Strife Test: Die Kleinigkeiten machen den Unterschied - Ein MOBA mit Überraschungs-Effekt

Lasset die Schlacht beginnen!

Wie viele MOBA-Spiele braucht die Welt? Die Frage stellt sich unweigerlich, wenn wir uns anschauen, wie zahlreich die Neuerscheinungen in diesem Genre im vergangenen Jahr waren. Nach dem einschlagenden Erfolg von League of Legends (LoL) und Dota 2 ergänzt so gut wie jeder Publisher, der was auf sich hält, sein Portfolio um mindestens ein Arena-Kampfspiel. So scheint es jedenfalls. Auch S2 Games hatte Ende 2013 die Closed Beta eines neuen MOBAs (Multiplayer Online Battle Arena) gestartet. Strife, so der Titel, ist nun seit gut einem Monat in der offenen Testphase, an der jeder Interessierte teilnehmen kann, auch ohne Zugangscode. Ähnlich wie Blizzards Heroes of the Storm richtet sich Strife vor allem an Neulinge des Genres, die auf der Suche sind nach leicht zugänglichen Multiplayer-Kampfspielen. Das Gegenteil also von Dota 2, das als sehr schwierig gilt. Wir haben den Test gewagt und uns in die Arena gestürzt, um herauszufinden, ob Strife dem eigenen anfängerfreundlichen Anspruch gerecht wird und damit eine sinnvolle Ergänzung des Genres darstellt.

Nachdem wir den Client kostenlos heruntergeladen und installiert haben, stürzen wir uns direkt ins Abenteuer. Das Tutorial ist ziemlich originell gestaltet, nämlich als eine Art Mini-Singleplayer-Kampagne. Wir lernen zunächst einen der verfügbaren Helden von Strife kennen: die Piratenfrau Caprice. Mit ihr erledigen wir nun den Aufforderungen diverser NPCs folgend ein paar Aufgaben auf einer übersichtlichen Map. So holen wir gestohlene Schätze von Feinden wieder und befreien andere Helden, indem wir computergesteuerte Brawlers (auf Deutsch heißen die Strife-Minions lustigerweise "Zänker") und Boss-Gegner besiegen. Die Steuerung funktioniert so, wie wir das aus vielen anderen MOBAs kennen. Mit der Maus bewegen wir Caprice über die Karte, mit den Hotkeys Q, W, E und R aktivieren wir unsere Spezialkräfte. Wir können die Singleplayer-Abenteuer auch später noch beliebig oft durchspielen. Im Grunde geht es nur darum, ein Gefühl für die Bedienung zu bekommen. Anschließend absolvieren wir ein richtiges Tutorial-Match mit KI, das uns dann auch auf die Dota-gleiche Map befördert. Es gibt drei Lanes (Bottom, Mid und Top) sowie zahlreiche Schleichwege durch den Wald, in dem neutrale und aggressive NPCs sitzen. Die können wir zwischendurch plattmachen und Extra-Gold sowie Erfahrungspunkte sammeln. Sie erscheinen nach einiger Zeit von neuem.

Schnell kommt es zum ersten Teamkampf.

Die Hauptaufgabe ist es aber wie auch in Dota 2 und League of Legends, unsere Lane zu gewinnen, also feindliche Einheiten und Türme zu zerstören. Das ultimative Ziel jedes Matches besteht in Strife darin, den (die, das?) "Crux" des Feindes kaputtzuschlagen. Das ist die Basis, in LoL Nexus genannt. Gleichzeitig müssen wir darauf achten, dass die gegnerischen Helden und Zänker nicht zu viel Druck in unsere Richtung ausüben. Wer zuerst den Crux des Feindes zerstört, gewinnt. Soweit unterscheidet sich Strife überhaupt nicht von den berühmten Genre-Hits.

Fast ist es geschafft - hier stehen wir vor der gegnerischen Basis.

Gold für alle und Match-Modi für jeden Geschmack

Es sind eher die Kleinigkeiten, die für Abwechslung sorgen und deutlich machen, dass sich das free-to-play Downloadgame eher an Einsteiger richtet. Dazu gehört beispielsweise der Umstand, dass Gold unter Teammitgliedern aufgeteilt wird. Das knifflige "Last-Hitting" wird damit etwas entschärft. Einen Last Hit zu landen heißt, den tödlichen Schlag auszuteilen. In LoL und Dota 2 bekommt nur derjenige Gold, der Minions final tötet – das erfordert sehr gutes Timing. In Strife bekommen wir auch dann Gold, wenn einer unserer heldenhaften Kollegen den tödlichen Treffer landet. Das hilft Anfängern, schneller Gold zu sammeln. Gold ist enorm wichtig, um Items im Shop kaufen zu können. Es gibt Items für verschiedene Bereiche, zum Beispiel für mehr Schaden, mehr Gesundheit, mehr Mana und bessere Beweglichkeit.

Im Shop finden wir empfohlene Gegenstände, die wir uns auch nach Rezept stückchenweise kaufen können.

Beim Shopping haben sich die Entwickler etwas sehr neckisches ausgedacht: Wir müssen nicht zurück zur Basis, sondern können überall auf dem Schlachtfeld einkaufen (am besten hierfür kurz im Gras verstecken!). Die Items lassen wir uns dann von einem niedlichen, pelzigen Kurier liefern. Damit vor allem Einsteiger nicht den Überblick verlieren, gibt uns das Spiel empfohlene Gegenstände für unseren Helden vor. Das spart am Anfang Zeit, wenngleich es natürlich jede Menge strategische Möglichkeiten für Fortgeschrittene gibt, um den Item-Build zu individualisieren und der Gruppen-Taktik anzupassen. Beispielsweise können wir unsere Helden eher tanky bauen oder lieber auf mehr Schaden gehen.

Vor jedem Match wählen wir einen Helden aus.

Wie üblich stehen sich in Strife zwei Teams zu je maximal fünf Helden zur Verfügung. Wir haben die Wahl, ob wir uns in reguläre PvP-Gefechte stürzen, also gegen andere Spieler antreten, oder ein PvE-Spiel starten, wobei ein Team echter Spieler gegen KI-Helden zu Felde zieht. Außerdem können wir Custom Matches erstellen. Dabei entscheiden wir selbst, ob wir die freien Slots mit Spielern oder NPCs ausfüllen. Das ist super für Leute, die erst einmal ein paar Runden trainieren wollen, ohne sich in PvP-Gewusel zu manövrieren, wo’s bekanntlich mitunter recht hart zur Sache geht.

Überschaubare Palette an Helden – Dafür gibt’s süße Pets!

Derzeit stehen uns ins Strife ungefähr 25 unterschiedliche Helden zur Wahl. Es gibt Nah- und Fernkämpfer, Tanks und Supporter, also alles, was man für eine ausgefeilte Team-Strategie braucht. Vermutlich werden in den kommenden Wochen und Monaten weitere Charaktere hinzukommen. Die Spezialfähigkeiten verbessern wir wie gehabt im Laufe des Matches. Mit jedem Levelaufstieg unseres Helden können wir einen Skillpunkt verteilen, wobei wir ab Stufe 6 den Ulti freischalten. Das mit dem Fähigkeiten-Verbessern ist etwas umständlich gelöst. Wir müssen dafür auf eine Schaltfläche rechts klicken und dann auswählen, welchen Skill wir verbessern wollen. Das ist mit einem einfachen Klick aufs "Plus"-Symbol über der jeweiligen Fähigkeit in der Menüleiste, wie in LoL beispielsweise, simpler und zeitsparender gestaltet.

Trotz Aufregung und Getümmel auf dem Schlachtfeld dürfen wir nicht vergessen, unsere Skills aufzuleveln.

Dafür hat Strife was ganz Tolles: Pets! Wir dürfen vor jedem Match nicht nur einen Helden, sondern auch einen niedlichen Begleiter auswählen, der uns dann auf Schritt und Tritt folgt. Jedes Pet versorgt uns mit einem Bonus, beispielsweise auf Mana, Gesundheit oder Stärke, den wir aktivieren können, wenn Not am Mann ist. Der Cooldown ist dabei relativ lang. Das ist im Grunde nichts anderes als die Zauber (Spells) in League of Legends, aber mit einem kleinen Zauberwesen an unserer Seite fühlen wir uns doch gleich viel weniger einsam in der gefährlichen Arena.

Fairplay wird in Strife großgeschrieben

Ein guter Ansatz, um "Rage-Quits" einzudämmen, ist ein Bestrafungssystem in Strife, das Spieler, die eine Partie vorzeitig verlassen, sperrt. Der Bann wird immer länger, je öfter jemand wiederholt sein Team im Stich lässt. Das kann natürlich zur Folge haben, dass Spieler ungerechtfertigt bestraft werden, weil sie aus technischen Gründen rausgeflogen sind. Ganz bugfrei ist Strife im Moment noch nicht. Außerdem scheinen "Protest-AfKler" (Away from Keyboard) davon nicht erfasst zu sein. Immerhin zeigt die Idee, dass die Entwickler bemüht sind, bekannte Probleme aus anderen MOBAs gerade im Umgang mit Mitspielern, zu bekämpfen.

Gemeinsam stark - Einzelkämpfer kommen in Strife nicht weit.

Auf die Größe kommt's in Strife nicht an!

Strife Bewertung

Grafik: Die Charaktere sind detailreich gestaltet, ebenso wie die Umgebung, wobei wir die Grafik-Auflösung runterfahren können, um unserem PC Stress zu ersparen und ein geschmeidigeres Gameplay zu erlauben. Die Darstellung der Helden hat etwas Zeichentrickartiges, was wohl Geschmackssache ist. Immerhin sind wir dichter am Geschehen dran als in LoL und Dota 2 und erkennen daher mehr Details.
Sound: Gerade für Anfänger empfiehlt es sich, den Sound anzulassen, weil wir durch Alarm-Geräusche gewarnt werden, wenn uns beispielsweise ein Turm bombardiert oder strategische Punkte in Gefahr sind. Ansonsten wiederholen die Charaktere permanent ihre zugewiesenen Sätze, was auf Dauer nicht so prickelnd ist.
Umfang: Was die Match-Modi angeht, lässt Strife keine Wünsche offen. Wir können zwischen PvP, PvE und Custom Matches wählen. Die Helden-Auswahl ist im Moment noch recht überschaubar, aber da werden die Entwickler wohl bald nachlegen. Ab Level 4 können wir Items selbst craften, was eine zusätzliche Individualisierung ermöglicht.
Free-2-Play-Balance: Strife ist ohne Geldeinsatz problemlos spielbar. Momentan deutet alles darauf hin, dass sich das Spiel am Vanity-Premium-Modell der berühmten Vorbilder orientiert, sprich: Wir können beispielsweise Skins für unsere Helden kaufen.
Spielspaß: Strife ist ein gut durchdachtes MOBA mit einigen durchaus interessanten, neuen Ideen. Das Rad wird nicht neu erfunden, aber gerade Spieler, denen Dota 2 zu schwierig und die LoL-Community zu giftig ist, könnten hier durchaus auf ihre Kosten kommen.
Pro
Sehr gelungener Einstieg mittels Singleplayer-Abenteuer
Pets und ein pelziger Kurier, der Shopping auf dem Schlachtfeld ermöglicht
Gute Ansätze, um unfaires Spielen zu unterbinden
Contra
Mitunter noch instabil und verbuggt
Etwas biederer Grafik-Stil ist sicher nicht jedermanns Sache

/5 Sterne

Fazit

Die Entwickler von Strife sind sichtlich bemüht, etwas mehr als einen Klon anzubieten. Das MOBA punktet mit einer wirklich originellen Art, Einsteiger in die Spielmechanik einzuführen. Auch gibt es hier und da Kleinigkeiten zu entdecken, die wir aus LoL und Dota 2 nicht kennen, was auch für eingefleischte Genre-Kenner attraktiv ist. Ob sich Strife auf dem umkämpften Markt behaupten kann, wird wesentlich davon abhängen, ob sich eine kritische Masse an Spielern findet, damit das Matchmaking gut funktioniert und Spieler nicht aus Frust schnell wieder das Weite suchen. Auch sollten die Macher weitere Helden hinzufügen, um mit der großen Auswahl anderer Titel im Ansatz mithalten zu können. Es müssen ja nicht hunderte Helden sein, aber ein paar mehr als jetzt wären schon gut, damit es größere Wahlmöglichkeiten für die verschiedenen Positionen im Team gibt. Auch an der Stabilität des Spiels sollten die Entwickler noch werkeln, aber dafür steckt Strife ja auch noch in der Beta. Wer sich für einen Ausflug in die Arena entscheidet, sollte sicherstellen, ausreichend Arbeitsspeicher auf dem Rechner zu haben, denn ansonsten drohen Lags und Abstürze.

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