Fallout Shelter Test: Viel Frust und noch mehr Lust im Bunker

Jup! Wir sind Big Brother!

Selten hat ein Mobilegame, ein free-to-play Mobilegame noch dazu, derart viel Lob, auch von Mainstream-Gamingmedien, geerntet wie Fallout Shelter. Im Zuge der E3 in Los Angeles hatte Bethesda das Aufbauspiel zur beliebten Fallout-Spielereihe veröffentlicht, zunächst nur für iPad und iPhone. Eine Android-Version soll voraussichtlich in ein paar Monaten folgen. Innerhalb weniger Tage setzte sich Fallout Shelter an die Spitze der Gratis-App-Charts und überholte in der Rangliste der umsatzstärksten Apps zeitweise sogar Candy Crush Saga.

Doch ist dieser Hype gerechtfertigt? Wir haben uns einmal in die postapokalyptische Welt von Fallout Shelter gewagt und eine kleine Bunker-Kolonie gegründet. Zunächst eine spannende Angelegenheit, später dann – nunja, lasst euch überraschen!

Viel Witz und niedliche Vault-Bewohner

Unser unterirdischer Bunker heißt Vault und dient den Überlebenden eines nuklearen GAUs als letzte Zuflucht vor der strahlenverseuchten Welt. Gleich zu Beginn kommt eine Schar Menschlein und klopft an die Tür – unsere ersten Einwohner! Wir lassen sie erstmal alle rein und folgen im Wesentlichen den Anweisungen des Spiels. Kompliziert ist der Einstieg in Fallout Shelter nicht. Selbst Leute, die noch nie etwas von der Spiele-Serie gehört haben, kommen ohne Probleme zurecht. Grundsätzlich geht es darum, den Vault in die Tiefe auszubauen, verschiedene Wohn- und Arbeitsräume zu errichten und damit einen steten Nachschub an Ressourcen sicherzustellen. Der Vault muss autark sein, draußen im Ödland gibt es nämlich weder Energielieferanten noch Supermärkte.

Das ist ungünstig ... Toiletten sind von Vault-Tec nicht vorgesehen.

Ein kleiner taktischer "Twist" kommt dadurch ins Spiel, dass wir darauf achten müssen, die Begabungen unserer kleinen Bunker-Leute bei der Arbeitsplatzvergabe zu berücksichtigen. Es gibt in Fallout Shelter das einigen vielleicht schon bekannte SPECIAL-System, wobei jeder Buchstabe für ein Talent steht, S für Stärke, P für Wahrnehmung, E für Ausdauer und so weiter. Nun ist jedes dieser Talente einem bestimmten Raum zugeordnet, wo die Fähigkeit für besonders viel Effizienz sorgt. Figuren mit hohem S-Wert sind zum Beispiel besonders glücklich und effizient in Räumen zur Stromgewinnung. Es ist grundsätzlich nicht super dramatisch, wenn mal einer irgendwo stationiert ist, wo er nicht so gut hinpasst, aber um unsere Ressourcen-Produktion zu optimieren, sollten wir ein Auge auf die Attribute haben. Die können wir in Fallout Shelter auch trainieren, wobei es für jede Fähigkeit einen Trainingsraum gibt.

Jedem Raum sind bestimmte Attribute zugeordnet.

Auch im Vault ist das Überleben nicht gesichert

Nachdem wir die ersten Räume gebaut haben und alle Bunkerbewohner fleißig werkeln, bekommen wir schnell einen Eindruck davon, wie gefährlich das Leben in einer postnuklearen Welt eigentlich ist. Permanent sind wir in Fallout Shelter bedroht von Raider-Angriffen (das sind unhöfliche Leute aus dem Ödland), gemeingefährlichen Kakerlaken, die plötzlich in irgendeinem Raum buchstäblich aus dem Boden schießen, und verheerenden Bränden, die ebenfalls ohne Vorwarnung einfach ausbrechen können.

Gute Laune auch bei Großbränden!

Erschwerend kommt hinzu, dass nicht alle Menschlein zur Katastrophen-Abwehr geeignet sind. Kinder und schwangere Frauen rennen einfach schreiend weg, taugen also nicht zur Rettung des Vaults. Das müssen wir bei der Raumverteilung und Bestückung mit Personal einkalkulieren, sonst kann es schnell passieren, dass sich Gefahren weiter ausbreiten.

Hm, sie scheint mäßig begeistert von der Idee.

Thema Kinder und schwangere Frauen: Fortpflanzung ist in Fallout Shelter enorm wichtig, schließlich wollen wir die Menschheit retten und das ist ohne Nachwuchs nun mal schwierig. Also stecken wir Männlein und Weiblein in einen Wohnraum und gucken, was passiert. Tatsächlich passiert immer etwas, es sei denn die beiden sind direkt verwandt. Nach ein bisschen Smalltalk und ersten Liebesbekundungen verschwindet das Pärchen diskreterweise ins abgeschirmte Schlafzimmer und ein paar Sekunden später kommt die bereits hochschwangere Frau wieder herausgetrottet. Für Nachwuchs sorgen ist also kein großes Problem. Sobald die Kids nach einigen Stunden erwachsen sind, können wir sie als normale Arbeitskräfte einsetzen.

Gutes Ressourcen-Management ist das A und O

Neben den bereits genannten Gefahren droht aber weiteres Ungemach im Vault, und zwar in Gestalt von Ressourcenknappheit. Wir müssen unbedingt darauf achten, genug Wasser und Nahrung herzustellen, denn ansonsten werden unsere Bewohner krank und sterben schlimmstenfalls sogar. Auch genug Strom brauchen wir, da ansonsten die Produktion in allen Räumen zum Erliegen kommt. Es gilt also, eine gute Balance zu finden zwischen der Vergrößerung der Einwohnerzahl und dem Upgrade und Neubau von Produktionsräumen.

Unser Vault gleicht einem Bienenstock.

Das ist gerade am Anfang relativ schwierig, die meisten Spieler werden wohl in eine Versorgungskrise geraten, zumal die Folgen eines Nahrungs- oder Wassermangels unmittelbar sehr deutlich zum Tragen kommen - sobald der Versorgungsbalken in den roten Bereich rutscht. Solche Herausforderungen zu meistern und alles immer schön im Gleichgewicht zu halten, ist tatsächlich das, was den Reiz des Spiels gewissermaßen ausmacht.

Aber nur zu Beginn. Je länger wir spielen, desto einfacher wird es. Das hängt auch damit zusammen, dass wir immer mehr Kronkorken (Ingame-Währung) verdienen, je mehr Bewohner wir haben. Jedes Aufleveln der Menschen bringt uns ein paar Kronkorken ein, mit denen wir dann neue Räume kaufen oder vorhandene verbessern. Was am Anfang noch schwierig zu managen ist, wird quasi zum Selbstläufer, wenn wir einmal eine kritische Masse an Bewohnern zusammenhaben. Ab diesem Zeitpunkt geht es eigentlich nur noch um Optimierung.

Im Shop gibt's Kartensammlungen für Bares.

Und dann kommt ein zweites Problem hinzu: Die Steuerung von Fallout Shelter ist eigentlich ganz nett, aber total schwer zu kontrollieren, wenn der Vault einmal eine gewissen Größe hat. Wir ziehen unsere Bewohner per Drag-and-Drop von Raum zu Raum, wobei die Gefahr, den falschen zu erwischen ziemlich groß ist – auf dem Smartphone noch mehr als auf dem Tablet. Und wenn da einmal über 100 Leutchen herumwuseln, ist es äußerst knifflig, den Überblick zu behalten und solche Bedienungsfehler zu korrigieren. Wo ist mein kleiner Arzt nun hingeraten? Arg! Für solche Fälle gibt es zwar auch eine Übersicht aller Bewohner, aber es ist schon etwas nervig, dauernd zu überprüfen, ob noch jeder an der richtigen Stelle seinem Tagwerk nachgeht.

Pay-to-Win? Im Gegenteil!

Natürlich gibt es auch in Fallout Shelter die Möglichkeit, richtiges Geld auszugeben, nämlich für sogenannte Lunch-Boxen. Darin enthalten sind Ressourcen, Kronkorken, aber auch Ausrüstung und mitunter sogar hochtalentierte Vault-Bewohner. Es besteht eigentlich kein wirklicher Grund, dafür ins Portemonnaie zu greifen, weil wir solche Boxen hin und wieder durch Quests verdienen. Außerdem können wir Bewohner auf Erkundungstouren ins Ödland schicken, wo sie für uns Waffen und Outfits sammeln.

So ein Ausflug ins verstrahlte Umland lohnt sich durchaus.

Das ist übrigens ganz witzig gemacht: Wir können das Protokoll des Ausflugs jederzeit einsehen und die Abenteuer unseres kleinen Kundschafters nachverfolgen. Wenn seine Gesundheit arg angeschlagen ist, rufen wir ihn zurück und sammeln dann den Loot ein. Das sorgt für ein bisschen Abwechslung, immerhin.

Bierchen zum Feierabend. Gut zu wissen, dass es das auch nach einer Nuklearkatastrophe noch gibt.

 

Fallout Shelter Bewertung

 

Grafik: Fallout Shelter ist sehr ansprechend gestaltet. Alles ist in Bewegung und in jedem Raum gehen die kleinen Bewohner anderen Tätigkeiten nach.
Sound: Die Klangkulisse braucht kein Mensch. Es gibt Blingbling-Geräusche, wenn wir Ressourcen einsammeln oder einen Bewohner aufleveln, davon abgesehen noch etwas Alarm, wenn zum Beispiel ein Feuer ausbricht. Das nervt eher als dass es die Atmosphäre unterstützt, daher haben wir Fallout Shelter bevorzugt im "stummen" Modus gespielt.
Umfang: Die Vault-Tec-Richtlinien besagen, dass wir nur 200 Leute in unserem Bunker unterbringen dürfen, auch der Bauplatz nach unten ist beschränkt. Das heißt: Irgendwann ist Schluss!
Spielspaß: Der Spaß am Mobilegame ist zunächst sehr groß, da wir’s wirklich mit spannenden Herausforderungen zu tun haben. Allerdings mangelt es deutlich an Langzeitmotivation. Uns ist nicht klar, was wir außer kleinen Optimierungsmaßnahmen noch tun sollen, wenn der Vault einmal voll besetzt und ausgebaut ist. Außerdem wird das Spiel immer leichter je länger wir zocken. Da liegt was im Argen mit der Spielbalance.
Free-to-Play-Balance: Es gibt überhaupt keinen Grund, Geld auszugeben. Wir brauchen zusätzliche Lunch-Boxen schlichtweg nicht, um zu spielen oder voranzukommen. Das ist einerseits gut, andererseits erklärt es auch, warum das Spiel in den Charts der umsatzstärksten Apps nur für kurze Zeit oben mithalten konnte. Wie will Bethesda damit auf längere Sicht Geld verdienen? Vielleicht ist das Ganze doch nur als Spaß gedacht, um die Wartezeit bis Fallout 4 zu überbrücken.
Pro
Origineller Ansatz für das Aufbau-Genre
Herausfordernd zu Spielbeginn
Niedliche Grafik und viele kleine Gags
Ohne Abstriche kostenlos spielbar
Contra
Kaum Langzeitmotivation
Schwierige Steuerung, gerade auf dem Smartphone

4/5 Sterne

Fazit

Bethesda Softworks hat mit Fallout Shelter ein solides Aufbauspiel mit vielen lustigen Gags und einem interessanten Konzept vorgestellt. Es ist nicht verwunderlich, dass viele am Anfang in Lobeshymnen ausgebrochen sind: Die App verlangt uns zunächst richtig was ab und sieht dabei noch einigermaßen schnuckelig aus. Erst nach einer Weile wird klar, dass die Spielspaßkurve beständig nach unten zeigt – wenn uns nämlich aufgeht, dass irgendwann einfach alles von selber läuft und wir nur noch damit beschäftigt sind, niemanden aus Versehen in den falschen Raum zu schieben. Womöglich will das Unternehmen mit Fallout Shelter einfach mal Free-to-Play-Gewässer erforschen – oder das angekündigte Fallout 4 bewerben. Kann gut sein, dass der eine oder andere Spieler durch das Mobilegame Lust auf mehr postnukleare Action bekommt. Wir empfehlen jedenfalls allen, die gerne Aufbau und Strategie für zwischendurch mögen, mal einen Blick ins Spiel zu werfen. Allein die (manchmal unfreiwillig) komischen Dialoge zwischen den Vault-Bewohnern sind den Download wert.

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