Anno Online Test: Ein würdiger Vertreter der Anno-Reihe, trotz kleiner Macken

Anno Online

Eine große Überraschung war es ja nicht, als Ubisoft Blue Byte im Sommer vergangenen Jahres Anno Online ankündigte. Immerhin schlug der Browserspiel-Ableger zur Siedler-Reihe, Die Siedler Online, zuvor schon ein wie eine Bombe. Heute wollen wir einmal einen kritischen Blick auf die free-to-play Online-Version der beliebten Anno-Spieleserie werfen. Gelingt es Anno Online, seinen PC-Vorfahren alle Ehre zu machen oder ist die Enttäuschung bei Kennern der Reihe groß? Worin bestehen Gemeinsamkeiten, was sind die Unterschiede? Wir verraten es euch und fangen gleich einmal mit der Besiedlung unserer ersten Insel an. Gleich zu Beginn wird deutlich, dass sich das Browsergame Anno Online doch in vielerlei Hinsicht von den PC-Spielen unterscheidet. Dadurch, dass sich tausende Spieler eine Welt teilen und das Spiel auf dem Free-to-Play-Bezahlmodell basiert, sind für die Entwickler natürlich ganze andere Balancing-Aspekte zu berücksichtigen. So können wir am Anfang weder Schwierigkeitsgrad noch NPC-Stärke noch Naturkatastrophen-Wahrscheinlichkeit noch Ressourcen-Erstattung bei Abriss-Maßnahmen festlegen. Die Voraussetzungen sind für alle gleich. Wir landen auf unserer kleinen Insel, von der im Moment noch nicht allzu viel zu sehen ist. Wolken bedecken weite Flächen, die wir im weiteren Spielverlauf erst einmal erkunden (sprich: freischalten) müssen.

Die Steuerung im Browsergame funktioniert nach bekanntem Muster: Mit der linken Maustaste klicken wir Sachen an und wählen sie so aus. Mit der rechten Maustaste können wir die Karte verschieben und das Mausrad dient zum Rein- und Rauszoomen. Alles wunderbar, bis auf eine Sache: Wir haben in Anno Online anders als bei den PC-Spielen nicht die Möglichkeit, die Perspektive zu wechseln, also uns die Insel von allen möglichen Seiten anzugucken. Das ist nervig, weil wir teilweise wirklich schlecht erkennen können, was hinter den Gebäuden ist. Haben wir den Weg weit genug gezogen oder fehlt noch ein Stück? Schwer zu sagen, mitunter.

Effiziente Gebäudeanordnung und gute Infrastruktur sind das A und O

Also gut, frisch ans Werk. Der Aufbau beginnt ähnlich wie wir das von anderen Anno-Titeln kennen. Wir verfügen über ein Kontor, worin ein paar Rohstoffe lagern, mit denen wir unsere ersten Gebäude errichten. Übers Bau-Menü gelangen wir zu einer Übersicht über diejenigen Bauten, die uns bereits zur Verfügung stehen. Groß ist die Auswahl zunächst nicht. Wir bauen einen Marktplatz und drum herum ein paar Bauernhäuser. Wohnhäuser, das wissen wir als eingefleischte Anno-Fans, sind besonders wichtig für die Kasse, denn jedes wirft regelmäßig Münzen ab. Produktionsgebäude hingegen kosten Unterhalt. Das Ziel sollte es sein, die Bilanz immer im grünen Bereich zu halten.

Nach und nach bauen wir unsere kleine Siedlung immer weiter aus. Je mehr Wohnhäuser wir haben, desto mehr Geld nehmen wir ein!

Übrigens, ganz wichtig und bekannt aus früheren Vertretern der Anno-Reihe: Straßenverbindungen sind das A und O! Produktionsgebäude müssen mit Markthallen verbunden sein, damit die Karren die Waren abholen können. Wohnhäuser brauchen eine direkte Anbindung an den Marktplatz und andere öffentliche Gebäude. Welche genau benötigt werden, hängt auch in Anno Online von der Zusammensetzung unserer Bevölkerung ab. Wirklich viel falsch machen können wir am Anfang eigentlich nicht. Damit auch Nicht-Anno-kundige leicht ins Spiel finden, wird unser Weg begleitet von allerhand Quests. Baue dieses, errichte jenes, sammle dies und das. Im Grunde bestehen die gestellten Aufgaben in Tätigkeiten, die wir ohnehin erledigen müssten, aber nun bekommen wir außerdem Belohnungen dafür. Die nehmen wir doch gerne mit.

Das Auftragsbuch ist immer prall gefüllt mit Quests.

Die reguläre Spielwährung in Anno Online sind Münzen. Die nehmen wir durch Steuerabgaben der Bürger ein, aber auch durch Handel und erfolgreich gemeisterte Quests. Mit Münzen können wir Sachen im Shop kaufen, Gebäude upgraden oder auch neue Gebiete auf unserer Insel erkunden und die verfügbare Fläche damit vergrößern. Als zweite wichtige Währung finden wir im Spiel rote Rubine. Sehr geschickt versorgt uns Ubisoft Blue Byte permanent mit Nachschub an Rubinen – zum Beispiel als Belohnung oder indem wir ungeschliffene Rubine "finden" und schleifen lassen. Anders als in vielen anderen kostenlosen Onlinegames gewöhnen wir uns daran, auch mal Rubine auszugeben. Wir haben schließlich genug und müssen nicht direkt ins echte Portemonnaie greifen. Später ist somit die Hemmschwelle, vielleicht doch mal ein paar der Edelsteine zu kaufen, dadurch bedeutend geringer als in Spielen, in denen wir nie mit der Premiumwährung zu tun haben, weil die Betreiber so geizig damit umgehen.

Vom Bauernvolk zum Adel – Sozialer Aufstieg im gewohnten Anno-Stil

Die wichtigsten Rohstoffe sind Holz und Stein. Gleich zu Beginn errichten wir mehrere Holzfällerhütten, denn wie wir schnell feststellen, verbraucht sich Holz unglaublich schnell. Mag daran liegen, dass jedes olle Bauernhaus 10 Einheiten davon kostet und ein Upgrade zum Handwerker-Haus gleich 60. Wir kommen am Anfang nicht drum herum, ein paar Stapel Holz für Rubine zu kaufen. Zum Glück haben wir davon genug. Einen Steinbruch errichten wir ebenfalls, an der Stelle herrscht allerdings weniger Not. Mit jedem Level, das wir aufsteigen, schalten wir neue Gebäude und Gegenstände frei, so dass sich unsere einst so winzige Siedlung alsbald in eine ordentliche Stadt verwandelt. Das dauert natürlich. Dreh- und Angelpunkt sind unsere Einwohner. Ein höheres Level reicht nicht aus, wir müssen auch zusehen, dass wir die Bewohnerzahl immer weiter steigern.

Wir schalten weitere Gebäude und Möglichkeiten frei, wenn wir im Level aufsteigen und die Einwohnerzahl erhöhen.

Das bringt mehr Münzen ein und erlaubt uns ebenfalls Zugriff auf neue Gebäude. Jede Bevölkerungsgruppe, auch das kennen wir aus früheren Anno-Titeln, stellt andere Ansprüche. Während sich die Bauern noch mit einem Marktplatz, einer Kapelle und einem Zimmermann in der Nähe zufrieden geben, wollen Handwerker auch noch in der Taverne bespaßt werden. Nur wenn wir alle Anforderungen der Bewohner erfüllen, können sie aufsteigen. Das heißt, wir müssen für ausreichend Nahrung, Getränke und Gemeinschaftsgebäude sorgen. Dass ein Haus bereit zum Aufstieg ist, erkennen wir in Anno Online an einem Pfeil, der dann darüber aufblinkt. Das Upgrade nehmen wir manuell vor und bezahlen dafür noch ordentlich Münzen und Baustoffe. Wie viele Bauern, Handwerker, Kaufleute und Adelige wir auf unserer Insel beherbergen, können wir jederzeit über einen Klick auf die Anzeige oben links einsehen.

Kapitän an Bord! Neue Inseln erobern ohne Stress mit den Nachbarn

Ein entscheidender Punkt ist in Anno Online erreicht, wenn wir endlich Schiffe bauen können. Unser Reich ist nämlich nicht auf eine Insel beschränkt, stattdessen suchen wir uns weitere Kolonien, wobei wir darauf achten sollten, Inseln mit verschiedenen Fruchtbarkeiten zu besetzen. Das kennen wir so aus anderen Anno-Spielen, genau wie die wichtigen Handelsrouten, die wir sogleich anlegen, um Waren von Insel A nach Insel B zu transportieren.

Mit unseren Schiffen erobern wir weitere Inseln mit neuen Fruchtbarkeiten.

Als fortgeschrittene Spieler können wir auch ein bisschen Handel treiben und unsere Güter auf dem Markt feilbieten. Ansonsten halten sich die interaktiven Möglichkeiten im Browsergame in Grenzen. Inzwischen gibt es zwar ein Gildenfeature, das es uns erlaubt, uns in Gruppen zu organisieren und über die Gildenhalle weitere interaktive Features freizuschalten. Was uns fehlt, sind aber eher die kriegerischen Auseinandersetzungen. Es gibt keine militärischen Aspekte und Schlachten auf hoher See. Wir können lediglich Freunde hinzufügen und ab und an auf ihrer Insel besuchen oder mit ihnen im Chat kommunizieren. Das war’s schon an Multiplayer-Optionen.

Merkwürdige Belohnungen wie von einem anderen Stern

Zu tun haben wir trotzdem genug, denn die eingangs bereits angesprochenen Quests hören niemals auf! Ein steter Nachschub an Aufgaben sorgt nicht nur dafür, dass uns die Ziele nicht ausgehen, sondern beschert uns auch Belohnungen und die stecken wir doch gerne ein. Apropos Belohnungen: Davon gibt’s tatsächlich eine ganze Menge. Es mutet an, als wollten die Entwickler zum Ausdruck bringen, wie froh sie darüber sind, dass überhaupt jemand spielt. Tatsächlich geht es wohl eher darum, sicherzustellen, dass wir das Spiel immer wieder besuchen und möglichst lange dabeibleiben. Zum einen locken Login-Boni, die jeden Tag wertvoller werden, sofern wir uns wirklich täglich anmelden.

Falls die Waren ausgehen, kaufen wir sie im Shop nach - gegen Münzen oder Rubine.

Außerdem gibt es in Anno Online einen sehr sonderbaren Aktivitätsbonus. Was wir im ersten Moment für einen Bug gehalten haben, entpuppte sich als Belohnung: Überall auf unserer Insel tauchen in regelmäßigen Abständen blaue … Haufen (?) auf. Klicken wir darauf, gibt’s Erfahrungspunkte und Rohstoffe. Einem geschenkten Gaul guckt man bekanntlich nicht ins Maul, aber mal ehrlich: Die Dinger sehen aus, als wäre in der Nähe ein Asteroid mit außerirdischen Mineralien runtergekommen und hätte Splitter davon auf unserer Insel verteilt. Das passt optisch so gar nicht ins beschauliche, mittelalterliche Setting von Anno Online. Davon abgesehen finden im Spiel hin und wieder besondere Events statt, in denen es zusätzliche Aufgaben zu erfüllen gibt. Das sorgt für Abwechslung und – genau – noch mehr Belohnungen.

Pro
Leichter Einstieg auch für Nicht-Anno-Kenner
Viele aus der Anno-Reihe bekannte Features
Niedliche, detaillierte Grafik
Faires Free-to-Play-Modell
Langzeitmotivation gegeben
Contra
Kein Krieg!
Generell wenig Interaktionsmöglichkeiten
Keine drehbare Ansicht

4/5 Sterne

Fazit

Anno Online muss sich vor seinen berühmten Vorgängern nicht verstecken. Es weist natürlich gewisse Unterschiede auf, die einfach dadurch bedingt sind, dass das Bezahlmodell ein anderes ist und wir mit vielen Spielern auf einem Server unterwegs sind. Einige bisherige Minuspunkte, wie zum Beispiel der Mangel an interaktiven und militärischen Möglichkeiten, könnten vorübergehender Natur sein, schließlich wird an dem Spiel weiter entwickelt. Neue Features ergänzen die Welt von Anno Online regelmäßig, hinzu kommen besondere Ingame-Events, die für zusätzliche Abwechslung sorgen. Sowohl eingefleischte Annoholiker kommen auf ihre Kosten als auch Neulinge, denen die zahlreichen Quests einen stolperfallenfreien Weg ins Browsergame ebnen.

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