Remedys Control – übernatürlich gut?

Die Spiele des finnischen Studios Remedy Entertainment werden immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben.

Die Verantwortlichen besitzen seit Jahren das unvergleichliche Talent, eine Geschichte auf ihre ganz eigene Art und Weise zu erzählen. Das gilt sowohl für Max Payne als auch Alan Wake und Quantum Break. Genau aus diesem Grund war ich mehr als gespannt, was Remedy auf der E3 2018 zeigen würde und ich wurde nicht enttäuscht: Control sieht mehr als interessant aus und es ist das erste Spiel des Studios mit einer weiblichen Protagonistin. Dementsprechend war ich gespannt darauf zu sehen, was auf der gamescom 2018 präsentiert wird.

Control Trailer:

Wer bin ich und was mache ich hier?

Control erzählt die Geschichte der Agentin Jesse Faden, die sich plötzlich als Chefin einer geheimnisvollen Regierungsorganisation namens Federel Bureau of Control (FBC) wiederfindet. Ob sie es wollte oder nicht, spielt keine Rolle, aber jetzt ist sie auf der Suche nach Antworten, denn diese Organisation hat es in der Vergangenheit nicht immer als wichtig erachtet, nach moralisch vertretbaren Grundsätzen zu arbeiten. Zur Aufgabe des FBC gehört nämlich unter anderem, übernatürliche Phänomene zu studieren und sie, wenn möglich, zu ihrem eigenen Zweck zu nutzen. Jetzt sind sie offensichtlich zu weit gegangen, denn eine übernatürliche Kraft, Hiss, hat Besitz vom Hauptquartier ergriffen und zahlreiche Mitarbeiter in ihren Bann gezogen. Was genau dahintersteckt, wer welche Fäden im Hintergrund zieht, da hüllt sich Remedy noch in Schweigen. Aber genau das zeichnet die Spiele dieses Teams aus. Sie sind mysteriös und wer die Geschichte in allen Zügen erleben will, muss selbst Hand anlegen.

Control - Screenshot 03

Alles wirkt mysteriös in Control.

Mehr Open-World und weniger Linear

Control ist dennoch anders als vorherige Spiele des Studios. Zum ersten Mal öffnet Remedy die Spielwelt ein wenig mehr als es in der Vergangenheit der Fall war. Das Hauptquartier des FBC, ein mächtiger Wolkenkratzer namens The Oldest House mitten in Manhatten, dient quasi als Oberweltzugang zu den einzelnen Abschnitten des Spiels. Von hier aus beginnt der Spieler seine Reise und kehrt auch immer wieder dorthin zurück. Auf diese Art und Weise ergibt sich eine Dynamik, die stark an die sogenannten Metroidvania-Spiele erinnert. Das bedeutet, dass man zahlreiche Orte erneut besucht, die aber aufgrund des Spielfortschritts nun neue Gebiete beinhalten oder weitere Informationen. Gleichzeitig verändert sich immer wieder die Architektur des Gebäudes selbst, so dass sich auch hier neue Wege ergeben.

Waffentransformation in Echtzeit:

Neu, aber mit bekannten Wurzeln

Spielerisch orientieren sich die Entwickler an den hauseigenen Vorgängern. Wer nicht richtig hinsieht, könnte Control auch für einen zweiten Teil von Quantum Break halten, nur halt mit einer anderen Hauptdarstellerin und einer neuen Farbpalette. Weit gefehlt! Ein Blick hinter die Fassade zeigt, dass Protagonistin Jesse ebenfalls übernatürliche Fähigkeiten besitzt, wovon bislang besonders Telekinese im Vordergrund steht. Jesse ist in der Lage, alles, was nicht niet- und nagelfest ist, in irgendeiner Form zu manipulieren. Sie wird von Gegnern angegriffen? Kein Problem, dort hängt eine Uhr an der Wand und die kann man effektvoll den bösen Buben in die Fresse schleudern. Gleichzeitig dürfen herumliegende Gegenstände als Schutzschild für feindliche Kugeln verwendet werden. Wer mag, schmeißt den ganzen Kram hinterher auf seine Widersacher. Dazu kommen weitere Fähigkeiten wie etwa das Schweben durch Räume oder blitzschnelle Ausweichmanöver und selbstverständlich dürfen all diese Dinge während des Abenteuers weiter ausgebaut werden.

Ein wichtiger Aspekt des Gameplays ist zudem die Waffe von Jesse, die sie nach ihren Wunschvorstellungen verändern kann. In der Demo, die auf der gamescom 2018 gezeigt wurde, konnte zwischen einer normalen Bleispritze und einem Nahkampfschießeisen, das gleich mehrere Gegner auf einmal bedient, munter gewechselt werden. Auch hier kommen im Spielverlauf noch zusätzliche Möglichkeiten hinzu.

Control - Screenshot 01

Die Entwickler haben ordentlich in den Kontrasttopf gegriffen.

Ein optischer Mindfuck

Bedingt durch diese Fertigkeiten pendelt die Spielgeschwindigkeit immer wieder zwischen hektischen Feuergefechten und stylischen Zeitlupeneinlagen; also die typischen Elemente eines Remedy-Spiels. Allerdings setzen die Finnen dieses Mal auf eine deutlich andere Präsentation. Starke Farbkontraste, eine sich immer wieder verändernde Umgebung und interessante Storytelling-Elemente fügen sich zu einem ästhetisch eigenwilligen aber stimmigen Gesamtbild zusammen. Manchmal hat man den Eindruck, dass die Entwickler große Fans des Films Inception und der Serie Akte X sind. Die Welt wirkt derart surreal und mystisch, dass man einfach mehr erfahren will.

Einschätzung:
Mit Control versucht Remedy Entertainment erstmals die gewohnten Pfade ein wenig zu verlassen und neue Wege zu gehen. Das, was ich bislang sehen durfte, macht definitiv Lust auf mehr. Was hat es mit dieser Welt auf sich? Warum ist Jesse die Direktorin der Organisation und weshalb hat sie übernatürliche Fähigkeiten? Das sind die Fragen, die mir besonders unter den Nägeln brennen. Zudem überzeugt das Spiel durch einen interessanten optischen Stil. Man merkt allerdings auch, dass sich Control noch mitten in der Entwicklung befindet. Die Animationen des Hauptcharakters wirken manchmal noch etwas unrund und hölzern, aber bis zum Release im nächsten Jahr ist noch genügend Zeit. Außerdem freue ich mich darauf zu sehen, was Remedy mit dieser semi-offenen Spielwelt anstellen wird.

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