Just Cause 4: Abgedrehtes Open-World-Spektakel angezockt

Über zu wenig Blockbuster kann man sich in diesem Jahr wahrlich nicht beschweren.

God of War, Red Dead Redemption 2 oder Forza Horizon 4 begeistern Millionen von Spielern, und dabei ist 2018 noch nicht einmal vorüber. Es warten noch so einige andere potenzielle Kracher. Einer davon ist Just Cause 4. Wer die Reihe kennt, der weißt, was einen im Open-World-Actiongame erwartet. Na ja zumindest fast, denn die Macher haben offensichtlich einige bewusstseinserweiternde Pillen zu viel genascht und dementsprechend eine Menge kurioser Dinge in den vierten Teil der Actionreihe eingebaut.

Just Cause 4 Story-Trailer:

Vaterprobleme, Militärische Organisationen und mehr

Bleiben wir für einen Augenblick seriös. Just Cause 4 erzählt natürlich eine Geschichte, denn irgendwie muss man die ganzen abgefahrenen Ideen in ein Korsett stecken, um zumindest einen Funken Glaubwürdigkeit zu suggerieren. Nachdem sich Rico Rodriguez von der Agency getrennt hat, verschlägt es ihn in das fiktive südamerikanische Land Solis, in dem die Organisation Schwarze Hand eisern regiert. Doch das ist noch nicht alles. Er will endlich wissen, was aus seinem Vater geworden ist und irgendwie scheint es, als habe dieser mit der Schwarzen Hand zusammengearbeitet. Aber ist das wirklich so? Zudem gibt es in dem Land ein paar extrem ungewöhnliche Wetterphänomene. Um all diese Geheimnisse zu lüften, muss er das Land aus der Umklammerung der Organisation lösen – und so gründet er zusammen mit ein paar Einheimischen die Armee des Chaos. Besser könnten wir auch nicht beschreiben, was sich kurz nach dem Spielstart abspielt.

Hmm, waren wir das etwa mit der Explosion?

Hmm, waren wir das etwa mit der Explosion?

Chaos stiften? Wo sind die Granaten?

Unsere Vorschaureise in Just Cause 4 beginnt kurz nach dem Start des Spiels. Die gesamten Deppen-Tutorials haben wir direkt übersprungen. Wer braucht das schon? In Just Cause 4 geht es doch darum, sich selbst auszuprobieren und zu entdecken, was möglich ist und was im totalen Chaos endet. Doch selbst ohne an die Hand genommen zu werden, erschließen sich einem die einzelnen Gameplay-Mechaniken recht schnell. Anfangs ist nämlich die Fülle an Möglichkeiten noch nicht sonderlich groß. Wir werden stattdessen ziemlich behutsam an die verschiedenen Optionen herangeführt. Nachdem wir als Rico Rodriguez in Solis angekommen sind, werden wir gleich mal ausgeknockt. Mit dem zweiten Erwachen beginnt das Spiel erst so richtig. Eine der Missionen besteht darin, in einem Industriegelände ein wenig Unruhe zu stiften. Ha! Das können wir!

Richtig knallen muss es, sonst macht das keinen Spaß.

Richtig knallen muss es, sonst macht das keinen Spaß.

Gegner kreativ entsorgen

Wir haben uns also ein paar Waffen geschnappt und sind direkt mit dem serientypischen Wingsuit herübergesegelt. Doch anstatt sofort einige Schalter umzulegen und heranstürmende Gegner mit Blei vollzupumpen, haben wir uns auf ein Kernelement des Spiels konzentriert: den Enterhaken. Diesen haben die Entwickler im Vergleich zum letzten Teil noch einmal ordentlich aufgemotzt. Wir sind hier schließlich nicht bei The Legend of Zelda, sondern in Just Cause! Sich an irgendwelchen Wänden hochzuziehen und damit höhergelegene Ebenen zu erreichen, ist natürlich möglich, aber damit ist das Ende der Fahnenstange längst nicht erreicht. Auf unserer Flucht aus dem Industriekomplex haben wir, wie könnt es anders sein, ein paar Schergen der Schwarzen Hand am Arsch zu kleben.

Wie werden wir die nun los? Ein bisschen Rumballern geht immer, ist aber nicht sonderlich spektakulär. Also haben wir schnell mit dem Enterhaken das Motorrad am Asphalt fixiert. Was jetzt wenig aufregend klingt, möge man sich einmal genau vorstellen. Was passiert wohl, wenn ein Fahrzeug, in diesem Fall ein Motorrad, bei vollem Tempo abrupt zum Stillstand gebracht wird? Richtig, der Fahrer fräst mit seiner Sabberrinne eine formvollendete Schneise in den Boden. Auf ähnliche Art und Weise haben wir uns dann den restlichen Gegnern entledigt.

Just Cause 4 Gameplay-Trailer:

Funktioniert das? Ja, das klappt schon, irgendwie!

Aber das war noch gar nichts! Die Entwickler von Just Cause 4 haben dem Enterhaken eine geradezu lächerliche große Anzahl an Funktionen spendiert, die sich untereinander alle miteinander kombinieren lassen. Laut Aussage der Entwickler sind mehr als vier Millionen Kombinationen möglich. Wie sehr die sich dann unterscheiden, steht auf einem ganz anderen Blatt. Aber von vorn. Der Enterhaken besitzt drei Grundfunktionen. Wir können Dinge heranziehen, sie mit einem Booster versehen oder mittels eines Ballons steigen lassen. Zusätzlich kann für jede Funktion eine andere Auslösemechanik gewählt (sofort oder auf Befehl) sowie zahlreiche Modifikationen hinzugefügt werden und noch mehr. Beispielsweise kann am Ende eines Boosts eine Explosion folgen, man bestimmt die Einzugsgeschwindigkeit des Hakens neu oder lässt Dinge nicht nur emporsteigen, sondern schweben, so dass sie Rico stets verfolgen. Und und und!

Daraus ergibt sich für das Gameplay eine Vielzahl an Möglichkeiten. Man kann durchaus zwei Fahrzeuge miteinander verbinden, die sich dann gegenseitig anziehen, um sie mit einer krachenden Explosion auseinanderzufetzen. Gerade bei hektischen Gefechten mit vielen Gegnern stiftet das nicht nur eine Menge Verwirrung, es sieht auch spektakulär aus. Stellt sich eigentlich nur noch die Frage: Warum macht man sowas? Weil es möglich ist! Da könnte man sich auch fragen: Warum leckt sich ein Hund die Klöten? Weil er es kann! Und das hier ist Just Cause! Das Spiel lädt abseits der Geschichte dazu ein, genau diese Dinge auszuprobieren. Booster an einem Karussell montieren? Aber hallo! Das Teil dreht sich eh zu langsam und die Fahrgäste bekommen eine kostenlose Flugeinlage on top! Das Riesenrad könnte ein bisschen mehr Pepp vertragen? Zack, ein Düsenjet an der richtigen Stelle per Enterhaken befestigt und ab geht die wilde Fahrt. Zudem lassen sich drei verschiedene Kombinationen via Schnellauswahl festlegen, so dass man immer zwischen seinen favorisierten Einstellungen wechseln kann.

Was macht dieses Tier hier eigentlich?!

Was macht dieses Tier hier eigentlich?!

Solis. 15 Uhr. Die Frisur hält!

Ein weiteres Kernelement des Spiels sind die verschiedenen Wetterphänomene, die nicht natürlichen Ursprungs zu sein scheinen. Je nachdem, wo ihr euch in Solis befindet, werdet ihr entweder mit einem Tornado, einem Sandsturm, einem vor Blitzen zuckenden Gewitter oder einem Blizzard konfrontiert. Alle diese Wetterkapriolen sind nicht einfach nur schön anzusehen. Sie verhalten sich in ihrer Umgebung physikalisch korrekt und haben Einfluss auf euer Handeln. Während der Sandsturm die Sicht extrem beeinträchtigt, reißt euch der Tornado Autos, Gegner und mehr unter dem Hintern weg. Außerdem solltet ihr euch vor Blitzen in Acht nehmen, sonst endet ihr als menschliches Spanferkel extra kross. Wer denkt, dass jetzt der Ideenreichtum der Entwickler an seine Grenzen stößt, macht sich die Hose auch mit einer Kneifzange zu. Es gibt eine Reihe spezieller Waffen, die genau auf diesen Wetterphänomenen aufbauen. Dabei hat uns die Windkanone mit am besten gefallen. Mit einem einfachen Schuss fliegen Gegner meterweit durch die Luft und belästigen Rico vorerst nicht mehr. Außerdem ist die akustische Untermalung herrlich stumpf. Ein Schuss, ein „fffummppp“ und der Bösewicht wird katapultartig durch die Luft geschleudert.

Just Cause 4 Tornado-Trailer:

Jaja, der Rest ist auch vorhanden

Selbstverständlich sind die sonstigen Elemente eines klassischen Open-World-Games ebenfalls vorhanden. Ihr könnt mit diversen Fahrzeugen umherfahren, Boote nutzen, Flugzeuge kapern, verstecke Herausforderungen meistern und euch mittels Luftunterstützung verschiedene Dinge liefern lassen, sofern ihr diese freigeschaltet habt. Es gibt sogar noch eine Art Metagame, in dem man versuchen muss, mit der Armee des Chaos die gesamte Insel zu befreien. Dazu werden Truppen an verschiedene Stellen des Landes geschickt, um die Schwarze Hand in ihre Schranken zu weisen. Aber im Vergleich zum sonstigen Gameplay wirkt das schon fast bieder und konservativ.

Dagegen hat sich Entwickler Avalanche Studios bei den Quests eine Menge Mühe gegeben, diese sowohl inhaltlich als auch von der Tonalität an das abgedrehte Gameplay anzupassen. In einer Nebenquest mussten wir zum Beispiel einer Regisseurin helfen, eine Actionszene für ihren Film zu drehen. Da stellten sich uns gleich mehrere Fragen. Warum wird ein Spielfilm mitten in einem Kriegsgebiet gedreht? Warum gibt es keine Special-Effects-Spezialisten am Set und wie ist Rico eigentlich hierhin geraten? Zu allem Überfluss ist die Regisseurin auch noch eine ziemliche Zicke und lässt ihre Laune an jedem aus. Garniert wird diese Situation mit staubtrockenem Humor, der sich ebenfalls durch das gesamte Spiel zieht.

Einschätzung:

Just Cause 4 ist der auf Hochglanz polierte Action-B-Movie unter den Open-World-Spielen. Avalanche Studios lassen keinen Stein auf dem anderen und wenn doch, fetzen wir noch einmal drüber. Wer ein ernstes Spiel mit einer packenden Handlung sucht, ist definitiv falsch. Just Cause 4 ist vollgestopft mit Slapstick, übertriebener Action und einer 08/15-Handlung, aber genau das macht den Titel aus. Es geht um Spaß und darum, wie dieser zustande kommt –das haben die Entwickler großartig geschafft. Die Möglichkeiten des Enterhakens sind einfach nur atemberaubend. Wir haben uns beim Anspielen immer wieder dabei ertappt, die Handlung gar nicht beachtet zu haben. Stattdessen haben wir nur Blödsinn veranstaltet, um möglichst viel Chaos zu veranstalten. Hauptsache es sieht spektakulär aus und es rummst gewaltig. Apropos, wo ist eigentlich die Windkanone fürs Büro, wenn man sie mal braucht? Egal, wir freuen uns jedenfalls auf Anfang Dezember, wenn Just Cause 4 in den Handel kommt.

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