gerät. Die von euch ohne teure Extraperipherie brauchen sich also keine Sorgen machen, dass sie The Bus nicht anständig spielen können. Ein perfektes Fahrgefühl ist mit einem Controller aber noch nicht drin.

Wo wir gerade schon mal beim Fahren sind: Das macht doch tatsächlich richtig viel Spaß. Die Busse fühlen sich so schwerfällig an, wie man es von solch großen, langen Vehikeln erwartet. Trotzdem lassen sich mit ihnen gut Kurven nehmen, sofern ihr denn nicht zu schnell unterwegs seid. Sehr cool: Unebenheiten wie Gullydeckel spürt ihr dank Force Feedback – und zwar stets auf der Seite, mit der ihr über sie drüberfahrt. Wenn sich also am rechten Straßenrand ein solcher Deckel befindet, spürt ihr das auch vornehmlich in der rechten Hand, sofern ihr sie am Lenker habt – und das separat für jede Achse eures Busses.

Als Busfahrer müsst ihr aber nicht nur von einer Haltestelle zur nächsten fahren. Bei einem Halt gilt es, die Türen zu öffnen und teilweise eben auch neu zusteigenden Passagieren Fahrkarten zu verkaufen. Es hat eben nicht jeder ein Monatsticket. Mit einem Klick auf die rechte Maustaste aktiviert ihr den Mauszeiger, um am Bordcomputer die gewünschte Karte des Kunden auszuwählen sowie auszudrucken. Außerdem müsst ihr kassieren und gegebenenfalls Rückgeld richtig auszahlen. So fühlt ihr euch dann wie ein richtiger Busfahrer der BVG.

Authentisch, aber nicht hübsch

Auf technischer Seite kann The Bus in seinem jetzigen Zustand nicht ganz überzeugen. Dank Unreal Engine 4 sieht es zwar nicht grundlegend veraltet aus, aber ein gutes Grundgerüst reicht halt nicht aus, um auch wirklich ein schickes Gesamtkonstrukt zu erschaffen. Die beiden Busse sind schick und kaum von ihren realen Vorbildern zu unterscheiden. Zudem ist es schon beeindruckend, mit wie viel Detailliebe TML die TXL-Strecke nachgebaut hat. Nicht nur, dass wir Straßenzüge und Gebäude wiedererkennen, es finden sich an vielen Stellen sogar echte Geschäfte. Zum Beispiel steht da, wo an der echten Bundesstraße 2 die Filiale einer bekannten Steakrestaurantkette ist (gegenüber der St. Marienkirche in der Nähe des Alexanderplatzes) auch im Spiel ein solcher Laden.

The Bus - Humboldt Forum

In The Bus ist das Humboldt Forum noch nicht fertig gebaut.

Dem gegenüber stehen mehrere große Abers, allen voran die Beleuchtung. Die wirkt alles andere als realistisch, zumindest bei strahlendem Sonnenschein. Es ist einfach alles einen Tick zu hell. Die Umgebung strahlt jedoch nicht, sondern wirkt blass und dadurch auch wenig plastisch. Etwas besser sieht es aus, wenn ihr etwa durch Regen fahrt oder nachts unterwegs seid. The Bus bietet erfreulicherweise schon jetzt einen dynamischen Tag-/Nachtwechsel und wechselndes Wetter, wobei die Einstellungen für Nebel sowie Nebel plus Niederschlag noch nicht funktionieren.

Als Busfahrer muss man sich auf Ruckler einstellen

Seinen Rohzustand merkt man The Bus auch hinsichtlich der Performance an. Die meiste Zeit über läuft das Spiel auf unserem Testrechner mit i7 7700K, 16 Gigabyte Arbeitsspeicher und einer GeForce RTX 2070 Super flüssig, aber immer wieder kommt es zu Nachladerucklern. Die sollte TML Studios schnellstmöglich beseitigen, da sie sich natürlich negativ auf den Spielfluss auswirken. Spätestens dann, wenn aus The Bus irgendwann mal ein richtiges Spiel mit einem Progressionssystem geworden ist, dürfen solche Ruckler nicht mehr auftreten. Denn dann wäre jeder Unfall ein wahres Ärgernis und solche Bildrateneinbrüche können Kollisionen mit den anderen Verkehrsteilnehmern begünstigen.

The Bus - Regenfahrt

Der Regen in The Bus ist ganz ansehnlich.

Akustisch hingegen weiß The Bus schon jetzt sehr zu gefallen. Die Busse klingen so, wie Busse klingen müssen. Beim Fahren hört ihr nicht nur den Motor, sondern auch ein Knattern, wie wir es von Busfahrten gewohnt sind. Keine Ahnung, was dieses Geräusch erzeugt, aber wir erkennen es definitiv wieder. Fahrt ihr in der Cockpitperspektive, sind zudem alle Geräusche von außen gedämpft. Öffnet ihr dann an einer Haltestelle die Türen (die ebenfalls sehr authentisch klingen), nehmt ihr die Sounds sehr klar wahr – so gehört sich das! Eigene Musik gibt es in The Bus derzeit nicht, allerdings könnt ihr wie in den vorherigen TML-Spielen das Radio aktivieren und zwischen zwei Sendern wählen. Auf dem einen läuft viel elektronische Musik, auf dem anderen alte Rockklassiker. Es handelt sich hierbei übrigens um echte Livestreams und nicht für The Bus kreierte fiktive Sender mit festen Playlists wie in den GTA-Spielen.

The Bus - Ticketverkauf

Bloß nicht zu viel Rückgeld geben!

Einschätzung

The Bus hat definitiv Potenzial, eine der besseren Bussimulationen zu werden. Das Fahren macht Spaß, der Nachbau der TXL-Strecke in Berlin ist extrem gut gelungen und die Soundkulisse lässt uns glauben, wirklich in einem Bus der BVG zu sitzen. Dem gegenüber steht die unausgegorene Technik, aber die kann sich ja im Verlauf der Early-Access-Phase noch verbessern. Generell würden wir einen Kauf der aktuellen Fassung nur denjenigen empfehlen, die das Projekt wirklich unterstützen wollen. Um derzeit mehr als ein, zwei Stunden mit The Bus Spaß zu haben, fehlt es dem Titel vor allem an Umfang, aber auch an Gameplay-Elementen. Wenn wir ganz ehrlich sind, ist die jetzige Early-Access-Version nicht mehr als eine Demo. Wer einfach auf der Suche nach einer guten Bussimulation ist, sollte mit dem Kauf noch warten und zum Beispiel lieber zum Bus Simulator 18 greifen. Aber wenn TML Studios alle Versprechen einlöst, könnte The Bus jenen Konkurrenten in der Zukunft überflügeln.

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