MARVEL’S SPIDER-MAN – Popcorn-Blockbuster in Spielform

Autor: Björn Rohwer

Eleganter sind wir noch nie durch New York geschwungen. Aber erwartet uns mit Marvel’s Spider-Man mehr als eine akrobatische New-York-Führung?

Anlauf nehmen, einen Faden in die Luft schießen und über den Straßen schwingen – die ersten Sekunden von Marvel’s Spider-Man geben uns genau das Erlebnis, was wir uns schon seit dem allerersten Videospiel mit der Spinne wünschen. Endlich können wir wirklich frei durch New York schwingen und im fliegenden Wechsel zwischen Akrobatik in der Luft und Parkour-Elementen an Fassaden wechseln. Im Grunde wären wir an dieser Stelle schon zufrieden. Lasst uns einfach noch ein paar Stunden frei schwingen und holt uns dann aus dem Bälleparadies ab. Okay? Nein? Dann warten wir noch bis zum Release mit dem Seele-baumeln-lassen und schwingen direkt zum Tatort.

Marvel's Spider-Man Trailer:

Fledermaus im Spinnenkostüm?

Kingpin steht kurz vor der Verhaftung und, wie so oft im Marvel-Universum, reicht die Polizei nicht aus, um den Schurken dingfest zu machen. Wir müssen also einspringen und uns mit Spider-Man Stück für Stück durch die Schergen prügeln. Klingt mühsam? Spielt sich viel eher butterweich. Dank des Free-Flow-Kampfsystems flitzt Spider-Man von Gegner zu Gegner und metzelt in einem Mix aus Batman- und Assassin’s-Creed-Kampftechnik. Das sieht dann fast so schön einstudiert aus, wie in all den hochglanzpolierten Superhelden-Filmen.

Zum Glück kein Button-Mashing-Massaker

Gerade als die Kämpfe drohten zu schön und zu einfach zu werden, sterben wir dann plötzlich doch – tatsächlich in der ersten großen Kampfsequenz. Schon auf dem mittleren Schwierigkeitsgrad können wir nicht einfach blindlings die Gegner verprügeln, sondern müssen Ausweichmanöver mit unserem Spinnensinn und andere taktische Variationen nutzen. Sehr erfrischend, dass uns, anders als es manche Trailer vermuten ließen, kein Button-Mashing-Massaker erwartet. Die interaktive Umgebung ist dabei gar nicht so hilfreich wie zuvor angekündigt – eigentlich reicht unser eigenes Netz. Steht ein Gegner direkt vor einer Wand, können wir ihn mit mehreren gezielten Schüssen einspinnen und festnageln. Gerade mit etwas Ruhe die stärkste Attacke der frühen Spielstunden.

Spider-Man braucht Peter Parker

So prügeln wir uns Stück für Stück durch die Gamescom-Demo – immer mit eleganten Moves und neuen Spinnen-Tricks. Wie schön die Kämpfe gestaltet sind, können wir so selbst am Controller erleben – von den anderen Elementen müssen wir uns dagegen erzählen lassen. Im kompletten Spiel sollen wir nicht einfach nur im Spinnenkostüm von Bösewicht zu Bösewicht gejagt werden. „Wer eine glaubhafte Spider-Man-Geschichte erzählen will, muss auch eine glaubhafte Peter-Parker-Geschichte erzählen“, sagte Art Directorin Jacinda Chew im Interview zur Aufteilung.

Endlich ein wirklicher Spider-MAN

In Marvel’s Spider-Man soll Peter Parkers Geschichte ebenso Platz finden, wie die seiner Ex-Freundin MJ. EX-Freundin? Ja, mit dem PlayStation-Abenteuer tauchen wir einige Jahre später in Peter Parkers Leben ein und da hat sich einiges verändert. Peter Parker ist mittlerweile ein Mitt-Zwanziger, der einen typischen, leicht verwahrlosten College-Lifestyle pflegt. Sein Arbeit als Superheld hat er immer weiter perfektioniert und auch im echten Leben hat er sich beruflich weiterentwickelt. Wir wissen allerdings bisher nur, dass er unter die Wissenschaftler gegangen ist. Für wen er arbeitet? Unbekannt.

So gut seine Karriere sich entwickelt, umso mehr stagniert Peter Parkers Liebesleben. Er und MJ haben sich getrennt. Während er seinen Job beim Daily Bugle aufgegeben hat, schnüffelt sie mittlerweile als Reporterin für die Zeitung durch New York. Im weiteren Spielverlauf sollen wir ihre Spürnase in einigen Missionen auch selbst nutzen können.

Marvel's Spider-Man Story-Trailer:

Sprücheklopfer-Spinne

Aber zurück in den Fisk-Tower und zu Kingpin. Was sich trotz der zusätzlichen Lebenserfahrung nicht geändert hat, ist Spider-Mans loses Mundwerk. Den meisten Gegnern gibt unser Held noch blöde Sprüche mit auf den Weg – in so einer Taktung, dass wir fürs finale Spiel auf eine große Spruch-Variation hoffen. Sonst könnten wir schnell das Bedürfnis bekommen, Spideys eigenen Mund mit Spinnweben zu verkleben.

In Kingpins Büro angekommen zeigt sich nun auch die angekündigte interaktive Umgebung. Elegant zerlegen wir mit unseren Netzen die Abwehrmechanismen und schleudern sie dem Oberbösewicht entgegen. Es wird für die Entwickler eine der größten Herausforderungen gewesen sein, Spider-Man mit all seinen Manövern so flüssig und natürlich darzustellen. Alleine die Netzphysik zu beobachten macht so bereits Spaß. Nachdem wir mit einem guten Mix aus fliegenden Tischen, Nahkampf und Spinnweben Kingpin erledigt haben, müssen wir New York auch schon wieder verlassen.

Ersteindruck:
Marvel’s Spider-Man scheint genau das Videospielpendant zu all den erfolgreichen Marvel-Cinematic-Universe-Filmen zu sein. Das Spiel erfindet das Genre nicht neu, lockt aber als auf Hochglanz polierter Blockbuster genau auf dem Mittelweg zwischen Action und Humor. Es fühlt sich absolut beeindruckend an, durch die Straßen zu schwingen oder die ganzen Spinnenattacken zu nutzen. Aber wie lange hält diese Faszination? Wie „eigen“ fühlt sich Marvel’s Spider-Man am Ende an? Wer Popcorn-Action im Marvel-Universum sucht und die Wartezeit bis zum zweiten Infinity-War-Teil überbrücken möchte, kommt an dem Spiel definitiv nicht vorbei. Ob es für alle anderen am Ende mehr ist als ein Mash-Up aus Assassin’s Creed und Batman wird mit einer extra Portion Spinnweben, wird sich mit Release zeigen.

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