Aion Test: Fantasy-Abenteuer in luftigen Höhen - und mit ganz viel PvE-Geschnetzeltem

Aion

Der Traum vom Fliegen ist so alt wie die Menschheit, doch während Ikarus seinerzeit an den etwas zu heißen Sonnenstrahlen scheiterte, bekommt ihr es in Aion mit ganz anderen Gefahren in schwindeliger Höhe zu tun. Das Fantasy-MMORPG von NCsoft erschien erstmals 2009 in Europa, Asien und Nordamerika, wird in hiesigen Gefilden aber seit Anfang 2012 von Gameforge betrieben. Mit dem Publisher-Wechsel ging auch die Umstellung auf ein Free-to-Play-Modell einher, vormals gab es das Downloadgame nämlich nur gegen Bares. Veteranen, die vor der Umstellung schon registriert waren, haben nach wie vor Zugang zu mehr Features als Gratis-Spieler, um das Online-Rollenspiel aber in vollem Umfang nutzen zu können, bedarf es eines Gold-Accounts. In unserem Aion Test schauen wir uns einmal an, wie viel Spaß wir in der Free-to-Play-Version haben, was der mit Update 4.5 eingeführte Äthertech so alles drauf hat und wie es sich nun eigentlich anfühlt … das Fliegen.

Unendliche Individualisierungsoptionen für Asmodier und Elyos

In der Fantasy-Welt Atreia herrscht ein Krieg zwischen drei bis aufs Blut verfeindete Fraktionen. Gegenüber stehen sich die sonnenverwöhnten Elyos, engelsgleiche Geschöpfe von großer Anmut und großer Arroganz, und die Asmodier, tapfere Kreaturen der Finsternis, die nach ihrem aufgezwungenen Schattendasein nicht mehr allzu viel übrig haben für die Elyos – und alle anderen Fremden. Die Balaur sind eine NPC-Fraktion, die können wir also nicht selbst spielen. Sie sind Spinnefeind mit den beiden anderen Rassen, haben aber eine wichtige Funktion, was die Spielbalance angeht: Sie sorgen für ausgeglichene Machtverhältnisse und greifen gelegentlich ein, um Dominanzen zu korrigieren. Wir entscheiden uns spontan für die Asmodier, weil wir hochnäsige Fabelwesen generell doof finden, und gehen weiter zur Klassenauswahl. Hier geht es nun zunächst um die Entscheidung über eine Primärklasse, die wir später noch weiter spezialisieren können.

In der Charaktervorschau bekommen wir schon einen Überblick über die Fähigkeiten unserer Spielfigur.

Wir legen fest, ob wir als Krieger, Priester, Magier, Künstler, Späher oder Ingenieur starten wollen und welches Geschlecht unsere Spielfigur haben soll. Wir nehmen einen weiblichen Ingenieur, denn in dieser Klasse steht uns später der Weg zum Äthertech offen. Weiter geht’s zur Charakter-Erstellung … um Himmels Willen, das kann sich nun ein paar Jahre hinziehen. Tatsächlich bietet uns Aion unendlich viele Möglichkeiten, unsere Spielfigur genau nach unserem Geschmack zu gestalten. Wir können als Zwerg oder Riese ins Spiel starten – die Laufgeschwindigkeit wird dann übrigens angepasst, damit keine Vor- oder Nachteile entstehen – und jedes einzelne Körpermerkmal genau definieren. Außerdem erlaubt uns die Charaktervorschau einen Ausblick auf künftige Fähigkeiten, sowohl die der Spielfigur als auch die des Mechs, falls wir uns für eine Laufbahn als Äthertech entscheiden. Anschließend passen wir Gesicht, Körper, Schmuck und Haare unserem Geschmack an, wobei aufgrund der äußerst detaillierten Modifikationsoptionen sichergestellt ist, dass wir in Atreia garantiert keinem Doppelgänger begegnen.

Die Optionen zur Individualisierung sind recht vielfältig.

Monstermetzelei und erste NPC-Begegnungen

Im Anschluss an die Charaktererstellung kommen wir zur Charakterauswahl. Wir dürfen nämlich zwei kreieren und nach dem Spielstart auswählen, wessen Abenteuer wir heute fortsetzen möchten. Als Veteran oder Gold-Spieler bekommen wir sogar acht Charakterslots. Mit unserer noch unerfahrenen Ingenieurin, die nun aus irgendeinem Grund kaum noch Klamotten am Leib trägt (wo ist unser Mantel hin?!), machen wir uns auf, zunächst mal ein paar Monster – oder Mönsterchen – zu killen, die hier eigentlich nur friedlich vor sich hin wuseln. Die Steuerung funktioniert wie gewohnt über Maus und Tastatur, per Klick aufs Mausrad können wir den Blick vom fast unbedeckten Popo unserer Heldin auch mal auf ihr Gesicht wenden.

Einmal bitte recht freundlich!

Rein- und rauszoomen funktioniert mit dem Mausrad, die Perspektive wechseln wir, indem wir die rechte Maustaste gedrückt halten. Beim Kampf nutzen wir für den Einsatz unserer Fähigkeiten die Zahlentasten, alternativ könnten wir auch auf die entsprechenden Symbole in der Skill-Leiste klicken, aber für sowas ist im Gefecht freilich wenig Zeit. Fähigkeiten haben eine bestimmte Cooldown-Zeit, die wir beim Kämpfen berücksichtigen sollten.

Eigentlich sollte wir Monster töten, aber die Landschaft ist so schön, da kann man auch mal kurz den Blick schweifen lassen.

Also gut, so weit ist das alles bekannt. Wir marschieren los und finden uns bald schon in einem kleinen Dorf namens Aldelle wieder, wo wir uns von einem NPC die erste Aufgabe abholen. Von da an tun wir eigentlich immer sehr ähnliche Sachen: Wir rennen von Aldelle zum See oder zum Wald oder irgendwo anders hin, auf der Suche nach Personen, die weitere Aufgaben für uns haben, oder nach Kreaturen, die wir töten sollen. Wir sammeln Loot, füllen uns Inventar und statten unsere Ingenieurin mit allerlei Schnickschnack aus, der ihre Werte verbessert. Erfüllte Aufgaben bescheren uns natürlich Belohnungen, in der Regel in Form von Ingame-Währung, Erfahrungspunkten oder auch mal besonderen Items.

Dieser niedliche Weißfuß-Daru muss gleich dran glauben.

Wenn wir schnell in der Story vorankommen wollen, halten wir uns an die Kampagne, die zwischendurch immer wieder von kurzen Filmsequenzen unterbrochen wird. Dabei erfahren wir mehr über Vergangenheit und Zukunft unseres Charakters. Nebenquests, die unabhängig von der Kampagne sind, gibt es in Aion wie Sand am Meer. Die zu erfüllen lohnt sich schon, um den Geldbeutel und das Inventar aufzustocken, allerdings wiederholen sich die Aufgaben eigentlich immer wieder und, was noch schlimmer ist, wir müssen permanent die gleichen langen Wege entlangrennen. Das wird nach zwei, drei Stunden Spielzeit schon etwas monoton, wenngleich uns die wunderschöne Landschaft in Aion für die eine oder andere Blase am virtuellen Fuß durchaus entschädigt. Generell kann das MMORPG in grafischer Hinsicht auch fünf Jahre nach Erstveröffentlichung noch mit aktuellen Titeln mithalten – von einigen schwammigen Texturen im Hintergrund mal abgesehen.

Kurze Ausflüge in luftige Höhen: Wir lernen fliegen

Es gibt zwei große Meilensteine in Aion, Level 10 und Level 25. Ab Level 10 steigen wir zum Daeva auf, was bedeutet, dass wir nun unsere Klassenspezialisierung vornehmen können. Als Ingenieur stehen uns dafür der Schütze und der Äthertech zur Wahl. Je nachdem, wie wir uns entscheiden, verfügen wir über unterschiedliche Skills und Waffen. Beim Äthertech ist die Waffe der Ätherschlüssel, der uns letztlich auch den Zugriff auf gewaltige Mechs bietet.

Es gibt auch lustige Mechs für den Äthertech!

Im Release-Trailer zu Aion 4.5 könnt ihr euch einen Eindruck davon verschaffen:

Außerdem haben wir ab Level 10 endlich die Möglichkeit, unsere Schwingen auszubreiten und in die Lüfte abzuheben. Falsche Erwartungen werden nun spätestens gedämpft. Dass wir grundsätzlich in der Lage sind zu fliegen, heißt nicht, dass wir uns ab sofort lange Fußwege sparen können. Nur in wenigen Gebieten gibt es überhaupt eine "Fluggenehmigung" (erkennbar an einem Symbol in der unteren Leiste) und wenn wir dann mal abheben dürfen, dann nur für kurze Zeit. Vor allem im Abyss, der finsteren PvP-Zone von Aion, brauchen wir unsere Flügel, aber bis dahin ist es noch ein weiter Weg.

Fliegen und gleiten lernen wir ab Stufe 10.

Erst ab Level 25 erhalten wir nämlich Zugang zu PvP (Player versus Player) und können uns Kämpfe mit Spielern der verfeindeten Fraktion liefern. Hierbei geht es um die Eroberung von Festungen, wobei auch die Balaur regelmäßig ein Wörtchen mitzureden haben. Diese beiden Levelstufen zu erreichen stellt wohl die größte Motivation in Aion dar, die geduldige MMORPG-Fans durch viele Stunden voller PvE- und Sammelquests führt. Generell gilt natürlich: Je höher das Level, desto mehr Features können wir nutzen. Dazu zählen selbstverständlich auch klassische Online-RPG-Features wie ein Pet- und ein Housingsystem, ebenso wie Crafting und Berufe. Derzeit liegt das Level-Cap bei Stufe 65.

Pro
Schon recht früh im Spiel bekommen wir die versprochenen Flügel
Eine riesige, abwechslungsreiche Welt, die grafisch immer noch einiges hermacht
Charakter-Individualisierung vom Feinsten
Aussicht auf PvP sorgt für Motivation während der langen PvE-Phase
Keine großen Abstriche für nicht-zahlende Spieler
Contra
Eintönige Aufgaben in der Einstiegsphase
Kaum Abwechslung für Nicht-PvP-Begeisterte

4/5 Sterne

Fazit

Aion enthält eigentlich alle Features, die wir von einem Fantasy-MMORPG (ob free-to-play oder nicht) erwarten. Das Alleinstellungsmerkmal ist vermutlich die Sache mit dem Fliegen, wobei wir uns gewünscht hätten, dass wir etwas längere Reisen in großer Höhe unternehmen können. Trotzdem ist es ein buchstäblich erhebender Moment, wenn wir zum ersten Mal die Schwingen ausbreiten. Obwohl das Spiel schon ein paar Jahre alt ist, wirkt es nicht angestaubt, vielmehr haben wir uns in einer wirklich wunderschönen Welt voller abwechslungsreicher Gebiete und seltsamer Kreaturen wiedergefunden. Die Tatsache, dass wir unsere Charaktere bis ins kleinste Detail nach unseren Vorstellungen gestalten können, ist ein weiterer Bonuspunkt. Negativ aufgefallen ist uns die wirklich lange Phase, in der wir stundenlang sehr ähnliche Aufgaben erfüllen und immer wieder die gleichen Wege gehen. Das ändert sich natürlich mit dem Einstieg ins PvP-Getümmel. Wer auf Spieler-gegen-Spieler-Kämpfe nicht so großen Wert legt, wird in anderen MMORPGs vermutlich besser aufgehoben sein. Einen Blick ist das Spiel aber für jeden Spielertyp wert, der sich in dem Genre wohlfühlt, und sei es nur, um einmal im Flug die schöne Welt Atreia von oben zu bewundern.

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