Games und die unterschiedlichen Stadien des Seins

Manche Spiele-Serien sind tot, wissen es aber noch nicht. Andere wurden bereits – mehr oder weniger erfolgreich – reanimiert und dann gibt’s noch die Toten, die auf ihre Wiederauferstehung warten.

Kennt Ihr diesen Moment, wenn Männer spitze Schreie vom Stapel lassen, so als wären sie kleine Mädchen? 2014 gaben sich viele gestandene Mannsbilder dieser weibischen Kreischerei hin, als EA die Wiedergeburt von Dungeon Keeper ankündigte. Für Millionen von Hobby-Folterknechten mit Strategie-Fimmel war das eine Nachricht, die mit der Auferstehung Christi gleichzusetzen ist.

Als das Mobile Game veröffentlicht wurde, verwandelte sich die unbändige Vorfreude in blankes Entsetzen.

Das Reboot von Dungeon Keeper markiert tatsächlich einen besonderen Moment. Spieleentwickler und Publisher schwafeln in Interviews nämlich dauernd von der Magie des Gamings, dem Streben nach Qualität und dem Wunsch, uns Gamer bestmöglich zu unterhalten. Doch hin und wieder lassen sie ihre Maske fallen und konfrontieren uns mit der hässlichen Realität. Tatsächlich geht es nur ums Geld und EA ist besonders schmerzfrei, wenn es darum geht, so viel wie möglich aus den Kunden zu pressen. Um schamlos abzukassieren, hat man eine Kultmarke wie Dungeon Keeper ins enge Korsett einer Abzock-App gesteckt. Das Mobile Game ist quasi unspielbar, wenn man nicht ständig Geld per Microtransactions hineinpumpt.

Damit wären wir auch schon bei einer weiteren Serie, die von Electronic Arts finanzieller Gier gekillt wurde: Dead Space 3. Ich frage mich immer noch wie das damals gelaufen ist …

EA-Anzugträger 1: „Wir sollten nicht nur Handy-Spieler mit Microtransactions melken. Was ist mit Konsoleros und PC-Gamern?“

EA-Anzugträger 2: „Aber die zahlen ja bereits 50 - 60 EUR für unser Spiel. Handy-Games sind aber meistens kostenlos.“

EA-Anzugträger 1: „Eben! Wenn jemand so doof ist, 60 EUR für ein Spiel zu bezahlen, dann ist da garantiert noch mehr zu holen.“

EA-Anzugträger 2: „Verdammt, du hast recht! Wir haben doch diese Upgrade-Stationen in diesem SciFi-Titel Dead Space 3 – evtl könnte man ja Upgrades für echtes Geld anbieten?!!!“

EA-Anzugträger 1: „Genial! Wir müssen den Spieler ständig darauf hinweisen, dass sein Leben einfacher wäre, wenn er immer wieder Kohle auspackt.“

EA-Anzugträger 2: „Wir sollten den Bogen aber nicht überspannen, sonst geht der Schuss am Ende noch nach hinten los.“

EA-Anzugträger 1: „Quatsch, diese Idioten sind so dämlich, die nehmen wir aus wie Weihnachtsgänse. Diese dummen Schweine verdienen es nicht besser! Das wird das Businessmodell der Zukunft!“

EA-Anzugträger 2: „Hey, wie wäre es, wenn wir zukünftig in Need for Speed besonders coole Autos für echtes Geld vermieten? Es gibt ja genug Deppen, die sich im Real Life einen Edelsportwagen fürs Wochenende leisten. Warum also nicht auch im Spiel?“

EA-Anzugträger 1: „Noch besser: Wir führen kostenpflichtiges Benzin ein! Wenn der Tank deines virtuellen Autos leer ist, musst Du Benzin kaufen. Wenn wir einen echten Mineralölkonzern als Sponsoren gewinnen, kassieren wir doppelt ab!“

Glücklicherweise sind die Spieler nicht ganz so blöd wie von EA angenommen. Dead Space 3, Dungeon Keeper und SimCity wurden mit diversen Shitstorms bestraft und aktuell scheint sich das Unternehmen halbwegs anständig zu benehmen.

Tod und Wiedergeburt!

Hmm, irgendwie bin ich total abgedriftet. Eigentlich wollte ich ja eher über Serien sprechen, die eine neue Chance verdienen. Zum Beispiel warte ich seit Jahren auf Headlines wie „From Software bringt Tenchu zurück!“, „Square Enix plant Bushido-Blade-Reboot!“ und „GoldenEye HD kommt für Switch“. Das Dumme ist nur, dass die meisten Neuauflagen die Klasse des Originals nicht erreichen. Alone in the Dark (2008) war ein Witz. Im selben Jahr wurde Turok reanimiert und zum Glück wieder begraben. Der Neustart von SimCity entpuppte sich 2013 als totale Katastrophe. Das Problem ist, dass selbst ein gutes Remake kein Garant für Erfolg ist. 2009 hat Capcom Bionic Commando reanimiert. Das Spiel war erstaunlich anspruchsvoll und unterhaltsam, aber trotzdem floppte es gnadenlos.

Dann wären da noch jene Spiele-Serien, die mir mittlerweile echt auf den Sack gehen und trotzdem noch leben. Allen voran: Assassin’s Creed. Die Meuchelmörder waren mittlerweile in allen Epochen und Ländern unterwegs, aber statt das Rezept zu verfeinern, klatscht Ubisoft einfach immer mehr Soße drauf. Am Grundprinzip habe ich nichts auszusetzen. Ich könnte den ganzen Tag lang Türme erklimmen, neue Missionen aufdecken und Zielpersonen meucheln. Ich habe aber keinen Bock auf halbgare RTS- oder WiSim-Einlagen und ich will auch nicht, dass an allen Ecken und Enden irgendwelche Icons blinken. Es ist fast so als wolle Ubisoft mit billigen Tricks von der eigenen Ideenlosigkeit ablenken. Altair, Ezio und ihre Kumpels sollten einfach mal ein paar Jahre chillen, bis den Machern was Ordentliches einfällt.

Call of Duty könnten sie auch mal auf Eis legen. Ich kann es einfach nicht mehr sehen. Komischerweise verkauft sich das Ganze immer noch wie geschnitten Brot. Meine Freunde können CoD nicht mehr sehen, aber irgendwer scheint die Grütze ja noch zu kaufen. Aber wer? Wer ist so dumm? Ok, ich habe ein Geständnis zu machen: Irgendwie ist Call of Duty: WWII auf meiner Pre-Order-Liste gelandet. Genau genommen habe ich die Digital Deluxe Edition vorbestellt. Schließlich soll es den zweiten Weltkrieg auf noch nie dagewesene Art und Weise präsentieren. Klingt für mich absolut glaubwürdig!

Über den Autor:

Kleinkariertes, die @SchweinOfLove Kolumne

Kleinkariertes, die @SchweinOfLove Kolumne

Ahmet Iscitürk schreibt seit 1998 über Spiele und vieles mehr. Seine Texte sind schlecht und er schämt sich dafür.

Nicht verpassen!

Goodgame Empire Gamedetail
(309)
Warface
(52)
Forge of Empires Fall
(201)
S.K.I.L.L. - Special Force 2
(31)
Vikings: War of Clans
(44)