Dreams ist eine riesige Wundertüte mit großem Potenzial

„Hier, das kannst du einfach groß ziehen und dann drehen. Wenn du jetzt noch eine Animation einfügst, sieht es aus wie Regen. Dreht man hier ein bisschen, wird daraus ein Meteoritenhagel. Such dir einfach aus, was dir besser gefällt, hinterher machen wir noch eigene Geräusche und dann klatschen wir das in ein Level.“

Keine Ahnung, was hier gerade passiert? Macht nichts, so habe ich mich auch gefühlt und es beschreibt ziemlich treffend meine erste Begegnung mit dem Spiel Dreams. Wobei „Spiel“ nicht einmal ansatzweise treffend ist für dieses außergewöhnliche Stück Software von Media Molecule.

Dreams Trailer 2017:

Schmeißt die grauen Zellen an!

Wer zu den kreativen Zeigenossen gehört und gerne Dinge ausprobiert, hat mit Sicherheit schon Erfahrungen mit Minecraft, Little Big Planet und Co gemacht. Welche Dinge in diesen Spielen möglich sind, ist unglaublich. Meine Wenigkeit verfügt nicht einmal über die Vorstellungskraft, sich Sachen wie einen Taschenrechner auszudenken oder Westeros nachzubauen. Ich scheitere bereits an vergleichsweise simplen Dingen wie einer Map für Counter-Strike: Global Offensive. Gibt es also eine bessere Voraussetzung, um Dreams auszuprobieren und das Erlebte in ein paar Textzeilen zu quetschen? Wohl kaum!

Was ist Dreams?

Wir machen unsere eigene Musik

Die Demonstration von Dreams auf der EGX Berlin war in zwei Bereiche unterteilt. Einmal stand der Abenteuermodus im Fokus und einmal der Kreativteil und mit diesem begann die wilde Reise – oder sollte man es besser Odyssee nennen? Man wird nämlich förmlich erschlagen von der Fülle an Möglichkeiten, die Dreams bietet. Obwohl das Design des Produkts extrem verspielt daherkommt, steckt unter der Haube eine Zusammenstellung mächtiger Tools, mit denen alles und nichts möglich ist. Im Prinzip steht einem nur die eigene Fantasie im Weg. Ein kleines Beispiel wird das besser verdeutlichen. Bevor ich mich gemeinsam mit der Community Managerin daran gemacht habe, ein eigenes kleines Level zu erstellen, haben wir uns im Soundeditor verloren.

Es ist möglich eigene Töne aufzunehmen, diese in jeder nur erdenklichen Form zu verändern, eigene Sprachfetzen einzuspielen und das wiederum entweder mit eigener Musik oder vorgefertigten Melodien zu untermalen. Wo, wie und wann dieses akustische Werk dann auftaucht, ist ebenfalls dem Nutzer überlassen. Wir haben in diesem Fall damit eine schwebende Plattform „verschönert“. Jedes Mal, wenn jemand die Plattform betreten hat, ertönte also die Mischung aus schlechter Elektro-Club-Musik inklusive meines eingesprochenen Satzes. Fertig war unsere Interpretation des Klangbilds eines mittelmäßigen Berliner Clubs. Das haben wir dann in eine weltraumartige Umgebung eingefügt, das Ganze mit einem Meteoritenschauer garniert und zwei Monde in den Hintergrund gepackt; selbstverständlich alles selbst in Eigenregie angefertigt. Für Dinge wie Zwischensequenzen, Spielmechaniken und mehr hatten wir leider keine Zeit, denn der Abenteuermodus wartete und einige weitere Fallbeispiele. Unter anderem konnten wir einen Blick auf einen R-Type-Klon und ein trauriges Umarmungs-Spiel werfen.

So entsteht ein Level:

Es gibt auch einen Singleplayer-Modus

Gerade bei einem Spiel wie Dreams ist es wichtig, dem Spieler eine Inspriation zu geben und zu zeigen, was möglich ist. Das Besondere am Abenteuermodus ist, dass er mit genau den gleichen Mitteln erstellt wurde, die auch dem Nutzer zur Verfügung stehen. Wie uns Entwickler Tom Dent mitteilte, wurde erst der Editor entworfen, danach kam das kleine Singleplayer-Abenteuer ran. Doch manchmal muss man sich schon fragen: "Das ist möglich?! Wie?" Wenn man nämlich mit dem kleinen knuffigen Kerl (eine Mischung aus Wall-E und E.V.E.) durch die abstrakte aber liebevolle Welt hüpft, rennt und streckenweise fordernde Passagen wandelt, kann man fast nicht glauben, dass alles mit den zur Verfügung stehenden Tools entstanden ist. Außerdem gibt es für Fantasy-Freunde eine weitere Welt, falls einem die Sci-Fi-Umgebung nicht zusagt. Aber damit nicht genug. Media Molecule will es wirklich wissen und bietet zudem einen lokalen 4-Spielermodus, „PlayStation VR“-Unterstützung, einen Onlinemultiplayer, die Steuerung via PlayStation Move, PS4-Pro-Support und die Möglichkeit, alles online zu teilen. Wow!

Wir haben den kleinen Kerl einfach ins Herz geschlossen.

Wir haben den kleinen Kerl einfach ins Herz geschlossen.

Einschätzung:
Dreams ist eine große Wundertüte mit nahezu unendlichen Möglichkeiten. Media Molecule hat mit diesem Produkt ein mächtiges Werkzeug in der Mache, das eine Menge Potenzial verspricht. Es muss nur von der Spielern genutzt werden. Während manche Games bereits nach drei bis vier Stunden beendet sind, kann man allein in den einzelnen Editoren Stunden verbringen, ohne ein Level oder ein Spiel erstellt zu haben und genau das macht es so schwierig, die Erfahrung in wenigen Zeilen zu beschreiben. Dreams gehört in die Kategorie: Man muss es selbst erleben, um es zu verstehen. Zudem scheint Dreams das perfekte Spiel für YouTuber und Streamer zu sein, die die Entstehung ihrer Kreationen auf Videoplattformen teilen möchten oder direkt mit der Community gemeinsam etwas erstellen wollen. Eines sollte man jedoch nicht tun: Dreams unterschätzen. Das Ding ist in den richtigen Händen groß, richtig groß!

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