Bastel- und Spielspaß mit dem Nintendo Labo Fahrzeug-Set

Nintendo bietet mit Nintendo Labo in der Tat eine neue Art zu spielen, doch ich muss gestehen: Bislang konnte ich mich für den Bastelkram aus Pappe nur wenig begeistern.

Bis dann am vergangenen Wochenende das Fahrzeug-Set von Nintendo Labo bei mir aufschlug. Gut, dann werde ich wohl doch unter die Hobby-Heimwerker gehen. Wie schwierig kann das schon sein, die Kollegen haben es mit dem Robo-Set und dem Multi-Set schließlich auch hinbekommen. Ein bisschen Pappe ineinander stecken und dann ab dafür! Hahaha, selten so gelacht. Ich habe dieses Projekt dezent unterschätzt. Warum? Lest einfach selbst.

Nintendo Labo - Fahrzeug-Set:

Mal etwas Neues ausprobieren

Warum soll ich hier eigentlich mit Pappe spielen, wenn ich mit der Nintendo Switch ein Hightech-Produkt besitze, mit dem ich bereits viele Stunden grandiosen Spielspaß hatte? Richtig, um dieses Erlebnis noch zu erweitern. Dann der erste Schock: Verdammt, sind das viele Bastelbögen! Mal eben in wenigen Minuten ein Lenkrad zusammenpuzzeln, geht wohl nicht. Schön, damit wusste ich, womit ich meinen freien Nachmittag verbringen würde. Bei einem sollte es allerdings nicht bleiben.

Einfacher Aufbau, aber zeitaufwendig

Was auf jeden Fall sofort auffällt, sind die absolut vorbildliche Anleitung und das damit verbundene Aufbaukonzept von Nintendo. Während man bastelt, wird besagte Anleitung als interaktive Anwendung auf der Switch dargestellt und obwohl die Falttechniken mit ein wenig Nachdenken auch ohne Hilfe machbar wären, ist es eine Wohltat immer nachschauen zu können und im Zweifelsfall das Objekt auf der Switch zu drehen, um zu sehen, ob man wirklich alles korrekt gefaltet und geknickt hat. Lediglich die Vorspulfunktion könnte etwas flotter sein, aber das ist beileibe nicht der Grund, warum die Bastelorgie so lange dauert. Erstens sind die einzelnen Komponenten überraschend komplex und zweitens habe ich etwas zu dicke Wurstfinger, um filigrane Arbeiten auszuführen. Also sitze ich auf dem Boden und fluche über meine eigene Unzulänglichkeit und habe dennoch eine Menge Spaß dabei.

Zu Wasser, zu Land und in der Luft

Mit dem Auto zu fahren, fühlt sich überraschend realistisch an.

Mit dem Auto zu fahren, fühlt sich überraschend realistisch an.

So, was kann mit dem Fahrzeug-Set nun alles zusammengeklöppelt werden? Mit den mitgelieferten Bögen lassen sich eine Joy-Con-Hülle, ein Schlüssel, ein Pedal, ein Lenkrad mit Motorraum, ein Steuerknüppel für Flugobjekte sowie das Steuerpult für ein U-Boot zusammenstecken. Abgesehen von der Joy-Con-Hülle, die als Einstieg in den pappigen Spaß dient, benötigen alle Konstruktionen durchaus etwas Fingerspitzengefühl. Am einfachsten sind noch der Universalschlüssel und das Pedal, welches im Nachhinein sowohl allein genutzt als auch mit dem Auto, dem Flugzeug und dem U-Boot kombiniert werden kann. Bis auf einen Schießgummi, der für einen Widerstand beim Treten sorgt, besteht wirklich alles aus Pappe und macht sogar einen stabilen Eindruck, wenn man nicht gerade mit einem 40-Tonner drüberfährt.

So sieht es in Aktion aus:

Falten, Knicken, Stecken

Das Projekt Lenkrad hingegen benötigt deutlich mehr Zeit und Aufmerksamkeit. Wie bereits erwähnt, ist das Bauen selbst nicht schwierig, es dauert halt. Aber wenn ich nach zwei Stunden vertieft in Pappe beginne „...erst den Nippel durch die Lasche ziehen und mit der kleinen Kurbel ganz nach oben drehen...“ zu summen, dann bedeutet das nur, dass diese Tätigkeit extrem befriedigend ist und bislang nicht schief gegangen ist. Vielleicht arbeiten meine Synapsen auch anders, wer weiß das schon? Jedenfalls war das Lenkrad mit Motorraum nach nur(!) zwei Abenden fertig. Auf die Gefahr hin mich zu wiederholen: Ich dachte, das Projekt an einem Nachmittag durchzuziehen!

Nach und nach sieht man die Fortschritte beim Bauen:

Mit ein wenig Übung funktioniert alles besser

Der Aufbau der U-Boot-Steuereinheit und des Steuerknüppels liefen deutlich geschmeidiger ab, denn erstens war nun eine gewisse Routine vorhanden und zweitens waren beide Gegenstände nicht ganz so komplex. Dafür haben sie einen ähnlich robusten Eindruck wie das Lenkrad hinterlassen. Nun sitze ich hier inmitten unterschiedlicher Pappgestelle und irgendwie erscheint mir das Wohnzimmer kleiner als zuvor. Respekt an denjenigen, der alle drei Sets daheim hat und sich immer noch frei in den eigenen vier Wänden bewegen kann. Und jetzt? Richtig, jetzt wird gespielt!

Die Steuerung des U-Boots ist zwar ungewöhnlich aber spaßig.

Die Steuerung des U-Boots ist zwar ungewöhnlich aber spaßig.

Nicht nur Minispiele

Im Gegensatz zum Multi-Set sind alle drei, ich nenne sie mal Bauwerke, in ein großes Open-World-Spiel integriert. Man kann also mit dem Auto umherfahren, mit dem U-Boot durch die Wassergebiete tauchen oder die Luft mit dem Flugzeug unsicher machen. Je nachdem, mit welchem Vehikel man gerade unterwegs ist, stellen sich einem andere Aufgaben. Diese sind zwar nicht gerade komplex, aber dank der Pappkonstruktionen extrem kurzweilig. Es hat streckenweise etwas von Magie, wenn man durch die unterschiedlichen Funktionen des Autos schaltet oder mit dem Greifhaken des U-Boots verschiedene Objekte einfängt. Einen großen Anteil an dieser Faszination haben die Joy-Cons mit HD-Rumble, denn so fühlt sich jeder Untergrund und jedes Manöver täuschend echt an. Es ist, wie gesagt, nur Pappe, aber es funktioniert und macht eine Menge Spaß. Ich komme mir nur etwas komisch vor, wenn ich als erwachsener Mann auf der Couch sitze, an einem Papplenkrad drehe und mit dem Pedal Gas gebe. Dass mir dabei sogar ein „Bruuuummm, bruuummm“ aus dem Mund plumpst, macht die Sache nicht unbedingt seriöser, aber es bereitet einfach eine Menge Freude.

Der Steuerknüppel verrichtet gute Dienste.

Der Steuerknüppel verrichtet gute Dienste.

Auch mit anderem Spiel nutzbar

Zusätzliche Minispiele wie beispielsweise eine virtuelle Carrerabahn und die Möglichkeit, mit einer Spraydosenattrappe aus Pappe, seine Werke virtuell noch zu verschönern oder sich mit einem weiteren Spieler zu messen, runden das Konzept ab. Selbstverständlich gibt es auch die Möglichkeit, sich seine eigenen Sachen auszudenken und im Labor ein wenig herumzuexperimentieren. Was mich aber abseits der Bauorgie richtig begeistert hat, ist die Unterstützung von Mario Kart 8 Deluxe. Wer das Multi-Set sowie das Rennspiel besitzt, hat bestimmt schon erste Erfahrungen gesammelt, aber mit dem Fahrzeug-Set wird diese Option auf eine neue Stufe gehoben. Obwohl Mario Kart 8 Deluxe schon länger auf dem Markt ist, erhält man mit Lenkrad und Pedal noch einmal ein ganz neues Spielgefühl, fast so, als würde man wirklich in einem Kart sitzen. Und zack waren wieder zwei Stunden um ...

Fazit:
Nintendo Labo ist mit normalen Kriterien nicht zu bewerten, dazu ist das Konzept zu einzigartig. Was ich aber festhalten kann: Das Fahrzeug-Set ist ein rundum gelungenes Paket, das sogar mit einer echten Spielwelt aufwartet. Genau da liegt für mich der Reiz, denn nur mit Minispielen wäre die Luft schnell raus. So darf ich nahtlos zwischen den Fahrzeugen in der Welt wechseln, simple Aufgaben erfüllen oder mich an der Funktionsweise der Pappsachen erfreuen. Zudem kann das Lenkrad in Kombination mit dem Pedal in Mario Kart 8 Deluxe verwendet werden. Jetzt muss Nintendo eigentlich nur noch die Unterstützung von Yoshi’s Crafted World ankündigen oder gleich ein passendes Labo-Paket anbieten. Die eigentliche Glanzleistung liegt aber meines Erachtens im Design des Ganzen. Wer sich diese frustfreie Art des Bastelns ausgedacht hat, ist ein Genie. Einfach und genial.

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