Franchises, wie sie sein sollten

Der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Mit ein paar kleinen Änderungen könnten angestaubte Spielereihen wie Assassin's Creed und FIFA in neuem Glanz erstrahlen.

Franchises - So sollten sie sein!

Franchises - So sollten sie sein!

"Never change a winning team", besagt die alte Binsenweisheit, mit der so mancher Fußballtrainer oder Börsenspekulant seine eigene Faulheit rechtfertigt – oder eben Publisher von AAA-Games. Hat man die Formel erst einmal raus, sollte man daran auch nichts mehr verändern, ist der Gedanke, der dahinter steckt. Klingt erst einmal logisch. Das Konzept greift aber nicht so richtig, wenn man Jahr für Jahr einen neuen Spieltitel unter derselben Flagge verkaufen möchte.

Und so ist es nicht verwunderlich, dass auch zwei der erfolgreichsten Spielereihen unserer Zeit mitunter etwas dröge wirken: FIFA und Assassin’s Creed. Aus dem einen oder anderen Grund hat es sie gar in die falsche Richtung verschlagen. Gut, seien wir ehrlich: Aus einem ganz bestimmten Grund. Innovation und Experimentierfreude kosten Mut, wenn aberwitzige Gewinne in Millionenhöhe auf dem Spiel stehen. Aber es gibt mehr als ein Beispiel dafür, dass sich ein Richtungswechsel oder sogar eine völlige Neuausrichtung sowohl qualitativ als auch kommerziell auszahlen können.

Beweisstück A ist Spec Ops: The Line. Könnt ihr euch noch an Spec Ops vor The Line erinnern? Klar, die älteren Semester unter euch haben vielleicht noch dunkle Erinnerungen an die allerersten Teile aus den späten Neunzigern, die tatsächlich noch einigermaßen etwas taugten. Aber spätestens bei den billigen Fortsetzungen, die allenfalls durchschnittliche Aufgüsse besserer Shooter wie Call of Duty oder Battlefield sind, dürfte Schluss sein.

The Line ist dagegen ein waschechter Klassiker. Denn statt stumpf die Linie der Vorgänger zu übernehmen, hat Entwickler Yager Entertainment aus den generischen Militärsimulationen ein einzigartiges Anti-Kriegsspiel mit Fokus auf einer feinfühligen Story gemacht. Eine solche Erfrischungskur würde auch ein paar anderen großen Marken auf PC und Konsole guttun. In unserem Special wollen wir uns daher unseren Träumen hingeben und zwei große Franchises zu dem machen, was sie immer hätten sein sollen. Schließlich müssen wir den Quatsch auch nicht bezahlen.

Assassin’s Creed ohne Firlefanz

Es gibt wenige Spiele-Reihen, die besser als Beispiel für eine Franchise dienen, die sich komplett verrannt hat, als Assassin’s Creed. Jährlich erscheint ein neuer Teil von Ubisofts großer Saga von Action-Adventures. Pardon, wir meinen natürlich Aufbaustrategie. Ach Quatsch, Tower Defense. Rollenspiel? Rennspiel? Dungeon Crawler? Ihr versteht, worauf wir hinauswollen. Die letzten Titel der Franchise, sei es Odyssey, Syndicate oder der letzte Hauptteil Assassin’s Creed III von 2012, sind bis obenhin vollgestopft mit Gameplay-Elementen, die nichts mit dem ursprünglichen Konzept zu tun haben.

Man erinnere sich zurück an die längst vergangene Zeit um 2007, als der Originalteil frisch in den Xboxen und Playstations dieses Landes rotierte. Ubisoft hatte im Voraus mächtig die Werbetrommel gerührt: Man sei zum Beispiel besonders stolz auf die intuitive Steuerung. Der Kopf von Protagonist Altair steuerte sich durch die obere Taste des Gamepads (Y bei der Xbox 360 und Dreieck bei der Playstation 3), der linke Arm durch die linke Taste, der rechte Arm durch die rechte Taste und die Beine durch die untere Taste. Außerdem legten die Entwickler enorm großen Wert auf Setting und Story.

Lasst euch das einmal auf der Zunge zergehen: In Assassin’s Creed spielt zur Zeit der Kreuzzüge, mitten im Konflikt zwischen Muslimen und Christen. Das ist politisch ein heißeres Eisen als ein Kettenhemd, das stundenlang in der Mittagshitze Jerusalems lag. Aber die Entwickler schaffen es nicht nur, beide Seiten gleichwertig (gleich schlecht) dastehen zu lassen. Sie erzählen auch ganz nebenbei die packende Geschichte eines jungen Mannes, der im Zuge eines ideologischen Konflikts als politischer Spielball missbraucht wird und schließlich daraus ausbricht. Ganz nebenbei wird dieser persönliche Erzählstrang in den großen Teppich der Weltgeschichte verwoben.

Schon bei Assassin’s Creed II war damit Schluss. Man kann sich darüber streiten, ob das Original seiner Zeit einfach voraus war, der Vorwurf berechtigt ist oder beides gilt. Jedenfalls bemängelten auch wir fehlende Abwechslung im Gameplay von Assassin’s Creed. Ubisoft machte jedenfalls eine 180-Grad-Wende. In den folgenden Jahren kamen immer mehr Spielelemente hinzu. Spätestens bei Assassin’s Creed Unity war die Spielkarte mit so vielen Icons zugedeckt, die Sidequests, sammelbare Gegenstände oder irgendwelche anderen Nebenbeschäftigungen anboten, dass bei jedem Aufruf ein epileptischer Anfall drohte.

Die Folge: Alles andere hatte sich unterzuordnen. Die Storys waren nach Schema F, etwa die Rachegeschichte um Ezio und irgendwie war plötzlich jeder Assassine, sodass tiefgründigere Motive wie Fanatismus und Manipulation gar nicht mehr reflektiert wurden. Assassin’s Creed Black Flag setzte dem Ganzen die Krone auf. Warum ein an sich tolles Piratenspiel auf Biegen und Brechen zur Assassinen-Franchise gehören musste? Nur Ubisoft kennt die Antwort.

Dementsprechend belanglos ist die Reihe Assassin’s Creed inzwischen geworden. Man nimmt jeden neuen Teil mit, weil er eben da ist und durch ein gigantisches Marketing-Budget ohnehin omnipräsent ist. Und die jüngsten Familienmitglieder Assassin's Creed Origins und Assassin's Creed Odyssey sind auch alles andere als schlechte Spiele. Aber wirklich einprägsam, neuartig oder gar einflussreich wie das allererste Assassin’s Creed aus dem Jahre 2007 wird die Marke erst wieder, wenn sich die Entwickler auf dessen Qualitäten zurückbesinnen. Weniger ist mehr.

Ein FIFA mit ernstzunehmendem Karrieremodus

Genau die gegenteilige Devise gilt für EA’s alljähriges Fußball-Flaggschiff FIFA. Seit Jahrzehnten gibt’s im Herbst einen neuen Teil von FIFA – zuverlässiger als die Zeitumstellung und Übergangsjacken. Böse Zungen behaupten, dass sich abgesehen von minimalen Verbesserungen bei der Grafik nicht viel ändert. Inzwischen geht der Spaß auf Kosten der virtuellen Kicker so weit, dass daraus ein Meme geworden ist.

FIFA-Spieler haben insofern ein schweres Los gezogen, dass sie an beiden Enden des Nerdtum-Spektrums abgewiesen werden. Von Zockern "richtiger" Spiele werden sie als Casuals gebrandmarkt, Sport-Bros eben. Für Nicht-Gamer sind Leute, die stundenlang kleine Männchen auf dem Bildschirm bewegen, die Sprintgeschwindigkeit kasachischer Drittligisten auswendig können und einen Controller durch den Fernseher schmeißen, wenn ihre virtuelle Mannschaft verliert, dagegen ganz klar Nerds.

Die Wahrheit befindet sich wieder einmal in der Mitte. Natürlich gibt es die Bros, die hauptsächlich dem neuesten Ultimate-Team-Spieler nachjagen oder sich einfach nur siegreich und abfällig über die Erzeugerin des eben Bezwungenen äußernd von der Couch des Kumpels erheben wollen. Aber es gibt noch einen anderen Typus FIFA-Fan: den Träumer.

Das erste, was es auf dem Bolzplatz zu klären galt, war nicht, wer den Ball hat oder wer auf welches Tor schießt. Viel wichtiger war die Frage, wer als welches Fußballidol antritt. War man Ronaldo (der echte) oder Thierry Henry? Michael Ballack oder Zinedine Zidane? Pavel Nedved oder Luis Figo? Bei FIFA konnte man diese Traumvorstellung weiterleben – dank des Karrieremodus. Im Karrieremodus lässt sich eine ganze Spielerkarriere nachspielen, vom Newcomer bis zum Superstar. Leider ist dabei bis heute fast so viel Vorstellungsvermögen nötig wie damals auf dem Bolzplatz.

Der Karrieremodus hat nämlich äußerst limitierte Features. Animationen und Cut-Scenes sind rudimentär. Wirkliche Interaktionen des eigenen Spielers (oder Trainers) mit echten Stars sind bis auf eine gemeinsame Pose neben einer gewonnenen Trophäe quasi nicht existent. Warum nicht richtige Pressekonferenzen ermöglichen, in denen Spieler sich der Presse stellen und Trainer etwas ausgetüfteltere Antworten geben können? Abgesehen davon sind Trainer heutzutage fast genauso bekannt wie mancher Starspieler. Im Karrieremodus von FIFA 19 können wir in die knallbunten, mit Stollen versehenen Schuhe von Messi und Ronaldo schlüpfen, nicht aber in die Turnschuhe von Jürgen Klopp oder in die Budapester von Pep Guardiola. Auch das Scouting von Nachwuchstalenten und die Simulation von Spielen sind bei einer Trainerkarriere völlig undurchsichtig.

Auf Kosten des Karrieremodus sind andere Features der FIFA-Franchise in den letzten Jahren richtig aufgeblüht. Ultimate Team ist quasi ein Spiel für sich und spült EA mit Mikrotransaktionen Unmengen in die Kassen. In FIFA 17 führten die Entwickler mit "The Journey" sogar eine Art Story-Modus ein, der viele Features beinhaltet, die dem Karrieremodus sehr viel besser gestanden hätten. Mit FIFA 20 ist der Karrieremodus sogar tatsächlich poliert worden, zum Beispiel mit etwas detaillierteren Pressekonferenzen und mehr Gestaltungsmöglichkeiten für das Äußere des Trainer-Avatars. Aber mehr als ein warmer Aufguss ist das nicht. Dabei wäre ein starker Karrieremodus wirklich mal ein Argument für ein neues FIFA.

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