Forge of Empires Test: Lange und komplexe Reise durch die Menschheitsgeschichte

Forge of Empires

Aufbau-Strategiespiele gibt es im Internet wie Sand am Meer – mehr oder weniger gute natürlich, die Qualitätspalette ist breit. Forge of Empires fällt auch in dieses Genre, allerdings tut sich das Spiel des Hamburger Entwicklers und Publishers InnoGames durch ein besonderes Merkmal hervor: Wir reisen durch die Zeitalter! Das klingt doch mal nach einem Abenteuer nach unserem Geschmack, also stürzen wir uns gerne für euch ins Strategie-Getümmel und testen das kostenlose Browsergame auf Herz und Nieren. Im April 2012 war Forge of Empires in die Open Beta gestartet, der offizielle Release folgte erst ein Jahr später, kurz nachdem das Spiel mit dem Deutschen Computerspielpreis ausgezeichnet worden war. Inzwischen verzeichnet Forge of Empires registrierte Nutzer im zweistelligen Millionenbereich - das kann sich sehen lassen. Um die Spieler bei der Stange zu halten, versorgen uns die Entwickler regelmäßig mit Content-Updates und immer neuen Zeitaltern. Erst kürzlich haben sie die Ära der Neuzeit eingeläutet. Also dann, beginnen wir mal mit dem Aufbau unseres Imperiums.

Erste Schritte in der Bronzezeit – Klassische Aufbau-Strategie mit gelungenem Einstieg

Wir starten Forge of Empires in der Steinzeit, erreichen aber gleich nach den ersten Bauten die Bronzezeit. Entsprechend bescheiden sehen unsere Mittel aus. Tatsächlich befindet sich, wenn wir das Browsergame zum ersten Mal betreten, nur ein Rathaus auf einer Wiese, von dem ein paar Wege abgehen. An diesen Wegen errichten wir nun – wie es uns die Tutorial-Quests befehlen – einige erste Gebäude. Dazu gehören ein paar schlichte Hütten, die durch Abgaben der darin lebenden Untertanen unsere Kasse aufbessern, und einige Produktionsstätten wie die Jagdhütte und eine Töpferei. In grafischer Hinsicht erinnert Forge of Empires ein bisschen an Die Siedler Online – etwas grobschlächtiger vielleicht und Gewusel gibt’s auch keins. Aber auf eine eher realistische denn kunterbunte Darstellung legen die Gamedesigner offensichtlich wert. Die Musik ist dezent, hinzu kommen ein paar Geräusche beim Errichten von Gebäuden. Einen dramatischen Unterton bekommt der Sound, wenn es zum Krieg kommt. Alles in allem nett gemacht, stört zumindest nicht, also lassen wir den Ton an, zoomen mit dem Mausrad ein paarmal rein und raus und verschaffen uns einen Überblick.

Wir fangen ganz bescheiden mit einer kleinen Siedlung in der frühen Menschheitsgeschichte an.

Und … werden angegriffen. Bitte was? Nach wenigen Minuten Spielzeit bekommen wir einen Kampfbericht, demzufolge uns jemand attackiert und auch noch gewonnen hat. Klar, wir haben natürlich noch keine Verteidigungsanlagen. Ein Schaden scheint uns nicht wirklich entstanden zu sein, aber trotzdem: Schon mal was von Anfängerschutz gehört, liebe Entwickler? Nun, vielleicht ist das auch nur Teil des Tutorials, das uns darauf hinweisen soll, wie gefährlich die Welt von Forge of Empires ist … vielleicht.

Rundenbasierte Kämpfe auf einem Hexagon-Schlachtfeld – Schön ist anders

Gut, kein Problem, wir kümmern uns jetzt um unsere Armee. In der Speerkämpferkaserne rekrutieren wir ein paar bespeerte Mannen und schauen uns anschließend mal die Karte an. Es gilt, eine Provinz zu erobern, wobei – aha! – wir gar nicht unbedingt aggressiv vorgehen müssen. Wir können offenbar auch mit dem jeweiligen Herrscher verhandeln und so unseren Machtbereich vergrößern. Aber das Kampfsystem von Forge of Empires wollen wir uns natürlich ansehen, also spionieren wir den Gegner aus und greifen mit unseren Speerkämpfern an. Das Gefecht findet auf einem aus Hexagonfeldern bestehenden Schlachtfeld statt und läuft rundenbasiert ab. Entsprechend hält sich die Action in Grenzen – und ein grafisches Feuerwerk ist das auch nicht gerade.

Mann gegen Mann, Zug um Zug. Kämpfe funktionieren rundenbasiert und ziehen sich ganz schön hin.

Langwierig nähern wir uns den gegnerischen Einheiten und warten darauf, dass unser Kontrahent endlich in Reichweite kommt. Ein paar Speerstöße und … Sieg! Okay, schön, dass ein Gefecht zumindest nicht nur aus einem tabellarischen Kampfbericht besteht, aber so richtig fügt sich das Ganze nicht ins restliche Spiel, vor allem nicht optisch. Immerhin sieht der Rest des Strategie-Browsergames durchaus schnieke aus.

Und wenn wir nicht gestorben sind, dann produzieren wir noch heute

Nach so viel – naja – Aufregung schauen wir wieder auf unsere Siedlung, um zu gucken, wie weit hier die Vorratsanhäufung fortgeschritten ist. Oh Mann. Das dauert aber. Allmählich geht uns auf, dass wir vermutlich noch einige Zeit im Bronzezeitalter verbringen werden. Welche Zeitalter liegen noch vor uns?

Puh … leben wir überhaupt lange genug, um es noch bis in die Neuzeit zu schaffen? Ausdauer und ein langer Atem scheinen zwei wesentliche Charakteristika zu sein, die ein ambitionierter Forge of Empires Spieler mitbringen sollte. Wichtig im Zusammenhang mit dem Fortschritt ist die Forschung. Im Civilization-Stil arbeiten wir uns von links nach rechts durch die einzelnen Forschungszweige des jeweiligen Zeitalters, wobei wir für die Erforschung neuer Dinge sogenannte Forge-Punkte brauchen.

Allmählich ackern wir uns durch die vielen Forschungszweige. Dabei ist uns überlassen, wie wir die Forge-Punkte einsetzen.

Die regenerieren sich im Laufe der Zeit, allerdings auch recht langsam, damit bloß keiner auf die Idee kommt, allzu rasant in den Forschungsbetrieb einzusteigen. Wir haben die Wahl: Entweder wir erforschen wirklich alles, das dauert entsprechend lange, oder wir vergeben nur wenige Forge Punkte je Forschungszweig und lassen die eine oder andere Abteilung ganz wegfallen.

Die Macht der Diamanten vs. Hilfe durch Freunde

Forge of Empires

Für die Ungeduldigen, die sich nicht Monate damit aufhalten wollen, durch die virtuellen Zeitalter der Menschheitsgeschichte zu reisen, gibt es Diamanten. Das ist die Premiumwährung in Forge of Empires, die wir für echtes Geld nachkaufen können. Mit Diamanten kann man den Fortschritt extrem beschleunigen, wenn man denn bereit ist, ordentlich zu blechen. Tatsächlich erscheinen uns die Vorteile, die zahlende Spieler genießen ziemlich gravierend. Vielleicht hätte InnoGames etwas mehr Balance ins Spiel bringen sollen: Nicht ganz so drastische Premium-Effekte und etwas schnellerer Fortschritt auch für Gratis-Spieler. Der Langzeitmotivation hätte das sicher gut getan. Das Zusammenspiel mit anderen Strategen ist ein Kernelement des Browsergames. Wir finden benachbarte Spieler nicht über die Map, sondern über eine Leiste am unteren Bildschirmrand, wo uns anfangs offenbar beliebige Spieler mit ähnlichem Niveau zugeteilt werden. Wir haben in Forge of Empires die Möglichkeit, die Siedlungen und Städte anderer zu besuchen und ihnen helfen, indem wir ihre Arbeiter motivieren und ihre Deko-Gegenstände "polieren", also vorübergehend ihren Wert verbessern.

Im Gegenzug stauben wir ein paar Goldmünzen ab, die reguläre Spielwährung, die wir für alles Mögliche brauchen. Natürlich herrscht aber nicht immer nur Friede, Freude, Eierkuchen. Nein, wir können andere Leute auch angreifen – oder eben angegriffen werden. Selbst wenn wir uns also gegen militärische Maßnahmen entscheiden und ganz auf Diplomatie setzen, sollten wir zumindest ein paar militärische Gebäude und Einheiten herstellen, um uns gegen Attacken zu verteidigen.

Auf der Karte sehen wir den Kontinent und die einzelnen Provinzen, die es zu erobern gilt.

Wie wichtig das Zusammenspiel in Forge of Empires wirklich ist, wird aber besonders bei der Errichtung "legendärer Bauwerke" deutlich. Dabei handelt es sich um ganz besondere Bauten, die unglaublich aufwändig herzustellen sind, also wahnsinnig viele Vorräte verschlingen. Derzeit gibt es folgende legendäre Bauwerke:

BronzezeitStatue des Zeus
Turm zu Babel
EisenzeitLeuchtturm von Alexandria
Kolosseum
Frühes MittelalterHagia Sophia
Aachener Dom
HochmittelalterNotre Dame
Markusdom
SpätmittelalterCastel de Monte
Basiliuskathedrale
KolonialzeitDeal Castle
Frauenkirche
JahrhundertwendeAlcatraz

Um ein legendäres Bauwerk zu errichten, brauchen wir die Blaupausen dafür, die wir beispielsweise bei Plünderungen finden oder als Belohnung für die Unterstützung anderer Spieler bekommen. Wir arbeiten im Verbund mit Freunden an den mächtigen Bauten, die uns nach Fertigstellung nützliche Boni bescheren.

Pro
Guter Einstieg in ein komplexes Spiel
Schöne Grafik (vom Kampf einmal abgesehen)
Sehr vielschichtig und komplex
Viele Multiplayer-Funktionen
Contra
Darstellung und Ablauf von Gefechten eher lahm
Sehr langwierig, Fortschritte dauern gefühlte Ewigkeiten
Diamanten verschaffen zu viele Vorteile

4/5 Sterne

Fazit

Forge of Empires gehört zweifellos zu den ambitioniertesten Vertretern des Genres, die derzeit auf dem Markt zu finden sind. Das Browsergame ist unglaublich komplex, auf alle Features und Spielaspekte können wir in diesem Test gar nicht eingehen. Besonders positiv fallen uns die zahlreichen Mehrspieler-Optionen auf, die uns eine intensive Interaktion mit anderen Spielern ermöglichen, übrigens auch durch die inzwischen eingeführte Gildenfunktion. Der gelungene Einstieg sorgt dafür, dass sich selbst Spieler, die noch nicht so viel Erfahrung mit dem Genre haben, schnell gut zurechtfinden. Abzug gibt’s für zwei Punkte: Das Kampfsystem wirkt ein bisschen lieblos, gerade im Vergleich zum Rest des Spiels. Langwieriges, rundenbasiertes Kriegsgetümmel lässt nicht wirklich Spannung aufkommen und das Schlachtfeld tut auch ein bisschen in den Augen weh. Außerdem übertreibt es InnoGames ein wenig mit der Zeit, die wir absitzen müssen, bevor sich Fortschritte ergeben. Klar, so eine Ära der Menschheitsgeschichte sollte nun auch nicht in zehn Minuten abgefrühstückt sein, aber gerade die Vorratsproduktion zieht sich von Anfang an so dermaßen hin, dass vielen Spielern gleich die Lust vergehen dürfte. Wer durchhält und Ausdauer beweist, wird aber belohnt: mit interessanten Zeitaltern, mächtigen Bauwerken und immer neuen Errungenschaften.

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